Er ist angeklagt, seinen Vater und seinen blinden Bruder im November 2010 heimtückisch und aus Habgier getötet zu haben. Er bestreitet aber, mit dem Verbrechen irgendetwas zu tun zu haben. Die schweren Vorwürfe gegen einen 41 Jahre alten Mann aus Kelkheim im Taunus beruhen auf Indizien und seinem Verhalten, nachdem die Verwandten „verschwunden“ waren.
Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, der Angeklagte, der als Führer für Mountainbiketouren in südeuropäischen Urlaubsgefilden mehr schlecht als recht sein Geld verdiente, habe gemordet, um an das Erbe, ein Mehrfamilienhaus und ein Vermögen in Höhe von mehr als 300.000 Euro, zu kommen. Die Spurensuche hat sich als überaus schwierig erwiesen. Die beiden Leichen wurden Ende November 2010 in Südfrankreich gefunden, beide wiesen Kopfschüsse auf und waren eingewickelt in Teppiche, die aus dem Haus in Kelkheim stammen. Der Angeklagte Marcus M. hätte, das ergaben später Nachforschungen der Polizei, an diesem Ort auf seiner Reise nach Portugal vorbeigekommen können. Bis jedoch klar war, um wen es sich bei den Toten handelte, verging ein Dreivierteljahr. Das lag auch daran, dass der Angeklagte sich viel Zeit ließ, Vater und Bruder als vermisst zu melden.
Mal weitschweifig, mal einsilbig
Die Geschichte, die er nun unter Tränen vor einer Schwurgerichtskammer des Frankfurter Landgerichts präsentierte, hatte lange auch Nachbarn, Verwandte und die Polizei davon abgehalten, nach den Verschwundenen intensiver forschen zu lassen. Sein Vater habe darüber nachgedacht, sich auf Mallorca eine Finca zu kaufen, sein Bruder habe sich für drei Monate bei seinem Arbeitgeber abgemeldet, verbreitete M. damals. Dass das Wasser abgestellt und die Koffer verschwunden waren, bestärkten diese Version.
Wie er sich denn in jenen Wochen erklärt habe, dass Vater und Bruder keine Nachricht hinterlassen und sich nicht gemeldet hätten, fragte ihn der Vorsitzende der Kammer, Klaus Drescher. Der Angeklagte, ansonsten sehr weitschweifig und kein Detail auslassend, antwortete einsilbig. Vielleicht habe ihm sein Vater eine Überraschung bereiten wollen.
Zeugen aus Frankreich
Wenn M. tatsächlich unschuldig ist, dann hat er zumindest einiges unternommen, den Verdacht auf sich zu lenken. Mit den EC-Karten der spurlos Verschwundenen, die er nach seiner Rückkehr im Safe nebst Geheimnummern gefunden haben will, zahlte er Rechnungen, er verkaufte das Auto des Vaters, auf das der Bruder angewiesen war. Er habe dies vor allem getan, weil er erwartete, dass sein Vater dies mitbekomme und sich endlich bei ihm melde. Die Frage, weshalb er sogar die Unterschrift seines Bruders auf einem Formular gefälscht habe, damit das Blindengeld weitergezahlt werde, wollte der Angeklagte vorerst zurückstellen.
Der Prozess wird noch einige Wochen dauern, unter anderem sollen Zeugen aus Frankreich gehört werden.