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Klimaschutz und Verkehr Tempo 130 auf Autobahnen und viel Radverkehr

 ·  Hessens Grüne wollen mehr Klimaschutz durch eine „Verkehrswende“ erreichen. Busse und Bahnen sollen künftig Vorrang haben.

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Auf den Autobahnen wollen die Grünen ein Tempolimit von 130 Kilometern erreichen.

Die Landtagsfraktion der Grünen hat ein Konzept für eine „Verkehrswende“ vorgelegt. Es gehe darum, den Ausstoß von Kohlendioxid bis zum Jahr 2020 um 30 Prozent zu senken, sagte gestern Karin Müller, die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, bei der Vorstellung des Plans im Landtag. Dafür müssten der Personenverkehr um zwölf Prozent reduziert und das Wachstum des Güterverkehrs auf 20 Prozent begrenzt werden.

Mit 61 Prozent liegt das höchste Potential zur Einsparung von Emissionen im Personenverkehr, wie die Grünen berechnet haben. Man müsse den städtischen Verkehr neu denken, sagte Müller, das Leitbild müsse eine „Stadt der kurzen Wege“ sein. Etwa 45 Prozent aller Wege bis zu fünf Kilometer würden in Ballungsräumen mit dem Auto zurückgelegt. Durch eine Verlagerung auf das Fahrrad und die Füße könnten das Autofahren und damit auch der Ausstoß von Abgasen erheblich vermindert werden.

Anruf-Sammeltaxis und „Ärzte auf Rädern“ auf dem Prüfstand

Laut dem Konzept der Grünen müssen Busse und Bahnen Vorrang haben. Die Oppositionspartei glaubt, dass man bis 2020 den Anteil der mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegten Wege verdoppeln kann. Die ins Auge gefassten Schienenprojekte im Rhein-Main-Gebiet wie die nordmainische S-Bahn, die Regionaltangente West, die Ausbaustrecke Fulda-Frankfurt, die Neubaustrecke Frankfurt-Mannheim sowie der viergleisige Ausbau der Strecke Frankfurt/West-Bad Vilbel-Friedberg müssten verwirklicht werden. Ferner müsse die Finanzierung der Verkehrsverbünde an die reale Kostenentwicklung angepasst werden.

Allen Beschäftigten sollen landesweite Job-Tickets angeboten werden und Landesbedienstete Dienstreisen in der Regel mit Bus oder Bahn unternehmen. Auf dem Land müssen nach dem Plan der Grünen Modelle mit Anruf-Sammeltaxis, Ruf- und Bürgerbussen oder auch Projekte wie „Ärzte auf Rädern“ geprüft werden.

Geschwindigkeitsbegrenzung grenzt auch den Abgasausstoß ein

Das Reisen der Zukunft basiert für die Grünen auf einer reibungslosen Abstimmung des öffentlichen Nah-, Regional- und Fernverkehrs. Elektrofahrräder, sogenannte Pedelecs, und Carsharing-Autos müssten das Angebot an Umsteigepunkten wie Bahnhöfen oder Haltestellen ergänzen. Unverzichtbar seien Park-&-Ride- und Bike-&-Ride-Plätze sowie Möglichkeiten, Räder im Nah- und Fernverkehr mitnehmen und Sammeltaxis ordern zu können.

Auf Autobahnen soll ein Tempolimit von 130 Kilometern eingeführt werden. Damit setzen sich die hessischen Grünen von den Bundesgrünen ab, die Tempo 120 anstreben. Tempo 130 sei politisch leichter durchzusetzen, argumentiert die Landtagsabgeordnete Karin Müller. Durch eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung könnten sofort drei Prozent der auf Autobahnen ausgestoßenen Abgase verhindert werden, sagte Müller unter Berufung auf das Bundesamt für Umwelt.

Schienenverkehr ist umweltverträglicher

Während das Bundesverkehrsministerium von einer Steigerung des Güterverkehrs um 40 Prozent bis 2020 ausgeht, glauben die Grünen, den Anstieg auf 20 Prozent bremsen zu können. Notwendig dafür seien regionale Wirtschaftskreisläufe. Ferner setzen die Grünen auf einen kombinierten Verkehr mit Lastwagen und Bahn, der auf einem dichten Netz von Umladestationen beruhen soll. Auf dem überwiegenden Teil einer Strecke soll der umweltverträglichere Schienenverkehr den Gütertransport übernehmen.

Den Flugverkehr, der besonders viel Kohlendioxid-Emissionen verursache, wollen die Grünen verringern. Der größte Teil der Kurzstrecken könne auch per Bahn zurückgelegt werden. Mit dem bestehenden Bahnangebot könnten schon jetzt 16 Prozent aller Flüge von Frankfurt aus durch Zugfahrten mit weniger als vier Stunden Reisezeit ersetzt werden. Durch den Wegfall von Privilegien wie dem Verzicht des Staats auf die Mineralölsteuer auf Kerosin oder der Mehrwertsteuer auf Auslandsflüge sowie den Abbau der Subventionen für Flughäfen kann nach Meinung der hessischen Grünen die vorhergesagte Steigerung des Mittel- und Langstreckenverkehrs weitgehend vermieden werden.

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Jahrgang 1954, Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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