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Kirchengemeinde zieht um Von St. Martin zurück nach St. Laurentius

In Martinsthal zieht die katholische Kirchengemeinde von der neuen, größeren in die alte, kleinere Kirche um.

© Kretzer, Michael Die alte und neue Kirche: St. Laurentius.

Martinsthal ist der jüngste Ort des Rheingaus und ein beliebtes Weindorf. Ein kleines Dorf mit gleich zwei katholischen Kirchen, die steinerne Zeugnisse einer bemerkenswerten Entwicklung der Gemeinde über 650 Jahre sind. Doch noch bemerkenswerter als die Vergangenheit ist die Zukunft, denn die schon profanierte alte Kirche wird bald wieder das „neue“ Gotteshaus, und die „neue“ Kirche wird abgerissen.

Oliver Bock Folgen:

St. Laurentius und St. Sebastianus heißt das kleine denkmalgeschützte Gotteshaus an der Kirchstraße, das 1429 geweiht wurde. Es war der Mittelpunkt eines Dorfes, das auf Erzbischof Gerlach von Nassau zurückgeht. Dieser wollte den Rheingau durch Ausbau des natürlichen Schutzwalls, des „Rheingauer Gebücks“, stärken. Er lockte daher die Bürger des außerhalb gelegenen Dorfes Rode mit einer großzügigen Steuerbefreiung auf zehn Jahre hinter das Gebück. Ein Steuergeschenk, das viele Roder gerne annahmen. Sie gründeten im Frühjahr 1363 Neudorf, das erst seit 1935 Martinsthal heißt.

Eine überraschende Kehrtwende

Im Zuge der Bevölkerungsentwicklung wurde es in der 1717 schon einmal erweiterten Kirche immer enger. Durch den Zuzug von Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann ein Neubau unausweichlich, der 1964 auf der gegenüberliegenden Straßenseite geweiht wurde. Die Kirche St. Martin verströmt bis heute einen nüchtern-strengen Charme. Rückblickend war dieser Neubau keine nachhaltige Investition, denn St. Martin ist für die heute stark rückläufige Zahl von Katholiken viel zu groß und viel zu kostspielig im Unterhalt. Nur noch etwa 650 Katholiken gibt es in Martinsthal, rund 100 besuchen die Gottesdienste mehr oder weniger regelmäßig.

Die ursprüngliche Kirche hingegen war nach einer abschnittsweisen Sanierung in den Jahren zwischen 1987 und 2003 im Jahr 2004 endgültig profaniert und fortan von einer rührigen Gruppe der Kirchengemeinde als Kulturstätte genutzt worden - ehe nur ein Jahr später der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst eine überraschende Kehrtwende einleitete. Die Martinsthaler Kirchengemeinde soll wieder in die alte Kirche umziehen, und der gerade mal 50 Jahre alte Neubau soll abgerissen werden.

„Helle und freundliche Kirche“ versprochen

Ein Projekt im Zuge des bistumsweiten Programms „Sparen und Erneuern“, das in Martinsthal Befürworter und Kritiker hat, aber inzwischen hat sich die Kirchengemeinde mit der neuen Situation arrangiert, zumal damit Martinsthal dadurch als Kirchenstandort langfristig gesichert wird. „Das ist ein Bekenntnis zum Standort Martinsthal und zur Kirchengemeinde“, sagte Weihbischof Thomas Löhr, der im Zuge seiner Firm- und Visitationsreisen durch den Rheingau jetzt in Martinsthal Station machte.

Der Bischof habe eine „helle und freundliche Kirche“ versprochen, und überdies ein neues kleines Gemeindezentrum am Standort von St. Martin, sagt Dieter Albers vom Verwaltungsrat. Noch allerdings wartet die Kirchengemeinde auf die endgültige Entscheidung des Bistums, damit die Detailplanung beginnen und die Ausschreibung erfolgen kann. Diesen Bescheid brachte auch Löhr nicht mit nach Martinsthal, obwohl der eine oder andere Martinsthaler darauf gehofft hatte.

1,5 Millionen Euro Kosten

Mindestens 1,5 Millionen Euro wird das Projekt wohl kosten, aber noch sind viele Fragen ungeklärt. Soll die schöne steinerne Kanzel der Orgel Platz machen, die von der neuen Kirche in die alte umziehen soll? Wie soll der Innenraum gestaltet und wie die Ausstattung arrangiert werden? Welche Sanierungsschritte sollen noch vollzogen werden und welcher historische Zustand ist das Ziel einer Restaurierung? Wird der Kirchengemeinde der Einbau eines Windfangs gestattet? Findet sich in Beständen der Kirche ein passendes neues Altarkreuz oder muss ein neues in Auftrag gegeben werden?

Fragen, mit denen sich auch Weihbischof Löhr als Mitglied der Kunstkommission des Bistums noch beschäftigen muss. Für den Weihbischof steht die Sinnhaftigkeit der Rückkehr der Gemeinde in eine kleine Kirche mit großer Tradition, mit Atmosphäre und Ambiente aber außer Frage: „Das ist ein großes, lohnendes Projekt“.

Quelle: F.A.Z.

 
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