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Kleider-Atelier Die Verfertigung der Mode beim Denken

Von der Anstellung bei Hugo Boss zum eigenen Label und einem Atelier in einem alten Hotel. Andrea Ulrich macht Kleider, die den zweiten Blick aushalten. Ein Besuch.

© Schmitt, Felix Die Modedesignerin hatte bei Hugo Boss gearbeitet, bevor sie sich mit ihrem eigenen Modelabel "meinweiß" selbständig gemacht hat.

Mehr Ernsthaftigkeit geht nicht. Gleich mit dem Namen fängt es an; „meinweiß“ nennt Andrea Ulrich ihr Label. Rein gar nichts soll auf sie selbst hinweisen, Person und Werk sollen streng getrennt sein. Der Name fiel der Designerin beim Entwerfen der Etiketten für die erste eigene Kollektion ein. „Er war plötzlich da,“ sagt sie: Blasse weiße Buchstaben sollten sich von noch fahlerem weißem Untergrund schemenhaft abzeichnen. „meinweiß“. Wie ein Bekenntnis mit einem mütterlich-beschützenden Unterton, gleichzeitig ein diskreter Rückzug hinter die kleinen Meisterwerke, die Andrea Ulrich seelenruhig entwirft. 2006 tat sie den großen Schritt aus dem sicheren Job bei Hugo Boss in die unsichere Zukunft eines eigenen Unternehmens: ganz auf sich selbst gestellt, in Bad Ems gelandet.

Es ist nicht ihre erste Kleinstadt. Andrea Ulrich wurde in Weimar geboren, wuchs dort auf und meinte zunächst, das Theater sei ihre Bestimmung. Dem Abitur folgten ein Praktikum am Weimarer Nationaltheater beim Bühnen- und Kostümbild und vier Semester Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte in Leipzig. Dann war Schluss. Zu kopflastig, zu theoretisch, fand Andrea Ulrich. 1997 war die Ausbildung zur Diplomdesignerin an der Fachhochschule Trier dann das Richtige. Ihre Abschlussarbeit trug den schönen Titel „Die Ordnung der Dinge“. Natürlich eine Hommage an Michel Foucault, den wiederum der angebliche Fund von Jorge Luis Borges in einer chinesischen Enzyklopädie lachen und grübeln gemacht hatte. Darin sollten sich die Tiere „wie folgt gruppieren: ... Tiere, die dem Kaiser gehören ... einbalsamierte Tiere ... Milchschweine ... Sirenen ... die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind ... die den Wasserkrug zerbrochen haben ...“ Ulrich war genauso entzückt wie Foucault und fand auch gleich ihr Credo: die Liebe zum Detail, das sich erst auf den zweiten Blick offenbart, bloß keine Theatralik, dafür aber das Spiel mit Neugier, Licht und Schatten. Eine Art allmählicher Verfertigung der Mode beim Denken und später beim Hinschauen.

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Hugo Boss gehört zu ihren Lehrmeistern

Schon in der Studienzeit war Ulrich „dem Fluch“ verfallen, wie sie ihre sich selbst auferlegte Verpflichtung zur Qualität manchmal nennt. Der Fluch führte sie zu Firmen wie dem amerikanischen Kaschmirriesen TSE und zu einem Wettbewerb in der Strickhochburg Apolda, wo Toni Gard und Hugo Boss auf sie aufmerksam wurden. Nach beendeten Praktika wurde sie schnell verpflichtet in Metzingen. Von den wertvollen Erfahrungen dort profitiere sie immer noch, sagt Ulrich. Aber sie sei bei Boss eben nur für einen kleinen Ausschnitt verantwortlich gewesen, und so sagte sie der entfremdeten Arbeit nach drei schönen, anstrengenden Jahren Lebewohl. Nicht ganz einfach, wenn man gewöhnt ist, schon allein für die Zugehörigkeit zu einem weltbekannten Modeunternehmen bewundert zu werden. Zu Beginn der Selbständigkeit bleibe einem erst einmal nichts als die eigene Kompetenz. Also doch Bedenken gehabt? Keine Spur. „Das ist ein tolles Gefühl!“

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