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Kinderbuchautorin Ursel Scheffler Kugelblitz und Büchertürme

04.02.2012 ·  Ihr Detektiv löst jedes Rätsel, und Kinder auf der ganzen Welt fiebern mit: Ursel Scheffler liest am 12. Februar „Sonntagsgeschichten“.

Von Sylvia Schwab, Frankfurt
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Kugelrund und blitzgescheit ist der kleine dicke Kommissar, der in diesem August ein stolzes Dienstjubiläum als Buch-Detektiv feiert: Kommissar Kugelblitz. Die Markenzeichen des ebenso sympathischen wie pfiffigen kurzen Kerls: Schnauzbart und Schiebermütze.

Vor 30 Jahren erschien der erste Kugelblitz-Krimi, geschrieben von der Kinderbuchautorin Ursel Scheffler. Inzwischen gibt es fast 40 Kugelblitz-Bände, jeder einzelne ist eingeschlagen - ja, wie ein Kugelblitz eben. Mehrere Millionen Exemplare wurden auf der ganzen Welt verkauft, denn Übersetzungen gibt es nicht nur in die europäischen Sprachen, sondern auch ins Thailändische, Koreanische und Chinesische.

Reise durch die Phantasie bis ins Hier und Heute

In China zum Beispiel heißt Kommissar Kugelblitz Shandianqiu Tanzhang, das spricht man Schantientschiu Tängtschang aus. Und in China hat der deutsche Ermittler auch eine eigene Website: www.sdqtz.cn heißt die Adresse. Und dort redet Ursel Scheffler die Gäste perfekt chinesisch an. Wer jetzt meint, in China müsste doch der kugelige Kommissar kaum Chancen haben mit seinen runden Kulleraugen, der hat sich getäuscht, und zwar so richtig. Gerade kommt Ursel Scheffler zurück von einer Lesereise. In vielen großen Städten in China ist sie gewesen, begleitet von einem großen Kugelblitz aus Pappe. Der sei so beliebt gewesen wie ein Glücksbuddha, der ja auch rundlich ist, erzählt sie, und alle Kinder hätten seinen Bauch streicheln wollen.

Die Leser freuen sich diebisch über die lustigen Abenteuer der Protagonisten

Beide sind sie viel unterwegs, die Autorin und ihr Kommissar. Eine eigene Kugelblitz-Reihe für die Zehnjährigen erzählt zum Beispiel, wie Kugelblitz in Venedig, Paris, Istanbul oder New York seinen dortigen Kollegen aus der Patsche hilft. Und Ursel Scheffler reist sowieso gern. In Europa liest sie aus ihren Büchern vor, auch in Südafrika, Japan, Australien und Neuseeland ist sie schon gewesen. Reisen war immer ihr Traum, doch früher kam sie nicht dazu, weil sie drei Kinder großgezogen hat. So verreiste sie stattdessen in ihrer Phantasie und in den Büchern, die sie schrieb. Heute ist es umgekehrt: Durch ihre Bücher wird Ursel Scheffler immer öfter zu schönen Reisen eingeladen.

Jetzt könnte man meinen, die Autorin könne nur Kugelblitz. Ganz falsch! Mehr als 400 Titel hat sie geschrieben, Bilderbücher und Kinderbücher vor allem. Über Osterhasen und Dinosaurier, Piraten und Pinguine, Geister und Hexen, Hundedetektive und Katzenkinder. Oder über Ätze, „das kotzeklige Tintenmonster“ mit den Stinkefüßen. Dass Ätze trotzdem Tausende von Fans hat, liegt nicht nur an den witzigen Buchillustrationen von Erhard Dietl, sondern auch an Ätzes ätzenden Streichen. Das Minimonster frisst am liebsten Dreck und trinkt Tinte, um die Leute heimlich damit zu bespucken. Was die Getroffenen teuflisch ärgert, die Leser aber diebisch freut.

Geschichten in Ruhe genießen - durch (ihre) Bücher

Am liebsten schreibt Ursel Scheffler für die Fünf- bis Zehnjährigen, da fließen ihr die Texte einfach so aus der Feder. Abenteuergeschichten, Ulkgeschichten, Familiengeschichten. Sie möchte möglichst viele Kinder erreichen, ihnen zeigen, wie viel Spaß das Lesen macht und wie schön die deutsche Sprache ist. Sie zum Lachen bringen und sie in andere, neue Welten einladen, die man aufbewahren und immer wieder neu erleben kann. Anders als das Fernsehen, das Kindern ihrer Meinung nach keine Zeit lässt, Geschichten in Ruhe zu genießen.

Ursel Scheffler, der man ihre 73 Jahre überhaupt nicht ansieht, ist nicht zu bremsen. Weder beim Schreiben, noch beim Reisen, noch beim Organisieren. Vor einem Jahr hat sie ein neues Projekt angepackt, das ihr sehr am Herzen liegt: die „Büchertürme“. Ihre Idee ist, dass die Kinder einer Stadt so viele Bücher lesen sollen, dass diese, aufeinander gestapelt, einen Turm bilden so hoch wie ein Turm dieser Stadt.

Den Anfang hat Hamburg gemacht mit dem berühmten „Michel“. Schaffen es die Grundschulkinder der Stadt, innerhalb eines halben Jahres einen Bücherturm zu erlesen, so hoch wie sein Turm? Der ist immerhin 132 Meter hoch. Auch in Frankfurt könnte man einen Bücherturm bauen. Der könnte beispielsweise so hoch sein wie zum Beispiel der Messeturm, der misst sehr stolze 257 Meter. Oder sollten die Frankfurter Kinder erst mal kleinere Brötchen backen und sich zum Beispiel den Eschenheimer Turm vornehmen? Der ist immerhin auch seine 47 Meter hoch. Das wären ungefähr 2.500 bis 3.000 Bücher, flach aufeinander gelegt. Ursel Scheffler wäre begeistert.

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