10.08.2010 · Der Vorgang um ein Burschenschaftertreffen in ihren Räumen ist kein Ruhmesblatt für die Industrie- und Handelskammer in Frankfurt. Da kommt die Intervention von Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) zur rechten Zeit.
Von Matthias AlexanderDer Vorgang ist kein Ruhmesblatt für die Industrie- und Handelskammer in Frankfurt. Erst hielt sie es für unproblematisch, ihren Festsaal an eine Vereinigung von studentischen Verbindungen zu vermieten. Als dann aber eine Frankfurter Zeitung argwöhnte, bei dem Treffen seien auch rechtsextreme Burschenschafter willkommen, wurde die Kammer nervös. Es dauerte nur zwei Tage, dann teilte IHK-Hauptgeschäftsführer Matthias Grässle mit, man habe sich mit der Vereinigung der Akademikerverbände darauf geeinigt, den Kommers nicht in den Räumen der Kammer stattfinden zu lassen.
Die Begründung fiel dürftig aus: „Vor dem Hintergrund der öffentlichen Diskussion“ sei zu erwarten, dass die Veranstaltung nicht mehr in Ruhe hätte stattfinden können. Auf die nicht unwichtige Frage, inwieweit die Vorwürfe der Kritiker tatsächlich zutreffen, ging Grässle nicht ein. Da konnte Günter Paul, der Vorsitzende der Vereinigung im Rhein-Main-Gebiet, noch so nachdrücklich darauf hinweisen, seine Vereinigung stehe auf dem Boden der demokratischen Grundordnung und rechtsradikale Vorfälle habe es in mehr als 25 Jahren nicht gegeben. Paul ist immerhin Präsident des hessischen Staatsgerichtshofes.
Einzelne Korporationen „außerhalb des Mainstreams“
Landläufig wird eine Haltung, wie sie die IHK demonstriert, Feigheit genannt. Sie ist offenbar ansteckend. Denn nun hat auch das Büro der Oberbürgermeisterin angekündigt, das Gespräch mit der Vereinigung über einen geplanten Empfang im Römer zu suchen. Vermutlich wird die Vereinigung freundlich gebeten werden, von sich aus zu verzichten.
Da kommt die Intervention von Ordnungsdezernent Volker Stein (FDP) zur rechten Zeit. Er erinnert an die tragende Rolle der Burschenschaften in der deutschen Demokratiegeschichte und warnt zu Recht davor, alle Verbindungen in Haftung zu nehmen, wenn einzelnen Korporationen „außerhalb des Mainstreams“ agierten. Gerade die IHK, so ließe sich ergänzen, sollte wissen, dass eine Vereinigung nicht für die Überzeugungen jedes einzelnen Mitglieds verantwortlich gemacht werden darf. Bleibt zu hoffen, dass die FDP ihre Haltung mit dem Nachdruck im Römer zur Geltung bringt, der ihr als maßgeblicher Mehrheitsbeschafferin der schwarz-grünen Koalition zur Verfügung steht.
Matthias Alexander Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
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