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Karmakonsum-Konferenz : Wirtschaft als Liebesgeschichte

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Bio vor, auch bei der Karmakonsum-Konferenz: Da sind die Kaffeepausen ausdrücklich fair und die Mittagspausen ökologisch, ebenso wie die auf Umweltpapier gedruckten Presseinformationen Bild: dpa

Karmakonsum will eine Gemeinwohl-Ökonomie, in der Firmen nach ihrem Nutzen für die Gemeinschaft bewertet werden. Eindrücke von der Karmakonsum-Konferenz in Frankfurt.

          Wir schreiben das Jahr 2050. Dies sind die Abenteuer der Erdbevölkerung, die sich vor fast vierzig Jahren entschlossen hat, nachhaltiger und bewusster zu leben. Globale Erwärmung, Armut und Bankenkrise sind überwunden, die kränkelnden Ökosysteme wieder hergestellt - und die Menschen zufrieden und glücklich.

          Eine schöne neue Welt, die Kora Kristof vom Bundesumweltamt in ihrer Rede zeichnet. Ein etwas optimistisches Bild vielleicht, aber da befindet sie sich auf dem Kongress der Initiative Karmakonsum in guter Gesellschaft. Karmakonsum bezeichnet sich selbst als „Trendforschungs- und Marketing-Beratungsgesellschaft zum Thema nachhaltige und gesunde Lebensstile und verantwortungsvolles Wirtschaften“ und setzt sich seit 2007 für diese Ziele ein.

          Minuspol bei Blockupy

          Klar, dass manch einer hier nicht nur aufgrund der zeitlichen Nähe eine Verbindung zur Blockupy-Bewegung sieht. Sein Verhältnis zu Blockupy malt Karmakonsum-Gründer Christoph Harrach gerne auf, das sei anschaulicher. Zwei Linien und zwei Punkte zeichnet er auf ein Blatt Papier. Die Anti-Kapitalismus-Bewegung habe zwei Pole, meint er. Den Punkt für Karmakonsum setzt er auf der einen Seite, der mit dem Pluszeichen, den Punkt für Blockupy auf der anderen.

          Die Inhalte beider Initiativen jedoch zeigen klare Parallelen. Auch Karmakonsum will die Welt, sprich: die Wirtschaft, verändern, hin zu einer Gemeinwohl-Ökonomie, in der Unternehmen nach ihrem Nutzen für die Gemeinschaft bewertet und subventioniert werden. Und wenn es nach Autor und Attac-Aktivist Christian Felber geht, ist Wirtschaft eine Liebesgeschichte. Weil das Gelingen zwischenmenschlicher Beziehungen glücklich mache, sollte es überall gefördert werden - auch und vor allem in der Wirtschaft. Kleinster Sympathieträger des Kongresses, obwohl die Veranstaltung in der Industrie- und Handelskammer am Börsenplatz stattfindet: die Finanzwirtschaft. Hier würden Gewinne zu oft auf Kosten anderer erzielt.

          Es duftet nach Zitrusfrüchten

          Karmakonsum will nicht politisch sein, aber Harrach weiß, dass es ganz ohne Politik nicht geht. Deshalb sind die Kaffeepausen ausdrücklich fair und die Mittagspausen ökologisch, ebenso wie die auf Umweltpapier gedruckten Presseinformationen. Im Vortragssaal riecht es nach Zitrusfrüchten und Tannennadeln. Das soll angeblich die Konzentration fördern, hinterlässt aber auch einen seltsamen Nachgeschmack. So ähnlich ist es mit der Konferenz. Die Referenten vermitteln zwar überzeugend, dass „kompetitiver Wettbewerb“ weder den einzigen noch den unbedingt effizientesten Weg zu Produktivität darstelle. Doch wird zu den Bekehrten gepredigt. Wer 500 Euro Konferenzgebühr entrichtet hat, der unterstützt ohnehin die hier beworbenen Organisationen oder arbeitet für sie.

          Da stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, eine Persönlichkeit aus der kritisierten Finanzwirtschaft zur Diskussion zu bitten. Josef Ackermann zum Beispiel, der hätte nun auch wieder mehr Zeit.

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