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Klinikfusion gescheitert : Hanau und Aschaffenburg kommen nicht zusammen

Erfolgreicher Sparkurs: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Klinikum Hanau ein Plus. Bild: Stefanie Silber

Die Kliniken Hanau und Aschaffenburg werden vorerst nicht, wie seit einigen Jahren angedacht, fusionieren. Grund dafür seien „veränderte Rahmenbedingungen“. An anderer Stelle soll die Zusammenarbeit der Häuser jedoch fortgesetzt werden.

          Eine Fusion des Hanauer Klinikums mit dem Klinikum Aschaffenburg-Alzenau kommt in absehbarer Zeit nicht zustande. Wie es am Donnerstag in einer gemeinsamen Presseerklärung hieß, wurden in einem „Spitzengespräch“ in dieser Woche die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und möglichen Synergien eines Klinikverbunds neu bewertet. Dabei wurde beschlossen, „die gesellschaftsrechtliche Kooperation zum heutigen Zeitpunkt zurückzustellen“. Die bestehende Zusammenarbeit auf medizinischem Gebiet, etwa im Qualitätsmanagement und in der Weiterbildung, solle fortgesetzt werden.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          An dem Gespräch nahmen neben den beiden Oberbürgermeistern Claus Kaminsky (SPD/Hanau) und Klaus Herzog (SPD/Aschaffenburg) auch der Landrat des Kreises Aschaffenburg, Ulrich Reuter, (CSU) sowie die beiden Klinikgeschäftsführer Volkmar Bölke (Hanau) und Katrin Reiser (Aschaffenburg) teil. Die Verbundpläne für die drei Häuser in Hanau, Aschaffenburg und Alzenau reichen bis 2012 zurück.

          Kaum Synergie zu erzielen

          Eine Absichtserklärung zur Bildung eines Verbunds, einen „Letter of intent“, unterzeichneten die Verhandlungspartner im Jahr 2013, zwei Jahre später folgte die Gründung der „Medizinischen Kooperationsgesellschaft Mainkliniken“, um den organisatorischen Teil der Fusionsbildung zu übernehmen. Die gesellschaftsrechtliche Kooperation sollte nach den Bekundungen der Verhandlungspartner die beteiligten kommunalen Häuser stärken und die kommunale Trägerschaft langfristig sichern. Im Februar vergangenen Jahres stimmte das Kartellamt dem Vorhaben zu.

          Die Zustimmung wird nun so schnell nicht mehr gebraucht. Wie die Gesprächsteilnehmer mitteilten, führten mehrere Gründe zu der Einstellung der Verbundpläne. Zu Beginn der Gespräche im Jahr 2012 habe das medizinische Regionalkonzept im Vordergrund gestanden mit der Absicht, das Leistungsspektrum in der Region auszuweiten. Mittlerweile hätten die Kliniken auf hessischer und bayerischer Seite auch ohne Fusion einen „positiven Leistungsanstieg“ erlebt. Alle seien mittlerweile vollständig ausgelastet. Weiteres Wachstum mit den bestehenden Kapazitäten sei daher nicht möglich.

          Außerdem hätten sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen so verändert, dass eine Ausweitung der Leistungen nicht durch die Krankenkassen ausreichend finanziert würde. Den Krankenhäusern drohten sogar erhebliche Abschläge durch erbrachte Mehrleistungen. Synergieeffekte ließen sich durch das medizinische Regionalkonzept nicht in gewünschter Weise erzielen.

          Unterschiedliche Entwicklung

          Das Klinikum Aschaffenburg arbeitete seinerzeit nicht nur an dem Zusammenschluss mit Hanau, sondern auch an einer Fusion mit dem Krankenhaus des Kreises Aschaffenburg in Alzenau. Mit der Fusion Anfang des Jahres 2015 entstand auf der bayerischen Seite ein Klinikum mit 2300 Beschäftigten und 830 Betten in 21 medizinischen Abteilungen. Das war mit erheblichen zusätzlichen Belastungen verbunden, so dass in den Jahresbilanzen von 2015 und 2016 erstmals seit vielen Jahren rote Zahlen standen.

          Zuletzt lag das Defizit bei gut drei Millionen Euro. Hanau schaffte es im vergangenen Jahr hingegen nach einem strengen Sparkurs, wieder ein Plus zu erreichen. Die wirtschaftliche Situation der Häuser habe sich seit dem Jahr 2012 unterschiedlich entwickelt, heißt es in der gemeinsamen Pressemitteilung. Im Klinikum Aschaffenburg-Alzenau sei jahrelang ein ausgeglichenes Ergebnis erwirtschaftet worden.

          „Erhebliche Restrukturierung“

          Inzwischen sei die Fusion mit dem Krankenhaus in Alzenau zu einer gGmbH vollzogen worden. Jetzt gebe es am Aschaffenburger Klinikum Verluste. Hanau verzeichnete im Jahr 2015 noch ein Defizit von etwa 400.000 Euro. Zum Beginn vergangenen Jahres sah es zunächst noch so aus, als ob das Hanauer Klinikum weiter in rote Zahlen abrutsche; von 3,5 Millionen Euro war die Rede.

          Aschaffenburg ließ sich davon nicht abschrecken und wollte damals dessen ungeachtet die Fusion vorbereiten. Jetzt fürchten die Verhandlungspartner höhere Belastungen durch eine Fusion. Um Einsparungen in beiden Häusern zu erreichen, sei eine „erhebliche Restrukturierung“ in Hanau wie in Aschaffenburg erforderlich, verbunden mit hohen Investitionen, teilen sie mit.

          Quelle: F.A.Z.

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