Wenn im Januar und Februar wieder die Elferräte der Frankfurter Karnevalvereine in Reihe sitzen, ist es gut, dass sie ihre Kappen tragen. Nicht nur, damit es nach Karneval aussieht oder damit klar ist, zu welchem Verein das jeweilige Fastnachtsparlament gehört. Es ist auch gut deswegen, weil unter den Narrenkappen unsichtbar wird, dass die Häupter der meisten Karnevalisten schon lange ergraut sind. Aber das ist gar nicht ihr größtes Problem.
Der Frankfurter Fastnacht fehlt der Nachwuchs. Dieses Defizit hat sie nicht exklusiv. In vielen Vereinen engagieren sich vor allem Ältere. Wir leben in einer Zeit für Individualisten. Das ist eine Feststellung, die bei denen, die jünger als 30 Jahre sind, aber oft ankommt wie ein Vorwurf. Dabei ist die Herleitung leicht: Menschen ziehen heute häufiger um, der Karriere hinterher. Viele führen ihr Leben zwischen mindestens zwei Städten. Bevor man alt wird, will man noch einmal hinaus in die Welt.
Flexibilität und die Stetigkeit des Vereinslebens sind schier unvereinbar
Die Unstetheit, gleichgültig, ob sie von der viel beschworenen beruflichen Flexibilität oder vom bloßen Fernweh kommt, macht die Stetigkeit des Vereinsleben unmöglich. Gerade die Fastnacht, bei der nicht nur das Jahr über kontinuierlich Tanzen oder Reden geübt werden muss, sondern auch noch drei Monate Schwerbeschäftigung in der fünften Jahreszeit hinzu kommen, passt da besonders schlecht ins Lebenskonzept.
Dass in Frankfurt gerade die Fastnacht so besonders zu kämpfen hat, wo es im übrigen Vereinsleben noch verhältnismäßig gut läuft, hat noch mit einem anderen, nun, schwer behebbaren Problem zu tun: Frankfurt ist nicht Mainz, nicht Köln, nicht Düsseldorf. Zwar ist das profan, und der Vergleich schon lange müde. Aber auch in den Karnevalshochburgen ziehen die Menschen häufiger um, führen sie ein mit festen wiederkehrenden Terminen schwer zu vereinbarendes Leben. Es muss also zusätzlich an so etwas wie der Mentalität diesseits des Rheins liegen, dass die Säle in Hessen zu Karnevalssitzungen oft halb leer bleiben. Man will sich hier schlicht weniger zum Narren machen. Das ist eine Feststellung, kein Vorwurf.