Ihre Mondphase währt schon 20 Jahre. Seit zwei Jahrzehnten trommeln, tanzen, singen und grooven die fünf Musikerinnen gemeinsam durch die Weltmusik-Szene. Und über die Bühnen der Erde. Doch wer sind eigentlich „Kick La Luna“?
Die Bandgeschichte habe mit einem Percussion-Workshop in Frankfurt Anfang der neunziger Jahre begonnen, erzählt Anne Breick. Dort habe sie Elke Voltz und Uli Pfeifer kennengelernt, die wie sie von Kindesbeinen an musikverrückt und seit mehr als zehn Jahren in Bands und als Solo-Musikerinnen tätig gewesen seien. Die Mischung habe trotz der unterschiedlichen Charaktere gleich gestimmt und sie zu dem bis heute immer neuen Stilmix aus lateinamerikanischen und afrikanischen Rhythmen, Jazz und Funk angeregt. Der Bandname der Frauen sollte so wild und weiblich sein wie sie selbst.
Sie wollten sich keinem Trend anpassen
„Es war klar, dass wir eine reine Frauenband bleiben wollen“, sagt Breick. Dies sei damals wie heute im Musikgeschäft eine Seltenheit. Nach wie vor seien Frauen ganz überwiegend im Berufsfeld Sängerin und Songschreiberin tätig, sagt Pfeifer, die auf der Bühne mit Bass, Percussion und Stimme zum Einsatz kommt. Nur wenige junge Mädchen kämen auf die Idee, die immer noch typischen Männerinstrumente zu erlernen. Zusammen wollten sie als Band mit unterschiedlichen Instrumenten von der marokkanischen Trommel bis zur akustischen Gitarre die verschiedenen Stilrichtungen kombinieren, die sie auf Reisen und durch ihre musikalische Arbeit gesammelt hatten.
Nach der Gründung der Band probten die „Kicks“ regelmäßig zusammen im Frankfurter Nordend und begannen, ihr eigenes Repertoire aufzubauen. „Zwei oder drei Coverversionen hatten wir im Laufe der Jahre im Programm, sonst spielen wir nur unsere eigenen Songs“, sagt Voltz. Die Resonanz auf die ersten großen Auftritte auf deutschen Festivalbühnen war gut, und bald folgte das erste Studioalbum. „Wir wollten von Anfang an berühmt werden - aber nicht zu dem Preis, uns einem Trend anzupassen.“
„Wir machen unser Ding - macht ihr das auch“
Mit gecasteten Gruppen wie den „Spice Girls“ könne man sie nicht vergleichen. „Wir sind viel zu schrill, um in eine Kategorie zu gehören.“ So schrill jedenfalls, dass „Kick La Luna“ auch beim diesjährigen Christopher Street Day in Frankfurt aufgetreten sind. Vom Ende der neunziger Jahre an spielte die Band in wechselnder Besetzung zu fünft, in den vergangenen Jahren kamen die brasilianischen Musikerinnen Zélia Fonseca und Angela Frontera, die bis dahin die Band auf Konzerten immer wieder ergänzt hatten, fest dazu. Zusammen tourten sie durch die Vereinigten Staaten und durch Kanada, inzwischen geben sie jährlich bis zu 40 Konzerte, vor allem in Deutschland und im europäischen Ausland.
Zur Weltmeisterschaft der weiblichen Kickerinnen im vergangenen Jahr komponierten sie mit „Hier sind wir“ ihren bislang erfolgreichsten Song. Titel wie „Tanze aus der Reihe“ sollten Mut zur Eigenständigkeit vermitteln, sagt Pfeifer. „Wir machen unser Ding - macht ihr das auch.“ Damals wie heute könnten nicht nur Frauen so eine Ansage gut gebrauchen.
Mit der Zeit seien die heute um die 50 Jahre alten Frauen zusammengewachsen wie eine Familie, sagt Breick. Auch wenn sie mittlerweile nicht mehr alle in Frankfurt wohnten und jede von ihnen nebenbei in anderen Projekten tätig sei. „Nein“, sagt sie und lacht, „ans Aufhören denken wir kein bisschen, wir wollen immer noch weiter hoch hinaus.“

