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Kickers Offenbach Folgt dem Pokal-Coup die Wende?

 ·  Die Offenbacher Kickers feiern singend, hüfend und tanzend den Überraschungssieg über Greuther Fürth. Jetzt hoffen die Hessen auf eine zündende Wirkung des Erfolges.

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Zu den Gratulanten von Lars Bender gehörte auch Robert Wulnikowski. Der Torhüter der Offenbacher Kickers lief am Samstagabend fast über das ganze Spielfeld, um den Partyhöhepunkt nicht zu verpassen. In der Nachspielzeit hatte Bender mit seinem Treffer zum 2:0-Endstand gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth für die Gewissheit gesorgt, dass der drittklassige OFC zu den Teilnehmern an der zweiten Runde des DFB-Pokals gehört. Dementsprechend groß war die Begeisterung im neuen Kickers-Stadion, in dem „nur“ 7600 Zuschauern den ersten Pflichtspielsieg, der einer Sensation gleichkam, feierten. Um Bender herum reckten sich die Fäuste der freudetrunkenen Kickers-Profis in den sternenklaren Himmel. „Dieser Erfolg bleibt in den Geschichtsbüchern“, sagte Geschäftsführer Jörg Hambückers. Minutenlang probten Spieler und Fans nach dem Abpfiff das akustische Zusammenspiel, es wurde getanzt, gehüpft und gesungen. „Es ist ein Wahnsinnsgefühl“, fand Bender, der nur Einwechselspieler war. „Jeder hat gewollt. Jeder hat für jeden gekämpft und jeder ist für jeden gelaufen.“

Was in der zurückliegenden Woche in Offenbach passiert ist, klingt wie ein Märchen. Nach vier Niederlagen zum Saisonstart sah mancher schon das Ende von Trainer Arie van Lent gekommen. Nicht zu vergessen die Turbulenzen in der Vereinsführung nach dem Rücktritt von Geschäftsführer Thomas Kalt und Präsident Dieter Müller. Dann gewannen die Kickers ihr erstes Saisonspiel 3:1 in Aachen. Trotzdem blieben Zweifel, die jetzt erst einmal ausgeräumt sind. Durch eine Leistung gegen die zwei Klassen höher spielenden Fürther, die ohne Übertreibung höchsten Ansprüchen genügte. Bissig in den Zweikämpfen, eroberte der Außenseiter viele Bälle. Anschließend kombinierte er schnell nach vorne. Ein solcher, mitreißender Spielfluss war neu für das Publikum - und das gegen eine Mannschaft, die in der Vorsaison noch das Halbfinale erreicht hatte. „Wir haben heute alles richtig gemacht. Das war klasse“, sagte Mittelfeldspieler Nicolas Feldhahn. „Vor unserer Leistung muss man einen riesengroßen Hut ziehen.“ Respekt zollte auch Mike Büskens. Dadurch, dass der Trainer der Spielvereinigung nicht nach Ausreden suchte. So war das Handspiel von Bernd Nehrig nach einem Freistoß von Thomas Rathgeber umstritten. Den Elfmeter verwandelte der Offenbacher Offensivspieler zur 1:0-Führung (28. Minute). Die Gelb-Rote Karte (56.) für EdgarPrib und die Rote Karte (88.) für Abdul Rahman Baba wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit am OFC-Profi André Hahn stellte Büskens ebenfalls nicht zur Diskussion. Stattdessen suchte er die Fehler wie die Probleme beim Spielaufbau im eigenen Lager. „Wir haben zu langsam gespielt. Wir hatten es heute nicht verdient.“

Die Kickers müssen Konstanz in ihre Leistungen bringen

In der Rolle des Pokalschrecks gefallen sich die Offenbacher. 2008 schieden die Fürther schon einmal auf dem Bieberer Berg aus. Nicht anders erging es Borussia Dortmund vor zwei Jahren. Wie aber lässt sich die Leistungsexplosion des Pokalsiegers von 1970 nach dem kapitalen Fehlstart in dieser Runde erklären? Offenbar half eine Aussprache. Sie war sachlich, aber deutlich. In ihr kamen Trainer Arie van Lent und die Spieler überein, die Defensive zu stärken, um auf dem Platz die erforderliche Kompaktheit herzustellen. Außerdem einigten sich die Profis, mehr Selbstbewusstsein zu demonstrieren. „Wir müssen zeigen, dass wir Herr im Haus sind“, sagt Wulnikowski. „Egal, wie die Namen lauten und wie alt die Spieler sind: Alle müssen an einem Strang ziehen.“

War das jetzt die Wende für den Tabellenvorletzten der dritten Liga? Diese Frage stellt sich Hambückers. Von ihrer Antwort macht er die Verpflichtung eines neuen Spielers abhängig. Die Kickers müssen Konstanz in ihre Leistungen bringen. Das Spiel am kommenden Samstag gegen die zweite Mannschaft von Borussia Dortmund ist für den Geschäftsführer der „Prüfstein“. Durch das Erreichen der zweiten Pokalrunde - sie bringt dem OFC mindestens 250 000 Euro ein - wäre Geld für eine Verstärkung da. Der stolze Betrag tut den Offenbachern, deren finanzielle Situation angespannt ist, gut. „Der Pokal ist für einen Drittligisten die Championsleague“, sagt Hambückers. Deswegen würde er sich gerne öfter zu Pokalerfolgen gratulieren lassen.

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