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Katzenschutzverein Ein Leben für Eule und Muschi

Seit vielen Jahren kümmert sich Angelika Speckmann um verstoßene oder verletzte Katzen. Ihr Einsatz ist mit dem Deutschen Tierschutzpreis gewürdigt worden. Zusammen mit ihrem Mann Jürgen engagiert sie sich im Frankfurter Katzenschutzverein.

© Wonge Bergmann Vergrößern Katzen-Eltern: Jürgen und Angelika Speckmann mit ihren Schützlingen.

Die Eule tut ihr leid. Angelika Speckmann streicht behutsam durch das lange Fell einer Schildpatt-Perserkatze und schildert, was ihr Schützling hinter sich hat: „Im letzten Haushalt wurde sie von einer anderen Katze unterdrückt und konnte sich nicht wehren.“ Eule genießt in aller Stille die Streicheleinheiten, während ihre Mitbewohnerinnen über die Regale springen oder sich in ihre Körbe ducken. Die meisten Katzen im Vermittlungszimmer des Frankfurter Katzenschutzvereins sind eher zurückhaltend. Nur eine Schwarzweiße kommt näher, gibt Köpfchen, lässt sich streicheln und schnurrt.

Claudia Schülke Folgen:  

„Keiner will sie haben, weil sie nicht schön genug ist“, sagt die Schatzmeisterin des Vereins. Und wie heißt die Schwarzweiße? Angelika Speckmann weiß es nicht. Sie kann sich unmöglich die Namen der etwa 140Katzen merken, die derzeit auf dem Vereinsgelände in Oberrad untergebracht sind. Aber die Heimleiterin kennt alle beim Namen. Gerade hat Brigitte Maucoulin drei Katzen vermittelt. Das ist nicht viel für einen Samstagnachmittag. Manchmal sind es auch zwanzig. Mittwochs hilft ihr Angelika Speckmann bei den Vorgesprächen mit den künftigen Besitzern. Ansonsten ist der Tierheimbetrieb von der Verwaltung des Vereins streng getrennt. „Man darf uns nicht als Hobbyladen sehen“, schaltet sich der Vorstandsvorsitzende Jürgen Speckmann ein. „Es ist wie in einem Unternehmen.“

Preisgeld gleich an Verein überwiesen

Das Engagement von Schatzmeisterin und Heimleiterin ist mittlerweile überregional gewürdigt worden. Gemeinsam mit der Kollegin vom Katzenhaus in Bad Nauheim und zwei Katzenschutzorganisationen aus Sulzbach und Wiesbaden konnte Brigitte Maucoulin im Herbst 2011 den mit 2500 Euro dotierten Hessischen Tierschutzpreis entgegennehmen. Im vorigen Jahr wurde Angelika Speckmann mit dem Deutschen Tierschutzpreis in der Kategorie Lebenswerk ausgezeichnet, der vom Deutschen Tierschutzbund, den Tierfutterherstellern Pedigree und Whiskas sowie von der Zeitschrift „Funk Uhr“ zum achten Mal vergeben wurde. Die 1000 Euro Preisgeld hat sie gleich an den Verein überwiesen.

Geboren wurden Angelika Speckmann und ihre Zwillingsschwester Annette 1946 in Bad Reichenhall. Dorthin hatte es ihre Eltern nach dem Krieg verschlagen. 1949 zog die Familie nach Laufen an der Salzach, wo die Schwestern und ihr Bruder die Volksschule besuchten. Nach der mittleren Reife in Freilassing absolvierte Angelika an der Handelsakademie in Salzburg das Handelsabitur. Nach Frankfurt kam sie 1967. Als sie im Januar 1969 bei Horbach&Schmitz, einem Edelstahlhandelshaus, als Chefsekretärin anfing, lernte sie Jürgen Speckmann kennen, der dort schon seit 1960 als Großhandelskaufmann tätig war. Im Oktober heirateten sie und zogen nach Niederrad, wo sie bis heute wohnen.

„Wir hatten damals überhaupt keine Ahnung von Katzen“

Bis dahin hatte es nie ein Haustier im Leben von Angelika Speckmann gegeben. Auch ihr Mann ist ohne Tier aufgewachsen. Allerdings ging er schon früh mit allen möglichen Hunden Gassi. 1944 in Freiburg geboren, weil seine Eltern in Frankfurt ausgebombt worden waren, kam Jürgen Speckmann erst 1954 nach Frankfurt, wuchs in Eckenheim auf und besuchte die Musterschule im Nordend. Nach der mittleren Reife und den Lehrjahren bei Horbach&Schmitz absolvierte er 18Monate bei der Bundeswehr, bevor er bei seinem Lehrherrn unter Vertrag ging. Schon 1961 war er als Siebzehnjähriger dem Frankfurter Tierschutzverein beigetreten. Kein Wunder, dass er weich wurde, als 1973 im benachbarten Elli-Lucht-Park eine schwarzweiße Katze auftauchte: Muschi, wie sie genannt wurde, krempelte das Leben der Speckmanns um.

Zuerst fütterte der Hausmeister den „Wildling“ und ließ ihn kastrieren. Dann begannen sich auch die Mieter im vierten Stock für die kleine Streunerin zu interessieren. „Wir hatten damals überhaupt keine Ahnung von Katzen“, erinnert sich Angelika Speckmann amüsiert. In den nächsten Jahren entdeckten weitere Samtpfoten aus dem Mainfeld die Futterstelle. 1978 gewährte der Hausherr der Alteingesessenen Hausrecht. Den Speckmanns gelang es, aus Muschi eine Wohnungskatze zu machen. Danach gab es kein Halten mehr. Jürgen Speckmann zählt zehn Katzen auf, die bei ihm und seiner Frau ein Zuhause gefunden haben: MuschiI. und II., Rötli, Susi, Felix, Peterli, Toby und Butzli. Heute leben noch zwei Katzen aus dem Tierheim bei ihnen: die scheue Sonni und der kranke Moritz.

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