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Kapuziner : In Armut das Leben bereichern

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Novize Bruder Elias entscheidet sich für ein Leben nach dem Vorbild von Franz von Assisi, der auf dem Mosaik im Hintergrund zu sehen ist. Bild: Rosenkranz, Henner

Die Kapuziner geloben Armut, Gehorsam und Keuschheit. Mitten in Frankfurt. In einer Stadt voller Gegensätze helfen sie jedem, der an ihre Pforte klopft.

          Elias Godderis hat sich entschieden: für Armut, Gehorsam und Keuschheit, für das Leben eines Kapuzinermönchs. Das ist dem 31 Jahre alten Informatiker nicht leichtgefallen. Jetzt ist Bruder Elias Novize, ein Anwärter. Er lebt im Kloster an der Liebfrauenkirche in Frankfurt, zusammen mit fünf weiteren Kapuzinerbrüdern. Tagsüber kümmern sie sich um die Armen und Ratlosen. Abends sitzen sie oft zusammen bei einem Glas Wein oder Bier in der „Rekreation“, einem holzvertäfelten Erholungsraum mit einer langen ovalen Tafel, was unterstreicht, dass jeder gleichwertig ist.

          Selbstverständlich habe er gezweifelt, ob er ohne eine Frau an seiner Seite leben könne, sagt Bruder Elias und schlägt die Beine übereinander. Gezweifelt hat er auch noch während des Noviziats in Salzburg und in Stühlingen. In seinem Alter sei es für ihn natürlich, über eine Familie nachzudenken und Frauen ansprechend zu finden. Seine längste Beziehung sei nach zwei Jahren gescheitert, „aber deshalb bin ich nicht ins Kloster“, sagt er mit einem Lächeln.

          Nicht von der Welt abgewandt

          Der kurze, akkurate Schnitt der schwarzen Haare stammt aus seiner Zeit bei der Bundeswehr. Während dieser vier Jahre habe er oft ans Auswandern gedacht, sagt der angehende Kapuzinermönch, er habe „mit Neuseeland geliebäugelt“. Ein Freund sei später dorthin gezogen. Hinter der randlosen Brille wirken die hellen Augen mitunter aufmerksam und abwesend zugleich, vor allem, wenn er Sätze formuliert wie diesen: „Da sitzt man dann im Klostergarten, ordnet Steine und fragt sich, ob es wirklich der richtige Weg ist.“ Aber nach wie vor gilt für ihn, weil er es in seinem Innern gespürt habe: „Du gehörst ins Kloster.“ Immer wieder habe er gezweifelt, nachgedacht und sich schrittweise für den Weg entschieden. „Es gab keinen Posaunenchor und keine Engelsstimme“, sagt er.

          Die Kapuziner wendeten sich im Gegensatz zu anderen Mönchen nicht von der Welt ab. Er komme aus einem „leistungsorientierten Umfeld“, erzählt er. Geld und Status seien ihm jedoch immer unbedeutender vorgekommen. Irgendwann habe er gespürt: „Gott und meine Mitmenschen sind mir wichtiger.“ Im Oktober 2010, nach der Bundeswehr, trat er den Kapuzinern bei. Als Computerfachmann bot es sich an, dass er an der Homepage der Klostergemeinschaft mitwirkt. Er arbeitet zudem im Franziskustreff, einem Frühstücksangebot für Arme, und an der Klosterpforte, an die Obdachlose, aber auch Banker klopfen, wenn sie jemanden brauchen, der ihnen zuhört. Bruder Elias schätzt an Frankfurt besonders die Vielseitigkeit, die sich auch darin widerspiegele, welch unterschiedliche Menschen an die Pforte kämen. „So voller Leben“ sei die Stadt. Weil er früh aufstehen muss, um das Frühstück vorzubereiten, zieht er sich gegen 22 Uhr zurück.

          „Die Lebensweise der Menschen ist aus dem Ruder gelaufen“

          Bruder Harald, 42 Jahre alt, Weber lautet sein bürgerlicher Nachname, bleibt noch. Er ist seit zwölf Jahren Kapuziner. „Ich fände es problematisch, nicht zu wissen, auf was ich verzichte“, sagt der Mönch mit dem dichten grauen Bart. Die meisten Brüder, die heutzutage in den Orden einträten, kämen aus dem Berufsleben. Er habe Betriebswirtschaft studiert, eine Computerfirma gegründet, „viel Geld und viel Arbeit“ gehabt. Frei habe ihn das nicht gemacht. „Die Lebensweise der Menschen ist aus dem Ruder gelaufen“, meint Bruder Harald. In Frankfurt werde dies besonders deutlich, die „bessere Gesellschaft“ führe ihr Leben mitunter nicht weit entfernt von Armen, Prostituierten und Drogensüchtigen.

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