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„Kaufpreise unter Baukosten“ : Ein Zimmer in der Altstadt für 175.000 Euro

Eine eigene Wohnung in der Altstadt: Wie hier am Hühnermarkt entstehen außer 15 Rekonstruktionen auch 20 Neubauten auf dem Dom-Römer-Areal. Ein Quadratmeter Wohnfläche kostet dort zwischen 5000 und 7250 Euro. Bild: Simulation Dom Römer Gmbh

Der Bau der Altstadthäuser kann beginnen, denn die Stadt trägt notfalls auch die Mehrkosten für die optionalen Rekonstruktionen. Aber auch Neubauten werden errichtet, mit 53 Eigentumswohnungen im Angebot.

          Dem Bau der Altstadthäuser auf dem Dom-Römer-Areal in der Innenstadt steht nichts mehr im Weg. Auf Wunsch der schwarz-grünen Koalition soll die Dom-Römer GmbH die sieben optionalen Rekonstruktionen, die zuletzt wegen Mehrkosten auf der Kippe standen, vorfinanzieren. Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) sagte im Dom-Römer-Ausschuss, das Ergebnis freue ihn sehr. Nun beginne „die entscheidende Hochbauphase“.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eigentlich sollten die sieben Häuser nur wieder aufgebaut werden, falls ein privater Investor dies finanziert. Weil die Gebäude insgesamt 7,5 Millionen Euro teurer werden als geschätzt, gibt es jedoch eine Unterdeckung zwischen den vor zwei Jahren in einem komplizierten Bewerbungsverfahren ausgewählten Angeboten und den Baukosten. Die für den Bau der Altstadt zuständige Dom-Römer-Gesellschaft soll in den Verkaufsverhandlungen die Differenz zu den Baukosten so gering wie möglich halten, heißt es in dem aktuellen Antrag der Koalition, über den die Stadtverordneten am Donnerstag abstimmen.

          Kein Bonus für bisherige Interessenten

          Sollten die bisherigen Kaufinteressenten die Mehrkosten nicht tragen, soll das ursprüngliche, schon vor zwei Jahren abgeschlossene Vergabeverfahren noch einmal geöffnet werden. Bieten mehrere Bieter denselben Preis, erhalten die bisher ausgewählten Investoren den Vorzug. Vertraglich ist nach dem Willen der Koalition sicherzustellen, dass eventuelle Veräußerungsgewinne bei einem späteren Weiterverkauf bis zur Höhe des von der Stadt getragenen Anteils abgeschöpft werden.

          Bislang war in der Koalition umstritten, ob die bisherigen Interessenten, die die später bekanntgewordenen Mehrkosten nur zum Teil tragen können, einen finanziellen Vorteil erhalten sollen. Die Grünen hatten sich für einen „Bonus“ ausgesprochen, der von der Höhe der Differenz zwischen Angebot und den tatsächlichen Baukosten abhängen sollte. „Das Verfahren muss geöffnet werden. Wir neigen aber dazu, den bisherigen Interessenten einen Bonus zu verschaffen, als Anerkennung für ihr jahrelanges Engagement“, hatte der planungspolitische Fraktionssprecher Wolfgang Siefert noch vor einem Treffen mit dem Koalitionspartner gesagt. Offenbar hat sich die CDU dann aber durchgesetzt, die sich bisher gegen eine Subventionierung ausgesprochen hatte.

          Kaufpreise unterhalb der Baukosten

          Außer den 15 Rekonstruktionen – sieben optional, acht gesetzt – entstehen auf dem Altstadt-Areal auch 20 Neubauten, die sich an einer Gestaltungssatzung orientieren. Wie der Geschäftsführer Michael Guntersdorf ausführte, beginnt die Dom-Römer GmbH nun mit der Vermarktung der 53 Eigentumswohnungen in diesen Häusern. Die 35 bis 190 Quadratmeter großen Wohnungen – sechs davon sind Stadthäuser und erstrecken sich über das gesamte Gebäude – kosten einem Wertgutachten zufolge zwischen 5000 und 7250 Euro pro Quadratmeter. Eine Ein-Zimmer-Wohnung kostet rund 175000 Euro, eine große Wohnung an der Braubachstraße rund 1,2 Millionen. Guntersdorf zufolge liegen die Kaufpreise unterhalb der Entstehungskosten: „Wenn es ganz dumm läuft, haben wir eine Unterdeckung von zehn Millionen“, sagte er.

          Die Dom-Römer-GmbH bietet im März zu dem Thema Informationsveranstaltungen an. Die Verkaufsgespräche beginnen Anfang April, Interessenten können sich bis zum 18.Juli per E-Mail an vermarktung@domroemer.de oder telefonisch unter 65 30 00 750 für den Kauf von höchstens drei Wohnungen bewerben. Sie können einen Erst-, Zweit- und Drittwunsch äußern, kommen aber höchstens einmal zum Zug. Schon jetzt übersteigt die Nachfrage das Angebot, fast tausend Interessensbekundungen sind bei der Dom-Römer-GmbH eingegangen. Sollten sich mehrere Personen für eine Wohnung interessieren, wird im November gelost. Der Stadtverordnete Thomas Kirchner (CDU) brachte gestern als Variante zur Verlosung ein Versteigerungsverfahren ins Gespräch.

          Teurer als geplant

          Die Gewerbeflächen in der Altstadt werden erst Anfang 2015 vermarktet. Bis dahin muss noch geklärt werden, ob die Stadt die Flächen untervermietet oder verkauft. Die Dom-Römer-GmbH übernimmt die Erstvermietung. Der Projektleiter Patrik Brummermann meint, es könne sinnvoll sein, die Belegung auch darüber hinaus zu steuern, um für eine verträgliche Mischung zu sorgen.

          Rekonstruktion Frankfurter Altstadt

          Außerdem stellte die Dom-Römer GmbH die Mehrkosten für die Altstadt detaillierter vor. Seit 2010 sind die Kosten für das gesamte Projekt um rund 50 Millionen Euro auf knapp 170 Millionen Euro gestiegen. Der größte Anteil entfällt mit 107 Millionen auf die Altstadthäuser. Die Baukosten dafür steigen um 25,5 Millionen, unter anderem weil die Anzahl der Rekonstruktionen erhöht wurde und die Goldene Waage teurer wird als geplant. Der Umbau der Tiefgarage kostet fast 26 Millionen Euro und damit acht mehr als erwartet, unter anderem wegen zusätzlicher Erschließungsmaßnahmen und des hohen Aufwands für den U-Bahn-Ausgang. Weitere Kostensteigerungen entfallen auf Beratungs- und Planungsleistungen (plus 5,9 Millionen) und auf unvorhergesehene Leistungen (plus 8,7 Millionen), zum Beispiel für die Baustellenlogistik und Außenanlagen.

          Ein golden glänzendes Dach

          Die Verwendung der 81 Spolien in der Altstadt kostet 1,186 Millionen Euro. Von Kragsteinen bis zu einem Brunnen sollen in zahlreichen Gebäuden Originalteile der untergegangenen Altstadt eingebaut werden. Manche sind allerdings zu verwittert, um sie zu verwenden. Wolfgang Siefert (Die Grünen) sprach sich dagegen aus, die Herkunft der einzelnen Spolien mit Schildern zu erläutern. „Wir wollen ein Stück Altstadt, das wieder benutzbar ist, kein Museum.“

          Noch nicht entschieden ist, ob die Stadtverordneten dem Wunsch des Architekten folgen, der auf dem Saal des Stadthauses ein golden glänzendes Dach bevorzugt. Einige Ausschussmitglieder plädieren für einen stärker verwitternden Farbton. Sie wollen Ende März zunächst eine Musterfassade begutachten. Der Gestaltungsbeirat wünscht an fünf Gebäuden noch kleinere Veränderungen. Dies beeinflusse den Planungsprozess aber nicht wesentlich, meinte der Ausschussvorsitzende Ulrich Baier.

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