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Outlet Gelnhausen : Altes Kaufhaus wird wiederbelebt

Frischer Wind: An der Stelle des Kaufhauses Joh, das 2013 insolvent ging, soll ein neues Outlet wieder mehr Kunden nach Gelnhausen locken. Bild: Rainer Wohlfahrt

In Gelnhausen hofft man, dass die Kunden des neuen Outlet-Centers an der Kinzig auch in die Altstadt kommen. Eine Premiere, denn ein Outet in der Innenstadt gibt es in Hessen noch nicht.

          Wenn Gelnhausen mit dem Wertheim Village verglichen wird, dann hört Bürgermeister Thorsten Stolz (SPD) das nicht so gern. Der Vergleich liegt nahe, weil in Gelnhausen ein Outlet-Center entstehen wird. Im früheren Kaufhaus Joh und einem Nachbarhaus will der Investor Jan Leuze aus Wilhelmshaven nach seinen Worten 50 bis 60 Geschäfte unterbringen, jedes für eine einzelne Marke. Angeboten werden dort von Frühjahr 2018 an Mode der jeweils vergangenen Saison, Ware mit kleinen Fehlern und Rückläufer. Dennoch sieht sich Gelnhausen mit seinem Outlet an der Kinzigbrücke gerade nicht als Konkurrenz zu Einkaufszentren wie dem an der Autobahn 3 bei Wertheim, wie der Bürgermeister sagt.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn er stellt den Hauptunterschied heraus: Das Ladenzentrum in Wertheim sei ein „künstliches Gebilde“, das „Barbarossa-Outlet“ in Gelnhausen aber werde eingebettet in eine gewachsene Stadt, die etwas zu bieten habe: die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und der Marienkirche, die Kaiserpfalz aus der Stauferzeit – alles vom Kaufhaus Joh in fünf Minuten zu Fuß zu erreichen. Damit ist das Gelnhäuser Ladenzentrum etwas Neues, denn ein Outlet in einer Innenstadt gibt es in Hessen noch nicht.

          Bequem für „Modemuffel“

          Stolz hat sich für das Projekt eingesetzt, weil er hofft, dass die Kunden des Outlets auch andere Läden und Cafés in Gelnhausen besuchen werden. Das Kaufhaus Joh habe bis zu 20 000 Besucher am Tag angezogen, nach der Schließung im September 2013 fehlten diese Kunden der Innenstadt. Weil sich nach zwei Jahren Leerstand kein Käufer fand, erwarb die Stadt das Gebäude im Jahr 2015 in einer Zwangsversteigerung für 2,15 Millionen Euro.

          Die Kommune verkaufte es weiter an Investor Leuze. Wenn das „Barbarossa-Outlet“ in Betrieb sei, müsse die Stadt allerdings auch etwas dafür tun, um dessen Kunden in die Altstadt zu locken, zum Beispiel könne eine Stadtführung am Ladenzentrum beginnen, sagt Stolz. Er ist überzeugt, dass das gelingen wird. Denn wer aus der weiteren Umgebung eine Stunde im Auto gefahren sei, werde vor der Heimfahrt auch noch einen Stadtbummel machen wollen.

          Geschäftsmann Leuze beschreibt die Idee für ein innerstädtisches Outlet viel pragmatischer. Er habe einfach „aus der Not eine Tugend gemacht“. Denn außerhalb von Städten, auf der „grünen Wiese“, dürften keine Ladenzentren mehr gebaut werden. In einem Stadtkern sei es nicht schwierig, eine Genehmigung für Einzelhandel zu bekommen. Der Investor hofft auf Kunden aus einem Umkreis von einer Stunde Fahrzeit, etwa aus Fulda oder den östlichen Stadtteilen Frankfurts. Diese Gäste fänden in Gelnhausen ein „Shop-in-Shop-System“ vor. Kleidungsstücke einer Marke werden zusammen präsentiert, bequem für „Modemuffel“, weil alles, was es in einem Laden gibt, farblich und stilistisch zusammenpasst, wie Leuze findet. Die Suche nach den Mietern, den Markenartiklern, beginnt nun, dafür wurde in dem Gebäude ein „Showroom“ als Anlaufstelle eingerichtet.

          Geld wird nur einmal ausgegeben

          Bieten müsse das Zentrum seinen Kunden aber mehr als nur günstige Preise, so ein angenehmes Einkaufserlebnis, zum Beispiel mit bequemen Parkplätzen, Imbissen und Restaurants im Haus und einer Spielfläche für Kinder auf einem ganzen Stockwerk, wie der Investor Leuze sagt. Die Gastronomie wird im Erdgeschoss Platz finden, an der Seite am Ufer der Kinzig, dort wird die Fassade geöffnet. In der Industrie- und Handelskammer in Hanau hält man diese Pläne für eine „Riesenchance für die Stadt und das Umland“, wie der Volkswirt Achim Knips sagt. Zusätzliche Läden täten Gelnhausen gut: „Da fehlt noch was, denn Kaufkraft ist vorhanden.“

          Knips glaubt auch, dass durchaus viele der Outlet-Kunden auch die Altstadt besuchen werden. Die Verbindung dorthin sei „eigentlich ideal“, denn schon an der Straße, die vom Joh-Gebäude über die Kinzig in den Stadtkern führt, gibt es individuelle Geschäfte, einen Metzger und ein Reisebüro, eine Buchhandlung und einen Optiker zum Beispiel. Skeptisch ist dagegen der Inhaber eines Kaufhauses in Gelnhausen, Reiner Lauber, der das Vorhaben für „sehr gewagt“ hält. Es sei kaum abzusehen, ob das Outlet den anderen Gelnhäuser Läden Kunden bringe oder wegnehme. Möglicherweise werde es zu einen Verdrängungswettbewerb kommen. Denn das Geld für eine Hose gebe man nur einmal aus, egal ob in einem Outlet oder in einem anderen Geschäft.

          Anspielung auf Kaiser Barbarossa

          Derweil wird an den Plänen für den Umbau gearbeitet. Noch sieht es im Inneren des Kaufhauses so aus, als ob die Regale gerade erst herausgeräumt worden seien, mit den alten Fliesen, den alten Kunststoffplatten an der Decke und den alten Rolltreppen. Durch einen Lichthof mit Glasdach scheint die Sonne hinein. Dieser Lichthof wird vergrößert, wie Marcus Frey, Direktor für Centermanagement im Unternehmen Leuzes, erläutert. Auch sonst werde das Haus entkernt.

          Was dann entsteht, sieht in den Plänen nach einer gradlinigen und eher schlichten Architektur mit viel Glas und Beton aus. Das Schaufenster jedes Ladens wird von einem Rahmen aus hellem Holz umgeben. Bei der Gestaltung der Fassade haben sich die Planer des Architekturbüros Blocher Blocher Partners in Stuttgart von der Kaiserpfalz in der Nachbarschaft inspirieren lassen: Außen wird der Bau zum großen Teil mit Lochblech umgeben, als Anspielung auf ein Kettenhemd, wie Kaiser Barbarossa es trug.

          Quelle: F.A.Z.

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