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Kohlenmonoxid in Shisha-Bars Alarmstufe rot an der Wasserpfeife

 ·  Im Januar wurden acht Menschen in einer Wiesbadener Shisha-Bar mit Kohlenmonoxid vergiftet. Frankfurt will es so weit nicht kommen lassen: Am Freitagabend hat die Stadtpolizei 24Bars kontrolliert.

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Für den Fall, dass sich ein Brautpaar und sechs Polizisten um zehn Uhr abends in einem schmalen Stück Bar über den Weg laufen, gibt es keine Regeln, jedenfalls keine eindeutigen. Welches Rechtsgut wohl schwerer wiegt, die Unantastbarkeit des bis auf weiteres schönsten Tags des Lebens oder die Kontrolle gaststättenrechtlicher Belange? An diesem Freitagabend einigt man sich rasch, wer bei dem spontanen Zusammentreffen im engen Gang zuerst seiner Wege gehen darf: Das Brautpaar hat sich ja noch ein bisschen, die Polizisten müssen in der Nacht noch in ein halbes Dutzend anderer Kneipen.

Lothar Spahn drängt sich mit seinem gelben Kohlenmonoxid-Messgerät in den Raum, in dem in der Bockenheimer Shisha-Bar die Wasserpfeifen für die Gäste vorbereitet werden, wo also der Tabak eingefüllt und die Kohle aufgelegt wird. Draußen zündet jemand auf der Hochzeitstorte vier Wunderkerzen an. Wer unangekündigt kommt, kommen muss, weiß eben nie, wo er hineingerät. Vier Teams der Stadtpolizei sind an diesem Abend in 24Frankfurter Shisha-Bars unterwegs. Sie kontrollieren vor allem den Kohlenmonoxidgehalt in der Luft - schauen aber bei der Gelegenheit auch gleich, ob alle anderen Regeln für derartige Betriebe eingehalten werden.

Wegen Kohlenmonoxid gegen die Laterne gefahren

In Wiesbaden wurden Ende Januar acht Menschen in einer Shisha-Bar mit Kohlenmonoxid vergiftet; einer davon fuhr, weil ihm übel wurde, nach dem Besuch der Bar mit seinem Auto gegen eine Laterne. Das Gas entsteht durch die Verbrennung der Kohle, mit Hilfe deren die arabischen Wasserpfeifen betrieben werden. Bei einer hohen Konzentration der geruchlosen Verbindung in der Luft, wie sie häufig bei Bränden vorkommt, kann das Einatmen schon innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen.

Eine hohe Konzentration, das sind nach den Richtlinien des Arbeitsschutzes mehr als 30 Parts per Million, kurz ppm. Ein ppm ist die Menge von einem Kubikzentimeter Gas in einem Kubikmeter Luft. Ein Arbeitnehmer darf acht Stunden lang keiner höheren Kohlenmonoxidkonzentration als 30 ppm ausgesetzt sein.

Empfehlen, bitten, hinweisen

Lothar Spahn arbeitet bei der Emissionsschutz-Abteilung der Stadtpolizei, und sein Messgerät piept einige Male an diesem Abend, besonders in den Räumen, in denen die Shishas vorbereitet werden. Spahn verbietet den Betreibern dann vorerst, die Pfeifen weiter fertig zu machen, schaut nach der Lüftungsanlage oder empfiehlt, eine einzubauen, sagt, es wäre besser, die Bars hätten selbst ein Kohlenmonoxidwarngerät. Das könnte dann auch Alarm schlagen, wenn die Konzentration des Gases 60ppm übersteigt. Würde Spahn einen so hohen Wert feststellen, würde er die Bar wegen akuter Vergiftungsgefahr sofort räumen lassen.

Empfehlen, bitten, hinweisen: Für Shisha-Bars gelten keine gesonderten Regeln. Sie müssen keine Lüftungsanlagen einbauen, sie müssen kein Warngerät vorhalten, sogar die Grenzwerte sind nur Richtlinien. „Allerdings ist es im Sinne von Gästen und Betreibern, sich an unsere Aufforderungen zu halten“, sagt Spahn. „Bevor etwas passiert.“

Ein paar handfeste Regeln gibt es doch

Die Zahl der Shisha-Bars ist in Frankfurt zuletzt sprunghaft angestiegen. Gab es vor drei Jahren kaum ein Dutzend, zählt das Ordnungsamt jetzt 45. „Das sind nur die, von denen wir wissen“, sagt Matthias Heinrich, der die Stadtpolizei leitet und seine Kollegen ebenso wie Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) an diesem Abend bei ihren Kontrollen begleitet. Unbekannt ist die genaue Zahl deshalb, weil Shisha-Bars keine gesonderte Erlaubnis brauchen.

Ein paar handfeste Regeln gibt es aber doch. Wie alle Kneipen, in denen geraucht wird, dürfen die Shisha-Bars nicht größer als 75Quadratmeter sein. Der Betreiber der Bar in Bockenheim weiß nicht genau, wie groß sein Raum ist, 120Quadratmeter vielleicht, sagt er. Auch Lothar Spahn meint, dass der Raum zu groß sei. Dem Betreiber wird das eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Nichtraucherschutzgesetz einbringen.

„Das mit dem Kohlenmonoxid glaube ich nicht“

Einige Male noch werden die Stadtpolizisten an diesem Abend fündig: nicht zugängliche Notausgänge, minderjährige Gäste, abgelaufene Feuerlöscher. Der Kontrolldruck, den die Stadt nach den Worten von Markus Frank in den vergangenen Monaten aufgebaut hat, sorgt aber dafür, dass die meisten inzwischen eine Belüftungsanlage, viele sogar einen Kohlenmonoxid-Warnmelder angebracht haben. „Es sollte aber jede Bar einen haben“, sagt Frank.

In einem niedrigen Gastraum sitzt mehr als ein Dutzend junger Männer um die Wasserpfeifen. Die beiden kleinen Fenster sind zu, Spahns Messgerät piept und blinkt rot. Ein bulliger Mann will wissen, was denn so gefährlich sei. Das mit dem Kohlenmonoxid, sagt er dann, das glaube er nicht. „Ich rauche hier seit zwölf Jahren.“ Ein Typ mit Baseballkappe zieht sich seinen Schal vor den Mund, es soll wohl ein Scherz sein. Als Spahn den Männern „viel Spaß noch“ wünscht und den Raum verlässt, gibt es Applaus.

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