Allüberall, auch in Frankfurt, und zu Recht besonders hier, wird des historischen Jahrs 1968 gedacht – vierzig Jahre sind offensichtlich ideal für die kollektive Erinnerung: Die Zeitzeugen noch nicht so alt, als dass man ihrem Gedächtnis misstrauen müsste; der zeitliche Abstand dagegen groß genug, um das Erinnern nicht zu verklären oder zu verkleistern.
Allüberall, auch in Frankfurt, beschäftigen sich Symposien und Ausstellungen mit der zweistelligen Zahl 68, die zur Chiffre geworden ist: für Emanzipation und Selbstbestimmung, für repressionsfreie Erziehung, herrschaftsfreien Dialog und für jenen langen Marsch durch die Institutionen, der 40 Jahre nach 1968 dazu führt, dass die munter gemachte Ausstellung im Frankfurter Historischen Museum von der Bundeskulturstiftung finanziert wird.
Ausstellung setzt auf die Kraft der Wahrheit
Eine andere Ausstellung heißt „Vom Geist der Freiheit“, veranstaltet von einer gemeinnützigen GmbH, die schon in ihrer Firmierung das durchaus Künstliche des Zusammenschlusses spiegelt: „KulturRegion Frankfurt RheinMain“. Nein, Namen sind nicht Schall und Rauch, und in dieser Ausstellung, die sicherlich verdienstvoll das Erstarken der Freiheit in der Stadt der Paulskirche und an anderen Stellen des Rhein-Main-Gebiets nachzeichnet, wird das Foto von Randale bei einer Freisprechungsfeier der IHK im Palmengarten gezeigt: Das Bild mit der verkürzten oder betont ironisch gemeinten Unterschrift „Freisprechungsfeier“ erweckt den Eindruck repressiver Staatsgewalt. In Wahrheit hatten die Demonstranten die Feier mit Gewalt und Gebrüll gestört.
Und dies sollte doch fairerweise festgehalten werden in einer Ausstellung, die auf die Kraft der Wahrheit setzt. Wie es denn überhaupt der Wahrheitsfindung dient, „68“ nicht nur für emanzipatorisch zu halten, sondern auch für repressiv, körperlich und seelisch gewaltsam und etwa im Vorgehen gegen Polizisten (die bekanntlich auch Menschen sind) zum Teil menschenverachtend.