http://www.faz.net/-gzg-76gef
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 11.02.2013, 09:00 Uhr

Klinikum Höchst und Main-Taunus-Kliniken Zwei Kranke sollen zusammen gesund sein

Fusionen von Kliniken liegen in Frankfurt im Trend. Für das Klinikum Höchst sind allerdings nur noch außerhalb der Stadtgrenze passende Partner übrig geblieben. Die große hessische Lösung wäre die letzte Option.

von , Frankfurt
© Fricke, Helmut Vorbote der Fusion: Der Neurologe Thorsten Steiner praktiziert schon in Hofheim und Höchst.

Der Neurologe Thorsten Steiner ist seit Jahresanfang an zwei Krankenhäusern tätig: Er leitet nicht nur die Klinik für Neurologie in Frankfurt-Höchst, sondern ist auch Chefarzt der sogenannten Stroke Unit im neun Kilometer entfernten Hofheim, also der Abteilung, die Schlaganfallpatienten behandelt. Möglich macht dies die mittlerweile siebte Kooperation zwischen dem Klinikum Höchst und den Main-Taunus-Kliniken, die unter dem Vorzeichen einer noch engeren Zusammenarbeit steht. Zuvor hatten die Main-Taunus-Kliniken Uta Meyding-Lamadé vom Frankfurter Nordwestkrankenhaus mit der Leitung beauftragt; der Vertrag war nach fünf Jahren ausgelaufen.

Ingrid Karb Folgen:

Künftig könnten noch mehr Ärzte zwischen dem Klinikum Höchst und den beiden Standorten der Main-Taunus-Kliniken in Hofheim und Bad Soden pendeln. Denn die defizitären kommunalen Krankenhäuser wollen, wie berichtet, fusionieren, falls alle zuständigen Behörden und Gremien dem zustimmen. Entstehen soll ein Großkrankenhaus mit drei Standorten und zunächst mehr als 3600 Mitarbeitern und rund 1500 Betten. Es ist jedoch anzunehmen, dass mittelfristig sowohl die Zahl der Angestellten als auch die der Betten sinken wird. Denn schon jetzt beklagen die beiden kommunalen Krankenhausgesellschaften, dass ihre Betten unter betriebswirtschaftlichen Aspekten nicht hinreichend ausgelastet seien.

Kirchliche Krankenhäuser sind schon verbunden

Mit dem Fusionsplan für ihr Klinikum in Höchst folgt die Stadt Frankfurt einem Trend. Es gehört zu den letzten Einzelkämpfern der 16 Krankenhäuser in Frankfurt. Die Frankfurter SPD hätte denn auch lieber einen Partner in der Stadt gesucht. Allerdings scheint ihr Vorschlag, eine Zusammenarbeit mit den Frankfurter Stiftungskrankenhäusern (zu denen seit Januar Bürgerhospital, Nordwestkrankenhaus, Hospital zum Heiligen Geist und Clementine-Kinderhospital gehören) zu prüfen, nicht erfolgversprechend. Zu sehr sind diese zurzeit mit der Ausgestaltung der eigenen Fusion von vier Krankenhäusern beschäftigt. Und sie pflegen eine andere Unternehmenskultur, wollen den Einfluss der Politik über die städtische Stiftung Hospital zum Heiligen Geist möglichst gering halten.

Die kirchlichen Krankenhäuser sind schon über ihre Ordensgemeinschaften mit Krankenhäusern in Deutschland verbunden, wie das Krankenhaus Sachsenhausen und das Katharinenkrankenhaus in Bornheim. Marien- und Elisabethenkrankenhaus gehören zur Katharina Kasper gGmbH. Die Diakoniekliniken mit Markus-, Bethanien- und Diakonissenkrankenhaus haben sich schon vor längerer Zeit zusammengetan und 2002 den evangelischen Agaplesion-Konzern mitgegründet. Dieser gilt in der Kliniklandschaft als Erfolgsmodell und Vorbild. Die Rotkreuzschwestern haben ihre Frankfurter Kliniken 1992 fusioniert.

Vorstellungen über Verbund kommunaler Krankenhäuser sind noch vage

Letztlich blieben für eine stadtinterne Zusammenarbeit oder sogar Fusion nur die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik und die Universitätsklinik. Die Unfallklinik liegt am anderen Ende der Stadt. Und die Uniklinik steckt selbst in den roten Zahlen, kämpft mit den Herausforderungen des langwierigen Umbaus und muss zudem medizinische Versorgung mit Forschung und Lehre vereinbaren.

Das Klinikum in den hessenweiten Verbund kommunaler Krankenhäuser einzubringen, der von Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) vorgeschlagen wurde und von dem es bisher nur sehr vage Vorstellungen gibt, scheint Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) als letzte Möglichkeit anzusehen. In einem solchen Verbund hätte die Stadt wenig Mitspracherechte.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Nach Amoktat in Berlin Funktionierte der Polizei-Funk nicht?

An der Berliner Charité sind viele Mitarbeiter aufgewühlt. Warum musste ein beliebter Arzt sterben, mitten im Dienst, erschossen von einem Patienten? Es sind viele Fragen offen. Auch Kritik an der Polizei wird inzwischen laut. Mehr

27.07.2016, 16:58 Uhr | Gesellschaft
Krankenhaus Benjamin Franklin Patient schießt auf Arzt in Berliner Klinik

Im Berliner Universitätsklinikum Benjamin Franklin hat ein Patient auf einen Arzt geschossen. Die Tat habe keinen Bezug zum islamistischen Terrorismus, so die Polizei. Mehr

26.07.2016, 15:05 Uhr | Gesellschaft
Rhein-Main-Gebiet Erste Engpässe bei Trinkwasser in der wachsenden Region

So eine Nachricht erwartet man eher aus dem Süden Europas, doch im Ballungsraum Rhein-Main kann das Trinkwasser im Sommer knapp werden. Das plant Hessenwasser dagegen. Mehr Von Mechthild Harting, Rhein-Main

29.07.2016, 19:23 Uhr | Rhein-Main
Frankfurter Anthologie Robert Frost: Innehaltend inmitten der Wälder an einem Schnee-Abend

Innehaltend inmitten der Wälder an einem Schnee-Abend von Robert Frost, gelesen von Thomas Huber. Mehr

29.07.2016, 16:44 Uhr | Feuilleton
Vom Aussterben bedroht Überlebenskampf der Feldhamster

Eine der letzten großen Populationen des Nagers in Hessen liegt zwischen Massenheim und Flörsheim - doch die Bestände nehmen dramatisch ab. Um sie zu erhalten, muss der Mensch reagieren. Mehr Von Heike Lattka, Main-Taunus-Kreis

28.07.2016, 12:23 Uhr | Rhein-Main

Schluss um Mitternacht

Von Helmut Schwan

Flughafenbetreiber Fraport fordert mehr Flexibilität bei der Handhabung des Nachtflugverbots. Minister Al-Wazir verspürt aber keine Lust, sich auf diesem Feld Ärger einzuhandeln. Mehr 5 9

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen