Home
http://www.faz.net/-gzg-76zb2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Kinderbücher Lustiges Labor

Eine schreibt, und eine zeichnet: eine Doppelvorstellung mit Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl bei den nächsten Sonntagsgeschichten. Die Beiden haben zwei quietschbunte Kinderbücher herausgebracht.

Ein Labor stellen wir uns als einen Ort vor, an dem Wissenschaftler in weißen Kitteln mit Chemikalien, Reagenzgläsern und viel Gestank Experimente machen. Doch in Frankfurt-Sachsenhausen gibt es ein Labor, in dem arbeiten neun Mitarbeiter ganz anders: Mit Computern und Texten, Zeichenstiften und Farben. Neun Grafiker und Designer, Illustratoren und Autoren sitzen dort über vielen verschiedenen kreativen Projekten.

Die älteste Laborantin - nicht an Jahren, sondern weil sie die Idee zu dieser Ateliergemeinschaft hatte - ist Anke Kuhl. Im Sommer 1999, da war sie 29 Jahre alt und gerade mit dem Studium fertig, gründete sie mit vier weiteren Kollegen das Labor. Die fünf mieteten ein helles Büro mit zwei großen und drei kleinen Räumen und suchten sich weitere Mitstreiter. Seitdem arbeiten und essen sie zusammen, diskutieren und unterstützen sich gegenseitig und machen jedes Jahr zur Buchmesse eine gemeinsame Ausstellung mit ihren Arbeiten.

Autorin und Illustratorin in einem Labor

Anke Kuhl hatte schon als Kind Freude am Zeichnen und Malen. Ihre Eltern unterstützten die Begabung der Tochter mit viel Lob und Ideen. Kein Wunder, dass Anke Kuhl sich wünschte, Illustratorin zu werden. Sie studierte in Offenbach an der Hochschule für Gestaltung und war sich nach ihrem Abschluss sicher, dass sie nicht allein in einem Atelier arbeiten wollte, sondern mit anderen Künstlern zusammen. So kam es zur Gründung des Labors in Frankfurt.

Ein Jahr jünger als Anke Kuhl ist Alexandra Maxeiner, die einzige in der Gemeinschaft, die nur als Autorin tätig ist, nur schreibt und nicht zeichnet. Sie war eine gute Freundin von Anke Kuhl und folgte ihr nach ein paar Jahren ins Labor. Auch sie wusste schon als Kind, was sie werden wollte: Schriftstellerin nämlich. Alexandra Maxeiner studierte Theater- und Filmwissenschaft, danach schrieb sie Drehbücher, Comedys fürs Radio und Stücke für das Kabarett Die Schmiere oder das Stalburg Theater in Frankfurt. Weil sie für ihre Arbeit mehr Ruhe braucht als ihre Kollegen, hat sie eins der kleinen Einzelbüros in dem Atelier bekommen. Seit fünf Jahren sitzt sie fast jeden Tag in ihrem kleinen Kämmerchen, das einer Kapitänskajüte gleicht, und schreibt an ihren Texten. Hier kann sie sich wunderbar konzentrieren, und wenn ihr mal nichts Witziges einfällt, schaut sie einfach aus ihrem Fenster ins Grüne und träumt ein wenig.

Zwei Kinderbücher herausgebracht

Was lag näher als ein gemeinsames Projekt der beiden Kolleginnen und Freundinnen? Vor allem auch darum, weil sie einen ähnlichen Geschmack haben: Beide essen sie für ihr Leben gern, und beide lieben sie Humor und Pointen.

Gleich zwei Kinderbücher sind so in den vergangenen Jahren entstanden: „Alles Familie!“ und „Alles lecker!“ Zwei Bücher, die nicht nur unglaublich witzig sind, sondern auch höchst interessant. Beide kombinieren sachliche Informationen und komische Bilder so wunderbar miteinander, dass das erste Buch „Alles Familie!“ sofort den Deutschen Jugendliteraturpreis einheimste.

Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl erzählen in „Alles Familie!“ vom „Kind der neuen Freundin vom Bruder von Papas früherer Frau und anderen Verwandten“. Der Untertitel klingt kompliziert und lustig zugleich, es geht um alle möglichen modernen Familienformen und Verwandtschaftsverhältnisse. Um große und kleine, faule und fleißige, Scheidungs- und Patchworkfamilien.

Quietschbunte Farben und lustige Figuren

Dazu hat Alexandra Maxeiner einen leichtverständlichen Text geschrieben mit vielen ungewöhnlichen Beispielen. Und Anke Kuhl hat ihn cool, witzig und frisch illustriert. Dieses Sachbilderbuch anzuschauen macht ganz einfach einen Riesenspaß! Dass den beiden kreativen jungen Frauen die Zusammenarbeit genauso viel Freude gemacht hat, sieht man den quietschbunten Farben, den lustigen Figuren und den flotten Familienszenen förmlich an!

Anke Kuhl wohnt mit ihrer Familie im Frankfurter Nordend. Wenn sie nicht Illustratorin geworden wäre, wäre sie gerne Köchin mit einem eigenen Restaurant. „Alles lecker!“, ihr zweites Buch-Projekt mit Alexandra Maxeiner über „Lieblingsspeisen, Ekelessen, Kuchendüfte, Erbsenpupsen, Pausenbrote und andere Köstlichkeiten“ war darum ein gefundenes Fressen auch für sie. Und es ist ein Buch geworden, bei dem einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Alexandra Maxeiner liebt Schokolade und Fernsehserien, am besten beides gleichzeitig! Ihr Hobby: Klavierspielen, ihr Traum: noch mehr Zeit zu haben fürs Schreiben.

Mehr zum Thema

Was Anke Kuhl und Alexandra Maxeiner noch verbindet: Beide sind begeistert von ihrem Beruf. Bücher zu machen, die von vielen Kindern angeschaut, gelesen, gebraucht werden, ist eine tolle Sache. Und diese Bücher dann noch so flott und fröhlich gestalten zu können - das ist wohl ein Traum, oder besser: ein Traumberuf.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Kinderbetreuung Krippenöffnung bis in die Nacht?

Die Wirtschaft fordert, dass Kinderkrippen sonntags und nachts öffnen. Das würde ihr so passen. Aber die Familien haben auch ein Recht auf Faulheit. Mehr Von Jan Grossarth

13.11.2014, 13:35 Uhr | Beruf-Chance
Künstlerin Etel Adnan Das Leuchten der Zukunft

Sie gilt als eine der wichtigsten Wiederentdeckungen der arabischen Gegenwartskunst. Der libanesischen Malerin Etel Adnan wird jetzt in Salzburg eine Schau gewidmet. Ein Hausbesuch in Paris. Mehr Von Annabelle Hirsch, Paris

16.11.2014, 16:43 Uhr | Feuilleton
Holocaust-Überlebende in Haifa Man muss leben weiter, kannst nichts machen

Ein Altenheim in Haifa. Die Bewohner erinnern sich an Elektrozäune und Todesmärsche. Und erzählen vom Trost in der Gemeinschaft, die auch die Grausamkeiten des zweiten Weltkriegs miterlebt hat. Mehr Von Jörn Klare

22.11.2014, 11:26 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 17.02.2013, 14:00 Uhr

Jetzt ein Tag der offenen Tür

Von Rainer Schulze

Der Neubau der EZB ist deutlich teurer geworden als geplant, ein Luxusobjekt ist das Gebäude dennoch nicht. Das sollte die EZB zur Eröffnung allen Bürgern zeigen. Mehr 3 2