Die vermeintlich guten Gründe, seinem Kind eine religiöse Erziehung zu verweigern, zerstieben rasch, sobald man sich auf die Gemeindeebene begibt und dort weltoffene Priester, einfühlsame Pastoralreferenten und engagierte Katecheten trifft. Wie viele Familien in den zurückliegenden Monaten während der Vorbereitung ihres Nachwuchses auf die Erstkommunion. Nicht alle haben jetzt am traditionell diesem Ereignis vorbehaltenen Weißen Sonntag das katholische Fest der Initiation gefeiert, in Frankfurt werden auch an den kommenden Sonntagen Mädchen und Jungen zum ersten Mal an den Tisch des Herrn geführt. Unter anderem deshalb, weil es in den „Pastoralen Räumen“ an Personal fehlt, um in allen darunter zusammengefassten Gemeinden die Gottesdienste am selben Termin anzusetzen.
Es ist in einer Stadt wie Frankfurt eine Minderheit, die dergestalt ins christliche Überlieferungsgeschehen einrückt. In etlichen Grundschulklassen sind Getaufte eine Ausnahme. Gerade auch in den Stadtteilen des gehobenen Bürgertums gehören Kirchenskepsis und Ablehnung des Religiösen zum Alltagsrepertoire der jungen Dienstleistungseliten. Das Wissen um die Geschichten, Riten, Symbole des Glaubens schwindet ebenso wie die Bindung der Menschen an ihre Gemeinden, die sich freilich auch tiefgreifend verändert haben: Der treusorgende Stadtpfarrer, der auch noch die weit von der Herde entfernten Schäfchen kannte, ist weitgehend Geschichte.
Die Entwicklung hat auch ihr Gutes. An der katholischen Restbasis weiß man um den unauflöslichen Zusammenhang zwischen Zweifel und Glauben. Es wird über alles gesprochen. Und um jeden wird geworben. Der freundliche junge Geistliche aus Südindien, den seine Ordensgemeinschaft für drei Jahre nach Frankfurt geschickt hat, weil hier wie überall im Land der Priestermangel eklatant ist, zelebriert die Messe mit einer solchen Freude, dass selbst kritische Gäste bei der Kommunionfeier für einen Moment über einen Wiedereintritt in die Kirche nachdenken.
Allein schon der Blick in die strahlenden Gesichter der Kommunionskinder zeigt, was für ein emotionales Erlebnis dieser Tag für sie ist. Sie haben begonnen, sich mit religiösen Fragen auseinanderzusetzen. Wie sie sich einmal zum Glauben verhalten werden, ist ihre persönliche Sache. Ihnen jedoch religiöse Bildung und Erfahrungen vorzuenthalten ist auch aus kulturellen Gründen bedenklich: Das Christentum gehört zu Deutschland.