Arbeitnehmervertreter haben es nach Angaben der Industriegewerkschaft Bau auf der Baustelle der EZB in Frankfurt sehr viel schwerer als anderswo, die Einhaltung der Tarifverträge und des Arbeitsschutzes zu überprüfen. Dort berufe man sich auf das Bankengesetz, eine Kontrolle sei nur mit Betriebsräten möglich, sagte der Bezirksleiter der Gewerkschaft, Hans-Joachim Rosenbaum. Gewerkschaftssekretären werde der Zutritt mit Hinweis auf ein besonderes Sicherheitsbedürfnis verwehrt. „Beispielsweise auf dem Flughafen ist das überhaupt kein Problem“, so Rosenbaum. Bei Fraport würden lediglich die Namen der Gewerkschafter erfragt, um sie mit einem Sicherheitsausweis ausstatten zu können.
Die IG Bau hat momentan zwar keine konkreten Belege für unzulässige Überschreitungen von Arbeitszeiten auf der EZB-Baustelle. Allerdings bestätigte Rosenbaum, dass derartige Verstöße inzwischen zur unrühmlichen Praxis auf vielen Baustellen in Deutschland gehörten. Ein Angestellter eines polnischen Subunternehmens der Züblin AG hatte im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von solchen Missständen berichtet.
Die Vorgehensweise ist dabei nach Erkenntnissen der Gewerkschaft immer ähnlich. Auf dem Papier habe es mit der Bezahlung und der Arbeitszeit seine Ordnung. Tatsächlich aber würden oft sehr viel mehr Stunden als zulässig geleistet. Auf dem Gelände der EZB werde die Baustelle zwar von privaten Sicherheitskräften nur in der Zeit von 6 bis 18 Uhr für die Mitarbeiter der Bauunternehmen freigegeben. Wie viele Stunden der einzelne Arbeiter aber in dieser Zeit tätig sei, das sei eine ganz andere Frage, sagte Rosenbaum.
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Bernd Stroemer (BerndStroemer)
- 06.06.2012, 12:16 Uhr