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Kinder für Klassik begeistern : Ranzen in die Ecke, ran ans Klavier

  • -Aktualisiert am

Musik kann spannend sein, gerade an Schauplätzen wie der Alten Oper Frankfurt. Bild: Lisowski, Philip

Vom Kita-Pilotprojekt zum „Jungen Konzert“ in der Alten Oper: Es gibt viele Initiativen, Jungen und Mädchen an Klassik oder Jazz heranzuführen. Musiker des Hessischen Rundfunks engagieren sich besonders.

          Dicke Schneeflocken fallen vom Himmel, die Alte Oper in Frankfurt ist in gleißendes Licht getaucht. Vor der weihnachtlichen Kulisse schreiten Damen und Herren auf den Eingang zu und streifen sich die Schneeflocken von der Abendgarderobe. Das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks (HR) spielt im Großen Saal, der Bratschenvirtuose Antoine Tamestit ist zu Gast und wird Soli aus Stücken Strawinskys, Tschaikowskys und Hindemiths darbieten. Im holzvertäfelten Großen Saal sitzen rund 1500 Besucher. Ein Blick durchs Publikum lässt schnell erahnen, dass dieser Abend nicht mit normalen Maßstäben zu messen ist.

          Jeans, Kapuzenpullover, Turnschuhe beherrschen die Garderobe auf den Rängen, überwiegend Kinder und Jugendliche sitzen dort. Der größte Teil der Karten für das „Junge Konzert“ ist für Kinder und Jugendliche zwischen 9 und 19 Jahren ermäßigt angeboten worden. Die meisten von ihnen genießen Peter Tschaikowskys erste Sinfonie „Winterträume“ still und konzentriert. Manche schließen sogar die Augen, wiegen sich in der Melodie. Nach tosendem Applaus beginnt die Pause.

          Kinder aus verschiedensten Elternhäusern sollen angesprochen werden

          Kindern, aus welchem Elternhaus sie auch stammten, solle der Zugang zur Musikkultur ermöglicht werden. Ihnen sollten durch Theorie und Instrumentalunterricht Werte vermittelt, ihre soziale Entwicklung solle gefördert und auf ihren Lebensstil und ihr Selbstbewusstsein eingewirkt werden, lautet die Aufgabenstellung. In Hessen versuchen viele musikpädagogische Projekte, diese Vorstellungen zu verwirklichen. Der Konzertbesuch an diesem Abend in der Alten Oper zählt dazu. Die Musiker der Big Band und des Sinfonieorchesters des Hessischen Rundfunks engagieren sich besonders, um in Schulen, aber auch schon in Kindertagesstätten zu zeigen, wie schön und wertvoll Musik sein kann.

          Im Pausenraum der Alten Oper sitzt bei Bretzeln und Orangensaft Musikschullehrerin Petra Fuchs mit vier Kindern am Tisch. Sie sind elf, 13, 17 und 19 Jahre alt, alle spielen ein Instrument. Die Jüngste, Maja, geht auf die Humboldt Schule in Bad Homburg und spielt schon seit fünf Jahren Cello. Sie könne sich vorstellen, später einmal in einem Orchester zu spielen, sagt Maja. „Die sind wohl kein repräsentativer Durchschnitt“, bemerkt Fuchs und lacht. Wahrscheinlich nicht. Aber an diesem Abend sitzen 1200 junge Menschen vor einer Bühne statt vor einem Bildschirm.

          Der 19 Jahre alte Patrick, der seit sieben Jahren Cello spielt, sagt, er habe seine Leidenschaft für das Orchester durch ein Konzert an der Saalburgschule in Usingen entdeckt. Vor zwei Jahren war dort das HR-Sinfonieorchester aufgetreten. Die Schultour der klassischen Musiker organisiert Kristine Laun; seit dem vergangenen Jahr leitet sie die Kinder- und Jugendprojekte des Orchesters. Jährlich werden acht Schulen verschiedener Klassenstufen aller Schultypen besucht.

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