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Kapuziner-Ausstellung in Dieburg „Vielleicht kommen sie ja eines Tages wieder “

 ·  Mehr als 360 Jahre lang waren die Kapuziner in Dieburg. Diese Tradition ist zu Ende, der Nachwuchs fehlt. Eine Sonderausstellung erinnert an den Orden.

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Bruder Berthold und Bruder Eckehard lächeln etwas verlegen, als sie unter lautem Applaus den Saal betreten. Seit November sind sie nicht mehr hier gewesen. Mit so vielen Menschen haben die beiden Kapuziner-Mönche dennoch nicht gerechnet: Fast wie Filmstars werden sie bei der Eröffnung der neuen Ausstellung „Volksnah und Gott verbunden - Die Kapuziner in Dieburg“ im Museum Schloss Fechenbach empfangen. Dicht gedrängt stehen die Besucher entlang der Wände und an den Ausgängen. Die beiden Mönche heben die Hände zum Gruß. Dass so viele gekommen sind, sei für sie ein Zeichen der Anerkennung.

„Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie eine ältere Dame zu mir kam, kurz nachdem bekannt wurde, dass die Kapuziner Dieburg verlassen müssen“, berichtet Bruder Eckehard. Sie habe ihm ganz aufgeregt erzählt, wie ihre Großmutter sie früher immer bei der Hand genommen habe und mit ihr zu den Kapuzinern gegangen sei. Und heute, so habe die Frau gesagt, sei sie mit ihrer eigenen Enkelin in den Gottesdienst in die Klosterkirche gegangen. Das sei nun vorbei. Der Kapuziner, der mit bürgerlichem Namen Eckehard Krahl heißt, hält für einen Moment inne. „Ich denke, deshalb ist diese Ausstellung so wichtig. Die Menschen brauchen einen Ort, an dem sie den Schmerz des Abschieds verarbeiten können.“

„Totgeglaubte leben länger“

Dass sie irgendwann gehen müssen, sei schon lange klar gewesen, sagt Bruder Eckehard. „Totgeglaubte leben länger“, habe man sich damals scherzhaft gesagt. Doch der Nachwuchs sei weiter ausgeblieben, und man habe die Verwaltung des Klosters und die täglich anfallenden Arbeiten nicht mehr länger bewältigen können. „Vielleicht gibt es heute zu viele Angebote, sein Leben zu gestalten“, fragt sich der Mönch manchmal. Vielleicht liege es einfach am Zeitgeist, und das sei nicht negativ gemeint. Aber vielleicht müssten die Mönche einfach mehr unternehmen, um junge Menschen für ihre Arbeit zu begeistern.

Die Ausstellung gebe den Besuchern einen guten Einblick in den Klosteralltag, und sie erzähle die Geschichte der Kapuziner in Dieburg. „Wir geloben nach dem Armutsgebot zu leben. Unsere Kloster sind keine Prunkbauten“, sagt der Kapuziner. Das Gleiche gelte für die Kirchen. Klein und einfach, aber andächtig sollten sie sein. Im Regal stünden nur wenige, aber gute Bücher. Zum Beispiel findet man zwischen Kettelers „Predigten“ und der zweiten Auflage des Meyers-Handlexikons „Das Alter“ von Simone de Beauvoir. Das schlichte Bücherregal ist Teil der Ausstellung. Daneben steht ein alter Schrank aus massivem dunklen Holz. Auch er stammt aus dem Bestand des ehemaligen Kapuzinerklosters.

Volksnah und Gott verbunden

Viele Bürger aus Dieburg und den umliegenden Ortschaften unterstützten die Ausstellung mit Geschichten, kleinen Anekdoten aus dem Leben mit den Kapuzinern und einzelnen Leihgaben. Einer dieser Bürger ist Alexander Neiß. Der Ausstellungsbesucher deutet auf ein Foto, das einen Mönch mit langem Bart zeigt. „Das ist Bruder Nikodemus. Er hat jahrelang in der kleinen Kammer neben der Pforte auf einer einfachen Pritsche geschlafen, um Dienst zu halten.“ Dass Jemand Wache hält und die Bedürftigen auch in der Nacht aufnimmt - das sei dem Kapuziner immer wichtig gewesen. „Und diesen Weihwasserkessel kenne ich noch im Gebrauch“, erzählt der ehemalige Messdiener voller Begeisterung. Die Kapuziner fehlten in Dieburg. Seine Stimme wird leise, als er weiterspricht. „Beim Abschiedsgottesdienst haben einige der Familien geweint, die bei den Gottesdiensten immer in der Loge saßen.“

„Volksnah und Gott verbunden“, besser könne man die Kapuziner nicht beschreiben, sagt Bruder Berthold, der eigentlich Berthold Oehler heißt. Aus der Verbundenheit zu Gott heraus entschieden sich die „Cappuccini“, wie sie die Kinder wegen ihrer braunen Mantelhauben einst nannten, nach dem Vorbild des heiligen Franz von Assisi für ein Leben in Einfachheit und Brüderlichkeit. Frei im Haben und Wollen gelobten die Mönche „Herz, Hand und Türen für alle Menschen offen zu halten“. Seither nahmen die Mönche missionarische und seelsorgerische Aufgaben wahr. „Es ist gut, dass wir nie auf einen bestimmten Tätigkeitsbereich festgelegt wurden, so sind die Brüder heute freier“, sagt Bruder Eckehard.

Wandel gehört zum Leben

Und Wandel gehöre eben zum Leben dazu. Ein Abschied sei immer auch ein Aufbruch, sagt der Kapuziner. Für die Mönche selbst sei die Ausstellung eine „kraftvolle Erinnerung“ an die gemeinsame Zeit und eine 362Jahre währende Tradition in Dieburg. Natürlich bräuchten auch sie Zeit, um sich in den neuen Klöstern einzugewöhnen. Bruder Berthold lebt heute in Altötting, Bruder Eckehard in Salzburg.

„Vielleicht kommen sie ja eines Tages wieder“, fasst Bürgermeister Werner Thomas (parteilos) die Hoffnung vieler Bürger zusammen. In der Vergangenheit seien die Mönche immer wieder verfolgt worden, sagt Bruder Eckehard. Dennoch seien sie immer wieder „aufgestanden“, auch nach der Säkularisation zu Beginn des 19.Jahrhunderts.

Auch Bruder Berthold kennt die Hoffnungen vieler Besucher, für die das Kloster in Dieburg vor allem ein „Ort der Einkehr“ war. „Möge die Ausstellung Ausdruck dafür sein, dass die Verbindung zwischen Dieburg und den Kapuzinern keineswegs zu Ende ist.“

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