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Kommentar Alle Jahre wieder

29.01.2012 ·  Was ist das meistbenutzte deutsche Hauptwort, das keinen eigenen Eintrag im Internet-Lexikon Wikipedia hat? Die Antwort lautet bis zum Beweis des Gegenteils: Neujahrsempfang.

Von Matthias Alexander
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Preisfrage: Was ist das meistbenutzte deutsche Hauptwort, das keinen eigenen Eintrag im Internet-Lexikon Wikipedia hat? Die Antwort lautet bis zum Beweis des Gegenteils: Neujahrsempfang. Wann, wo und aus welchem Anlass Neujahrsempfänge zum ersten Mal abgehalten wurden, lässt sich also nicht ohne weiteres klären. Dabei pflegen von den Landfrauen des Bezirks Gießen bis zum Bundespräsidenten unendlich viele Institutionen im ganzen Land diese Tradition, gerne bis in den Februar hinein.

So unterschiedlich die Ausrichter, so ähnlich ist der Ablauf der Veranstaltungen. Begrüßung durch den Gastgeber, Grußwort eines prominenten Gastes, musikalische Darbietung, Festrede eines bedeutenden Gastes, zweite musikalische Darbietung. Mitunter entfällt ein Musikvortrag zugunsten eines zweiten Grußworts, oder es gibt zwei Festreden, weil der Veranstalter niemanden zurücksetzen wollte. Durchschnittliche Dauer: nicht unter anderthalb Stunden. In achtzig Prozent der Fälle müssen die Gäste stehen.

Ein wenig inspirieren lassen

Auch das lässt sich nicht wissenschaftlich belegen, aber es drängt sich der Verdacht auf, dass in keinem anderen europäischen Land Feiern mit einem derart großen Pflichtprogramm versehen werden. Dabei wollen auch hierzulande eigentlich alle Gäste nur das eine: miteinander plaudern, Informationen austauschen, Geschäfte anbahnen, interessante neue Menschen kennenlernen.

Und deshalb war der Empfang der Stadt Frankfurt auch in diesem Jahr so toll. Er fand am 10.Januar statt, als das Jahr tatsächlich noch neu war. Die Reden gerieten nicht zu lang. Wichtiger noch: Mit Wolf Singer war wieder ein interessanter Festredner aufgeboten. Und wer sich die Reden schenken wollte, ging einfach nicht in den Kaisersaal, sondern blieb im Foyer. Dort standen zwar Monitore, auf die das Geschehen aus dem Saal übertragen wurde. Aber sie waren nicht so laut gedreht, dass man sich ernsthaft zum Zuhören genötigt sah.

Die Frankfurter Industrie- und Handelskammer könnte sich davon ruhig ein wenig inspirieren lassen. Am Börsenplatz war man ja sehr traurig und erbost über die Absage des Ministerpräsidenten, der den Besuch einer Parteiveranstaltung in Zeilsheim vorzog. Ob ein Kammeroberer schon einmal auf den Gedanken gekommen ist, dass Volker Bouffier sich dort einfach mehr Kurzweil versprach? Recht hätte der Landesvater.

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Jahrgang 1968, Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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