Da knirscht es aber gewaltig im politischen Römer-Gebälk. So viel hätte gar nicht gefehlt und der Bürgermeister, den die SPD gestern in Frankfurt zur Wiederwahl stellte, hätte das Ziel verfehlt, weiter im Amt bleiben zu können. Das Ergebnis ist schon eine bemerkenswerte Abfuhr, eine Blamage. Und es ist ein deutlicher Hinweis auf breite Unzufriedenheit und offenkundigen Überdruß.
Die politische Dimension des Wahlergebnisses (56 Jastimmen) wird erkennbar, wenn man sich vor Augen führt, daß der Bürgermeister aus dem Lager des Viererbündnisses von CDU, SPD, Grünen und FDP 81 Stimmen hätte erhalten können. Da hat also ein großer Teil der so großen Römer-Allianz die geheime Gelegenheit genutzt, das Bündnis in Frage zu stellen. Nichts mit "allen Wohl und niemand Weh", wie man noch tags zuvor den Eindruck hatte gewinnen können (sollen?), als die vier kund- und zu wissen taten, wie "stabil" ihre Mehrheit sei, die sie bis zum Ende der Wahlperiode im Interesse der Stadt zu nutzen gedächten. Von diesem Einvernehmen kann keine Rede sein, der zuvor noch so ostentativ bekundete Gemeinschaftsgeist ist nichts als Hülle, noch nicht einmal Pathos bleibt.
Dies Joachim Vandreike als persönliche Niederlage anzulasten ist unerheblich. Man wird dessen so schlechtes Abschneiden kaum damit begründen können, da seien alte Rechnungen beglichen worden. Die Wurzel liegt tiefer.
Die Bürgermeisterwahl war eine Entscheidung, in der das Bündnis seinen Zusammenhalt testen konnte - in geheimer Wahl. Der Test fiel - bei einem solch krassen Auseinanderklaffen - negativ aus. Die Ursachen lassen sich unschwer nachvollziehen. Als eine Notlösung war das Bündnis zustande gekommen, nachdem die Grünen nach der Kommunalwahl der CDU die Tür vor der Nase zugeschlagen hatten: Die geplante schwarz-grün-gelbe Kooperation kam nicht zustande. Doch diese Notlösung hat gerade angesichts der ökonomischen Krisensituation bisher den Beweis nicht antreten können, zielstrebig und effektiv diese Krise mit neuem Denken zu bewältigen. Viel zu zäh, viel zu parteilastig waren die Entscheidungsabläufe, überlagert von Macht- und Strategiefragen.
Ein Bündnis wird man die Viererrunde im Römer nicht mehr nennen können. Frankfurt hat Besseres verdient. GÜNTER MICK

