http://www.faz.net/-gzg-927io

Kailing fordert Umdenken : Der DGB, die Renten, die Bildung und die AfD-Kollegen

Hat auch viele AfD-Wähler unter ihren Kolleginnen und Kollegen: Gabriele Kailing, Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen Bild: dpa

Ein Kurswechsel in der Rentenpolitik, eine Stärkung der Tarifbindung von Unternehmen, mehr öffentliche Investitionen in Bildung - das hält Hessens DGB-Chefin für nötig. Und dann hat sie noch ein AfD-Problem.

          Ein „Weiter so“ darf es nach dem Bundestagswahlergebnis vom Sonntag nicht geben, davon ist Gabriele Kailing, Vorsitzende des DGB in Hessen und Thüringen, überzeugt. Deshalb fordert die Gewerkschafterin von der neu zu bildenden Bundesregierung eine Politik, die den Sorgen der Bürger wieder mehr Rechnung trägt. Dazu gehören für Kailing ein Kurswechsel in der Rentenpolitik, eine Stärkung der Tarifbindung von Unternehmen, um eine faire Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen sicherzustellen, mehr öffentliche Investitionen in Infrastruktur und Bildung sowie der Abbau prekärer Beschäftigungsverhältnisse.

          Jochen Remmert

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Außerdem fordert die DGB-Bezirkschefin, die gesetzliche Krankenversicherung wieder hälftig von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanzieren zu lassen. Außerdem müssten große Vermögen und Einkommen durch ein gerechteres Steuersystem wieder mehr zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen. Ein Rückkehrrecht von Teilzeitbeschäftigten, wenn sie wieder mehr Wochenstunden arbeiten wollen, zählt für Kailing ebenfalls zu den notwendigen Änderungen.

          15 Prozent für die AfD

          Die Proteststimmung, die die AfD zur drittstärksten Kraft im Bundestag hat werden lassen, hat einer bundesweiten Untersuchung der Forschungsgruppe Wahlen zufolge auch vor den Gewerkschaftsmitgliedern nicht Halt gemacht: Unter den Gewerkschaftern, die zur Wahl gegangen sind, ist demnach die SPD von 35,9 auf 29 Prozent abgestürzt, die CDU von 32,4 auf 24 Prozent. Die AfD wurde dagegen bei der Bundestagswahl unter gewerkschaftlich organisierten Wählern mit 15 Prozent drittstärkste Partei noch vor der Linken mit 12 Prozent. Die kleinen Parteien konnten beide zulegen, die Grünen auf 8,0 Prozent und die FDP auf 7,0 Prozent.

          Betrachtet man alleine die Arbeiter, die in einer Gewerkschaft organisiert sind, haben sogar 19 Prozent der AfD ihre Stimme gegeben, 31 Prozent der SPD, 22 Prozent der CDU und 12 Prozent den Linken. Grüne und FDP kommen in dieser Gruppe jeweils auf 5,0 Prozent der Stimmen. Bei den gewerkschaftlich organisierten Angestellten kam die AfD auf 14 Prozent, bei den Beamten mit gewerkschaftlicher Bindung auf 10. Unter den Staatsdienern mit Gewerkschaftsausweis konnte allerdings die CDU mit 35 Prozent klar den ersten Platz verteidigen.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          SPD will sich auf Oppositionsarbeit einstellen Video-Seite öffnen

          Berlin : SPD will sich auf Oppositionsarbeit einstellen

          Die neue Fraktionschefin Andrea Nahles und der neue erste Parlamentarische Geschäftsführer Carsten Schneider haben am Dienstag die 153 Bundestagsabgeordneten der SPD zu einer Klausursitzung geladen. Dabei sollte unter anderem darüber beraten werden, wie die bei der Bundestagswahl abgestrafte Partei das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen kann.

          Topmeldungen

          Zukunft der Kanzlerin : Die zweite CDU-Reihe macht gegen Merkel mobil

          In der Union regt sich Widerstand gegen die Kanzlerin: Ein Ministerpräsident will über mögliche Merkel-Nachfolger debattieren, ein Innenminister erklärt die mögliche Jamaika-Koalition zum Sicherheitsrisiko. CDU-Generalsekretär Tauber versucht zu schlichten.
          Demo am spanischen Nationalfeiertag (12. Oktober) in Barcelona

          Krise in Spanien : Operation am offenen Herzen

          An diesem Donnerstag droht Katalonien die Entmachtung durch die Zentralregierung in Madrid. Doch das birgt große Risiken. Ein Kommentar.
          Sandra Maischberger diskutiert am Mittwochabend mit ihren Gästen über die Notwendigkeit eines Einwanderungsgesetzes.

          TV-Kritik: „Maischberger“ : Wenn Konfusion zur Methode wird

          Das Bild im Studio zeigt einen Flüchtlingstreck aus dem Jahr 2015 – musikalisch untermalt von der düsteren Melodie der amerikanischen Serie „House of Cards“. Die Sendung von Sandra Maischberger zum Thema „Einwanderungsgesetz“ stiftet große Verwirrung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.