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Kommentar Alte Gräben, neue Fragen

 ·  Das hat sich der Mann, der immer gut ist für starke Worte, nicht nehmen lassen. Eine „sozialistische Einheitsschule“ sah der CDU-Schulpolitiker Hans-Jürgen Irmer am Horizont drohend nahen.

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Das hat sich der Mann, der immer gut ist für starke Worte, nicht nehmen lassen. Eine „sozialistische Einheitsschule“ sah der CDU-Schulpolitiker Hans-Jürgen Irmer am Horizont drohend nahen, als am Freitag die hessische SPD ihren Entwurf für ein neues Landes-Schulgesetz vorstellte. Dass in diesem Entwurf ein möglichst langes gemeinsames Lernen von Kindern und Jugendlichen an zentraler Stelle steht, kann niemanden überraschen, der die bildungspolitischen Vorstellungen der SPD kennt. Einlassungen dazu wie die des Sozialismus-Vorwurfs sind plakativ und haben einen gewissen Unterhaltungswert. Hilfreich, um einmal ganz frei die Bundeskanzlerin zu zitieren, sind sie nicht.

Die wirklich wichtigen und interessanten Fragen heißen in Zeiten, in denen mancherorts fast die Hälfte eines Jahrgangs nach der Grundschule aufs Gymnasium wechselt, nicht mehr, ob einer die Einheitsschule fordert oder die Dreigliedrigkeit beibehalten will, sondern zum Beispiel: Was tun, um das zunehmend größer werdende Gefälle zwischen ländlichem und städtischem Raum auszugleichen? In dem Bundesland, in dem die meisten verschiedenen Schulformen existieren –, von der integrierten Gesamtschule über freie Schulen und Halbtagsschulen mit Nachmittagsprogramm bis zu gebundenen Ganztagsschulen – muss festgelegt werden, wie künftig die Ressourcen verteilt werden.

Eine Finanzdebatte ist notwendig

Absolut sinken die Schülerzahlen, in Städten steigen sie. Und während Eltern in Frankfurt oder Wiesbaden wählen können zwischen öffentlichen und privaten Schulen und es in ihrer Entscheidung liegt, ob sie den Nachwuchs in die Grundschule im Viertel gehen lassen oder ihn quer durch die Stadt kutschieren, sieht das zum Beispiel in Nordhessen, aber auch in etlichen Taunusregionen anders aus. Dort sind Schulen mitunter so klein geworden, sprich: werden von so wenigen Schülern besucht, dass sie in absehbarer Zeit mit anderen Schulen zusammengelegt werden. Und dann werden die Kinder fahren müssen, ob sie das wollen oder nicht. Welche Wege sind zumutbar und welche nicht, und wer trägt die Kosten für ihre Bewältigung? Darauf haben die Bewohner außerhalb der Ballungsräume Antwort verdient.

Dringend notwendig ist auch eine breit angelegte, von allen Parteien intensiv geführte Finanzdebatte. Denn auch im Bildungswesen wird gespart, wenn auch weniger stark als in anderen Ressorts. Dieses Thema darf ruhig auch die Opposition mit mehr als Klagen besetzen.

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Jahrgang 1962, Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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