08.02.2012 · Jeder dritte Neun- bis Vierzehnjährige in Hessen befürchtet, später einmal erwerbslos oder arm zu werden, wie das neue „Kinderbarometer“ sagt.
Von Stefan ToepferDie größte Zukunftsangst der Kinder in Hessen ist, arbeitslos, arm und sogar obdachlos zu werden: Davor fürchtet sich jedes dritte Kind. Das geht aus dem "Kinderbarometer" 2011 hervor, das in Frankfurt vorgestellt wurde. Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) sagte, der Schlüssel gegen jene Angst sei Bildung. Er appellierte an die Kinder, zu lernen und Bildungsangebote wahrzunehmen.
Für die repräsentative Studie hat das Pro-Kids-Institut für Sozialforschung 731 hessische Kinder im Alter zwischen neun und 14 Jahren befragt. Einen eigenen Länderbericht gibt es bereits zum dritten Mal, er wird von der Landesbausparkasse (LBS) Hessen-Thüringen, der "Hessenstiftung - Familie hat Zukunft" und dem Landesverband des Kinderschutzbunds herausgegeben. Grüttner ist Schirmherr des LBS-Kinderbarometers.
Die Antworten auf die Frage nach den Zukunftsängsten haben die Kinder selbst formulieren können. Nach Armut und Arbeitslosigkeit fürchten sie sich am meisten um das Wohl ihrer künftigen oder ihrer jetzigen Familie (je elf Prozent). Jedes zwanzigste Kind hat Versagensängste, wie Anja Beisenkamp vom Pro-Kids-Institut erläuterte. Dabei hätten die Kinder etwa schlechte Schulnoten genannt oder die Sorge, die Führerscheinprüfung nicht zu bestehen.
Gefragt nach ihrem "Wohlbefinden", gaben 73 Prozent der Kinder an, sich in ihren Familien "gut" oder "sehr gut" zu fühlen. Für die Schule geben Kinder dies noch zu 49 Prozent an. Zu Hause fühlen sich insgesamt neun Prozent "eher schlecht", "schlecht" oder "sehr schlecht", in der Schule sind das zusammen 13 Prozent. Ebenfalls 13 Prozent der Kinder haben angegeben, sich in der Schule nur "mittelmäßig" wohl zu fühlen.
Bezogen auf die negativen Angaben zur Schule, forderte Verone Schöninger, Landesvorsitzende des Kinderschutzbunds, Vorstellungen der Kinder zum Schulleben aufzugreifen. So bekundeten 70 Prozent der Kinder großes Interesse an Nachmittagsaktivität in der Schule, aber nicht nur an Schulfächern. "Die Einbeziehung der Jugendhilfe, des Sports und anderer Angebote in den Schulalltag ist notwendig."
Zu Beginn der Vorstellung der Studie im Haus am Dom hatten einige Kinder bemängelt, dass Umfragen an der Schule wenig bewirkten. Die Studie selbst hält fest, dass 63 Prozent der Kinder meinen, ihre Meinung zähle in ihrer Stadt oder Gemeinde nicht. Schöninger sagte, der Kinderschutzbund werde für mehr Beteiligungsprojekte und für mehr Aktionen zu Kinderrechten werben. "Nur wenn Kinder ihre Rechte kennen, können sie sich auch für die Einhaltung einsetzen. Sie brauchen Erwachsene, die sie darin bestärken."
Was für ein Zynismus vom Sozialminister
Heino Ewerth (Illoinen)
- 11.02.2012, 09:47 Uhr