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Klinikfusion : „Das medizinische Konzept ist noch nicht beschlossen“

Zusammenarbeit: Die Kliniken in Höchst, Bad Soden und Hofheim sollen künftig Patienten gemeinsam behandeln. Bild: Röth, Frank

Bisher gibt es nur eine Absichtserklärung zu einer Fusion des Klinikums Höchst und der Main-Taunus-Kliniken, ein konkretes Konzept liegt noch nicht vor. Die Fusion solle aber „so bald wie möglich“ erfolgen.

          Bisher gibt es nur eine Absichtserklärung zu einer Fusion des Klinikums Höchst und der Main-Taunus-Kliniken, ein konkretes Konzept liegt noch nicht vor. Dies haben die Frankfurter Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) und der Main-Taunus-Landrat Michael Cyriax (CDU) am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mitgeteilt. Die Aufsichtsräte beider Klinik-Gesellschaften hätten am Vorabend der Aufnahme von Gesprächen zugestimmt, in denen Gesellschaftsstruktur und medizinisches Konzept eines Zusammenschlusses beraten werden sollten. Für Donnerstag sei das erste Treffen angesetzt. Einen Zeitplan für die Fusion gebe es nicht, sie solle aber „so bald wie möglich“ erfolgen, sagte Heilig.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Über die Schließung oder Verlegung von Abteilungen sei noch nicht gesprochen worden, sagten Heilig und Cyriax und dementierten damit Presseberichte der vergangenen Tage. Allerdings sei geplant, Parallelstrukturen zu beseitigen. Dafür sollten alle medizinischen Angebote verglichen und solle geschaut werden, wo wessen Stärken lägen. Konkretere Aussagen wollten die Politiker nicht machen.

          „Gefasste, neugierige Stimmung“

          Man habe keine Entscheidungen „im stillen Kämmerchen“ getroffen, äußerte Cyriax. Die Mitarbeiter sollten in den Prozess eingebunden werden, ergänzte Heilig. Deshalb habe man zunächst die Aufsichtgremien, die Führungskräfte und gestern Morgen dann die Mitarbeiter informiert. Diese hätten die Pläne positiv aufgenommen.

          Der Betriebsratsvorsitzende der Main-Taunus-Kliniken, Roland Kaiser, berichtete von einer „gefassten, neugierigen Stimmung“. Angst um die Arbeitsplätze habe niemand im Saal geäußert. Eine mögliche Fusion werde nicht als Schreckgespenst wahrgenommen. Eine Kooperation könne allerdings nur gelingen, wenn auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werde, forderte er. Die Formulierung in der Absichtserklärung dazu war ihm zu schwach.

          Genehmigung der Gremien steht noch aus

          In der Absichtserklärung heißt es, beide Träger würden prüfen, die Kliniken „enger zusammenzuführen“, dies könne „von einer umfassenden Kooperation bis hin zur gesellschaftsrechtlichen Verschmelzung reichen“. Ziel sei es, die wirtschaftliche Lage zu verbessern, die Kliniken in kommunaler Trägerschaft zu erhalten, alle drei Standorte zu sichern und betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden. Langfristig werde es jedoch vor allem in der Verwaltung weniger Personal geben, dies solle jedoch über Fluktuation erreicht werden.

          In der Pressekonferenz machten die beiden Politiker deutlich, dass sie eine Fusion anstrebten, wofür noch die Genehmigung verschiedener Gremien ausstehe. Neben der Zustimmung der Parlamente wurden in diesem Zusammenhang das Bundeskartellamt und das hessische Sozialministerium genannt. Die Unterlagen sollen nach Angaben von Heilig noch heute zur Prüfung an das Bundeskartellamt geschickt werden. Die Chancen für eine Zustimmung schätzten beide gut ein.

          Beide Klinik-Gesellschaften schreiben rote Zahlen

          Der Main-Taunus-Landrat hob hervor, dass die Gespräche „auf Augenhöhe“ geführt würden. Im Fall eines Zusammenschlusses werde ein Beteiligungsverhältnis von fünfzig zu fünfzig angestrebt. Die Kliniken des Main-Taunus-Kreises mit Standorten in Hofheim und Bad Soden haben zusammen gut 500 Betten, das Klinikum Höchst fast doppelt so viele. Das sogenannte Erlösvolumen liegt in Höchst bei 156 Millionen Euro, im Main-Taunus-Kreis bei 103 Millionen Euro.

          Beide Klinik-Gesellschaften schreiben rote Zahlen. Die Kliniken des Main-Taunus-Kreises, die in Bad Soden und Hofheim neu gebaut haben, sind mit 120 Millionen Euro verschuldet. Er wisse, dass es Frankfurt nicht zu vermitteln sei, die Schulden des Main-Taunus-Kreises zu übernehmen, sagte Cyriax. Parallel zu den Verhandlungen würden die Kliniken des Kreises restrukturiert.

          Kliniken sollen in kommunaler Trägerschaft bleiben

          Während für den Neubau in Hofheim in der nächsten Woche Richtfest gefeiert wird, soll mit dem Baubeginn in Höchst noch gewartet werden, um die Pläne abermals zu ändern. Die Verzögerung - der Bezug sei nun für 2016 geplant - und die Mehrkosten seien zwar „bitter“, aber notwendig, sagte Heilig. Die Mehrkosten könne sie noch nicht beziffern. Die Kosten, die für die Verhandlungen entstehen, wollen sich Frankfurt und der Main-Taunus-Kreis teilen. Sollte es einen Zusammenschluss doch nicht geben, kann keiner der beiden die Kosten zurückfordern. Dies ist in der Vereinbarung festgehalten.

          Grüttner habe mit seinen Vorschlägen für eine Betriebsholding für alle kommunalen Kliniken in Hessen die Gespräche angestoßen, sagte Heilig. Ein Beitritt in den hessenweiten Verbund sieht sie jedoch als letzte Möglichkeit. „Wir wollen, dass die Kliniken in kommunaler Trägerschaft bleiben.“

          Quelle: F.A.Z.

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