Pünktlich zum diamantenen Jubiläum der britischen Queen brüskiert der als Schandmaul berüchtigte Morrissey, ehemaliger Frontmann von „The Smiths“, die königliche Familie - bezeichnet der Exilbrite die Royals doch als „die überbezahltesten und nutzlosesten Menschen dieses Planeten, deren Lebenswandel nichts anderes als eine durchtriebene und extravagante Form des Zuwendungsbetrugs“ sei. Morrisseys Meinung über das Duo-Projekt von Jay-Z und Kanye West steht zwar noch aus, dürfte aber beim selbst bekennenden HipHop-Hasser nicht minder harsch ausfallen, buhlen die beiden für unnachahmliche Großspurigkeit bekannten amerikanischen Rap-Mogule doch als „The Throne“ offen um eine duale Weltregentschaft. Unzweideutig propagiert das ungleiche Gespann schon im Titel der exzellent produzierten CD-Extravaganz „Watch The Throne“ wie selbstverständlich den Anspruch.
Thronverteidigung inszeniert sich in der ausverkauften Frankfurter Festhalle auf dramatische Weise: Hydraulisch fahren parallel zwei gigantische Quader in luftige Höhen - der eine lokalisiert sich vor der Bühne, der andere am gegenüberliegenden Ende der Halle direkt vor einer VIP-Tribüne: Protz, Prunk und Pracht egozentrisch auf die Spitze getrieben. Obenauf stehen sich der 35 Jahre alte Kanye West und sein acht Jahre älterer Kompagnon Jay-Z alias Shawn Corey Carter, beide schwarz gekleidet und kontrastreich nach Gangster-Rap-Manier mit schweren Goldketten behangen, wie Duellanten gegenüber. Unermüdlich fangen Kameras am Schwenkgalgen heroische Posen ein: Auftakt zur spektakulären Gigantomanie mit jeder Menge Duett-Passagen, aber auch jeweils solistischen Ausflügen.
Ein Unterhaltungsformat
Weniger will mehr sein. Zumindest signalisieren das Jay-Z und Kanye West, wenn die geschäftstüchtigen Unternehmer mit erlesenem Geschmack konsequent auf Band, Tanzeinlagen und weitere Kulissenbauten verzichten. Im Hintergrund der schwarz gehaltenen Luxusbühnen-Kargheit werkeln drei schemenhafte Gestalten an der Reproduktion der im Studio vorfabrizierten Klangcollagen. In infernalischer Lautstärke büßen Fanfavoriten wie „HoAoM“, „Otis“ und das finale „Niggas In Paris“, die in dissonanter Brachialrhythmik die Sinne im Dauerbombardement attackieren, subtile Feinheiten ein.
Als Unterhaltungsformat erweist sich der übersteuerte Klangbrei im Stampfstakkato, garniert mit Feuersbrünsten und Lasertechnik, dennoch, um den aufgestachelten 13.000 Zuschauern eine Partysause zu bereiten. Wie hochwertig Musik zünden kann, verdeutlichen hingegen Originaleinblendungen von Otis Reddings „Try A Little Tenderness“, Louis Armstrongs „What A Wonderful World“ und Michael Jacksons „Pretty Young Thing“.