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Kinderbetreuung : Was macht der Förster in der Kita?

Zeichenstunde, aufgenommen in einer Frankfurter Kindertagesstätte. Bild: Wonge Bergmann

Bald haben Eltern Anspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige. Jetzt regelt das Land die Bedingungen in Kindertagesstätten neu. Für den Gesetzentwurf, der unter anderem auch Fachfremde als Erzieher vorsieht, hagelt es Kritik.

          Wenn Norbert Neuß an die Sache mit dem Förster denkt, muss er lachen. Es ist ein bitteres Lachen, das der Gießener Erziehungswissenschaftler durch die Telefonleitung schickt. Ein Förster in einem Waldkindergarten? „Fragen Sie den doch erst mal, ob er für ein Erziehergehalt arbeiten will“, sagt Neuß.

          Christian Palm

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET

          Der Waldhüter ist so etwas wie ein Symbol in dem Streit, der zur Zeit um etwas tobt, das dem Namen nach eigentlich Gutes verheißt: Die schwarz-gelbe Landesregierung plant ein Kinderförderungsgesetz. Seine Auswirkungen sind umstritten, wegen eines Punktes vor allem: Von 2014 an sollen in Kindertagesstätten auch Angestellte als Fachkräfte arbeiten dürfen, die keine Erzieherausbildung haben. Flexibilität zu erreichen, ist das Ziel, das die CDU/FDP-Koalition in diesem Zusammenhang formuliert. Ist doch toll, soll das wohl heißen, wenn ein Förster den Steppkes im Waldkindergarten erklärt, was es mit Bäumen und Tieren auf sich hat. Oder wenn sich ein Logopäde um die Sprachprobleme der Kinder mit ausländischen Wurzeln kümmert.

          3000 Erzieher fehlen in Hessen

          Wer immer in diesen Wochen den Entwurf zum Kinderförderungsgesetz - seine offizielle Abkürzung heißt Kifög - kritisiert, erwähnt den Punkt mit den Nichtfachkräften. „Die schlechteste aller Antworten“ auf den Mangel an Erziehern sei das, sagt Neuß. Man könnte einwenden, dass er das sagen muss, schließlich lehrt er an der Uni Gießen Pädagogik der Kindheit und ist daher von Berufs wegen dafür, die Arbeit in den Kitas zu professionalisieren.

          Doch der Verdacht liegt tatsächlich nahe, dass die Landesregierung versucht zu kaschieren, was sie in den vergangenen Jahren versäumt hat: „Es hätte eine Ausbildungsoffensive für Erzieher geben müssen“, findet Neuß. Studien zufolge fehlten allein in Hessen rund 3000 Erzieher. Das ließe sich ändern, ohne fachfremdes Personal zu verpflichten, sagt Neuß, auch kurzfristig: Zum Beispiel, indem es deutlich mehr jungen Leuten ermöglicht würde, eine berufsbegleitende Ausbildung zum Erzieher zu machen.

          Neuß: Kindergartenleiter sollten Studienabschluss haben

          Dass es durchaus junge Frauen und auch viele Männer in Berufe zieht, die mit Kinderbetreuung zu tun haben, weiß der Professor aus eigener Erfahrung. 60 bis 90 Studienplätze im Bachelor-Studiengang Pädagogik der Kindheit hat er zu vergeben. Etwa zehnmal so viele Studienwillige bewerben sich in der Regel in Gießen. Ginge es nach Neuß, würden in Hessen viel mehr solcher Studienplätze geschaffen. Aus seiner Sicht müssten alle Leiter und Leiterinnen von Kitas einen derartigen Studienabschluss haben.

          So wie Dorle Horcher. Die 48Jahre alte Diplompädagogin leitet für den Verein Lebenshilfe drei Einrichtungen in Frankfurt. Am Tag zuvor hat sie beim Frankfurter Ordnungsamt eine Demonstration gegen das Kinderförderungsgesetz angemeldet, gleich wird sie sich als Blumenwiese verkleiden, um mit den Kindern Fastnacht zu feiern. Vorher will sie etwas loswerden: „Wir kämpfen um unser Image“, sagt sie. Die Anforderungen an Erzieher seien stark gestiegen in den vergangenen Jahren. Das Bild vom Personal, das viel Zeit hat, um Kaffee zu trinken, während die Kleinen toben, hätten manche vielleicht noch im Kopf, aber es sei längst überholt.

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