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Kempinski Hotel Gravenbruch : "Im Rhein-Main-Gebiet etwas ganz Besonderes"

Wer im Kempinski Hotel Gravenbruch ankommt, kann auf den bewährten Service des Fünf-Sterne-Superior-Hotels zählen. Bild: Fricke, Helmut

Die Familie Mashali aus London hat das Kempinski Hotel Gravenbruch in Neu-Isenburg erworben. Derzeit prüft sie, wie es weiterentwickelt werden kann.

          Der Gast merkt nichts vom Eigentümerwechsel. Wer im Kempinski Hotel Gravenbruch ankommt, kann auf den bewährten Service des Fünf-Sterne-Superior-Hotels zählen. Nur neun Häuser in Hessen gehörten dieser Kategorie an, verriet Hoteldirektor Thomas Fischer. Prominente wissen das Ambiente der traditionsreichen Herberge seit langem zu schätzen. Die deutsche Fußball-Nationalelf schlug dort schon häufig ihr Trainingscamp auf. In dieser Saison ist das Hotel Kempinski das offizielle Mannschaftshotel von Eintracht Frankfurt: Die Mannschaft bereitet sich dort jeweils auf die Heimspiele vor. Politiker legen ebenfalls gerne eine Zwischenstation in dem idyllisch gelegenen Hotel mit seinem weitläufigen Park ein. Ende September hielt sich etwa der indische Premierminister mit Gattin und vierzigköpfiger Delegation in Gravenbruch auf.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für die Stadt und den Kreis Offenbach.

          Für den Gast unbemerkt, wechselte das Anwesen den Besitzer: Seit Anfang Dezember gehört das Kempinski Hotel Gravenbruch der englischen Familie Mashali, die aus Persien stammt und seit 1979 in London lebt. Sie investiert vor allem in Einzelhandels- und Hotelimmobilien in Großbritannien und Deutschland. Die Höhe des Kaufpreises für das Hotel wird nicht genannt; darin inbegriffen ist jedoch eine lange Geschichte: Das Hotel geht auf den 1586 errichteten "Gravenbrucher Hof" des Ritters Sebastian von Heusenstamm, das ehemalige Jagdschloss der Grafen von Schönborn von 1720 und die Waldgaststätte "Forsthaus Gravenbruch" aus dem Jahr 1885 zurück. 1976 übernahm die Kempinski AG die Leitung; sie wird das Hotel auch künftig betreiben. Der in Teilen denkmalgeschützte Gebäudekomplex verfügt über 22 Tagungsräume sowie 284 Zimmer und Suiten für bis zu 560 Gäste. Beschäftigt werden etwa 180 Mitarbeiter.

          Neue Eigentümer reizt „Potential“

          Die Familie Mashali habe sich in der Vergangenheit an einer Reihe von Hotels beteiligt, dabei aber immer unternehmerische Minderheitsbeteiligungen gehalten, sagte Martina Fidlschuster, die Geschäftsführerin der Hotour Hotel Consulting GmbH aus Frankfurt. Das Londoner Beratungsunternehmen "Hotel in a Box" und Hotour stehen ebenso wie das Management-Team von Kempinski der Familie Mashali zur Seite; Hotour ist auch für das "Asset Management" zuständig. Am Kempinski Hotel Gravenbruch habe den neuen Eigentümer das "Potential" gereizt, das in der Anlage stecke, sagte Fidlschuster; "wo sonst gibt es im Umfeld von Frankfurt ein so phantastisches Parkgrundstück, wo sich ein Hotel als Veranstaltungshotel wirklich gut inszenieren kann?" Die Familie Mashali bewerte eine Investition in Deutschland als "sichere Geldanlage". Für den Kauf des Hotels habe auch die Nähe zum Flughafen als europäischer Drehscheibe gesprochen. Man wolle "die Einzigartigkeit des Hauses herausstellen": Das Hotel sei "im Rhein-Main-Gebiet etwas ganz Besonderes".

          Bisher gehörte das Areal der Octavian Hotel Holding GmbH, Neu-Isenburg, deren Hauptgesellschafter Dieter Bock jedoch im Mai vergangenen Jahres plötzlich starb. Wenn so etwas in einer Gesellschaft passiere, "kommen viele, die an die Tür klopfen und fragen, wollt ihr euch vielleicht von dem einen oder anderen trennen", sagte Uwe Klaus, der Geschäftsführer der Octavian Hotel Holding GmbH. Das Unternehmen habe sich nach Bocks Tod in Sachen Kempinski Hotel Gravenbruch neu positioniert; die Gespräche mit dem neuen Eigentümer seien "sehr schnell", innerhalb weniger Wochen, zum Abschluss gekommen. Der Octavian Hotel Holding GmbH gehören jetzt noch fünf Hotels: das Atlantic in Hamburg, das Bristol in Berlin, das Taschenbergpalais in Dresden, das Hotel Schloss Reinhartshausen samt Weingut in Eltville und das Mercure in Görlitz.

          Einstimmig für Bebauungsplan

          Im Februar 2010 hatte Bock in Neu-Isenburg Pläne für ein Kongressgebäude auf dem Gelände des Kempinski Hotels vorgestellt. Bis zu 1000 Gäste hätte der Neubau aufnehmen sollen. Außerdem sollte ein mehrgeschossiges Parkhaus mit rund 400 Plätzen entstehen. Man habe lange darüber nachgedacht, den brachliegenden nordwestlichen Teil des Geländes sinnvoll zu nutzen - "in einer Form, die in sich stimmig ist und die für das Hotel eine weitere Stärkung der Kundenbasis darstellen kann", sagte Bock damals. Die Investitionssumme bezifferte er auf zehn bis 15 Millionen Euro. Die Neu-Isenburger Stadtverordneten sprachen sich seinerzeit einstimmig dafür aus, einen Bebauungsplan für das Hotelareal aufzustellen.

          Wie es weitergeht, ist derzeit offen. Fidlschuster ließ erkennen, der neue Eigentümer prüfe alle Optionen zur Weiterentwicklung des Hotels. Fischer wies darauf hin, man werde mit den neuen Besitzern das Gespräch suchen, um zu erfahren, "was sie sich genau vorstellen und inwieweit das mit unserer Marke zu vereinbaren ist". Zu prüfen sei etwa, in welchem Umfang Renovierungen nötig seien. In nächster Zeit werde sich zeigen, "in welche Richtung das für uns geht". Fischer rechnet mit einer Entwicklung "in eine positive Richtung für uns", so dass "wir den Markt künftig wieder so besetzen können, wie wir das auch früher schon getan haben".

          "Wir wollen hören, was sie sich genau vorstellen und inwieweit das mit unserer Marke zu vereinbaren ist." Hoteldirektor Thomas Fischer

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