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Kommentar Abschied vom kleinen Times Square

09.01.2010 ·  Das Haus der Nitribitt gehört wie der Turmpalast zu dem Gelände in der nördlichen Frankfurter Innenstadt, das neu bebaut werden soll. Dieser Neuordnung fällt nun auch der Turmpalast zum Opfer.

Von Rainer Schulze
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So weit wie Werner Pfaff gehen die Stadtverordneten, die das Ende des Turmpalastes beklagen, dann doch nicht. „Zumindest das Haus der Nitribitt sollte man unter Denkmalschutz stellen“, kalauert der Projektentwickler mit Blick auf das Apartmenthaus an der Stiftstraße, in dem die Edelprostituierte einst ihre Freier empfing und schließlich unter bis heute ungeklärten Umständen ermordet wurde. Das Haus gehört wie der Turmpalast zu dem Gelände in der nördlichen Innenstadt, das neu bebaut werden soll. Dieser Neuordnung fällt nun auch der Turmpalast zum Opfer.

In mehr als 50 Jahren Kinogeschichte ist der Turmpalast zu einer Institution geworden, die sich aus dem Frankfurter Kulturleben nicht wegdenken lässt. Viel Popcorn ist in dieser Zeit in die Sesselritzen gefallen. Und wie viele Beziehungen der Turmpalast und sein klappriges Mobiliar gestiftet haben, lässt sich nur vage schätzen. Viele Frankfurter haben auf diesen Sesseln ihre Kinoträume geträumt und die Bilder mit nach Hause genommen.

Legendäre Leuchtreklame

Erst das Royal, nun der Turmpalast – Frankfurt verliert innerhalb von zehn Jahren schon das zweite Fünfziger-Jahre-Kino. Wieder stirbt eine Institution, und das ist wie bei allen Dingen, die man liebgewonnen hat, zunächst sehr schade. Doch bei allem Verständnis für die Nostalgie sollten jene, die in den gesichtslosen Multiplex-Kinos jeden Charme vermissen, nicht die Augen vor der Realität verschließen. Sehr heruntergekommen ist der Turmpalast. Die Sessel sind klapprig, die Säle miefen. Ein Neuanfang könnte auch eine Chance bedeuten. Denn wirklich gerne hat man sich zuletzt nicht an die Polster des Kinos geschmiegt.

An Kondolenzadressen mangelt es nicht. Der Kulturdezernent will eine Schließung des Traditionskinos verhindern. Die FDP ist sich nicht ganz einig. Während die Jungen Liberalen fordern, dass neben den auf dem Gelände geplanten Wohnungen und Büros auch Platz für den Turmpalast bleibt, möchte die FDP-Römerfraktion, dass der Markt mit entscheidet, ob und wo eine neue Spielstätte für fremdsprachige Filme öffnet. Es ist zu hoffen, dass das Vertrauen in die Marktkräfte nicht enttäuscht wird. Eine internationale Stadt kann nicht auf ein Kino verzichten, das Filme in ihrer Originalfassung zeigt.

Eine neue Bebauung könnte dem Quartier am Eschenheimer Turm guttun. Tagsüber ist der Platz nämlich eine hässliche Ecke. Doch sobald es dunkel wird, schwärmen manche sogar von Frankfurts Time Square. Die legendäre Leuchtreklame für „Detektiv Tudor“ weist den Weg von der Innenstadt ins Nordend. Auch um sie wäre es ein bisschen schade.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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