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„Juniorwahl“ für Neuntklässler : Jugend wählt

  • -Aktualisiert am

Sie haben zwei Stimmen: Wähler an der Wahlurne. Bild: dpa

An der Leibnizschule geben Neuntklässler ihre Stimmen für den Bundestag ab – bei der „Juniorwahl“.

          Gedrängel an den Wahlurnen: Die Klasse 9f stürmt den Computerraum der Leibnizschule in Höchst. Fünf Rechner sind zu Wahlurnen mit Sichtschutz umgebaut, dort geben die Schüler ihre Stimme für die Bundestagswahl ab. „Ganz genau weiß ich noch nicht, was ich wähle. Aber ich habe da schon eine Richtung“, sagt ein Vierzehnjähriger, der in der Schlange steht.

          Juniorwahl heißt das von der Bundeszentrale für politische Bildung geförderte Projekt, bei dem an mehr als 2000 deutschen Schulen 500.000 minderjährige Schüler teilnehmen. Sie bekommen die gleichen Stimmzettel wie die Wahlberechtigten am Sonntag, manche Schulen wie die Leibnizschule lassen aber elektronisch über das Internet wählen. Das Ergebnis wird ausgewertet und gleichzeitig mit dem der Bundestagswahl veröffentlicht.

          Beeindruckt hat die Diskussion mit den Kandidaten

          Am Friedrich-Dessauer-Oberstufengymnasium, das gegenüber der Leibnizschule liegt und mit ihr zusammen einen Schulverbund bildet, haben die älteren Schüler schon am Dienstag abgestimmt. Die Neuntklässler der Leibnizschule waren gestern an der Reihe. Organisiert hat die Wahl der Politiklehrer Claude Görner: Er hat seine Schüler vorbereitet, die Parteiprogramme durchgenommen, die Bedeutung von Erst- und Zweitstimme erklärt.

          Am meisten beeindruckt hat ihn die Diskussion mit den Direktkandidaten für den Frankfurter Westen: Matthias Zimmer (CDU) und Gregor Amann (SPD) haben sich im Wahlkampf mehrere Stunden Zeit genommen, um mit den Schülern zu sprechen, obwohl deren Stimme gar nicht zählt. „Bei der Veranstaltung haben die Schüler mich überzeugt“, sagt Görne, der seinen Neuntklässlern die politische Meinungsbildung durchaus zutraut: Aus dem Bauch heraus und ganz direkt hätten die Schüler gefragt. Themen seien der Konflikt in Syrien, ein möglicher Militäreinsatz und das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare gewesen. „Und auch zur Steuergerechtigkeit kamen viele Fragen, das hat mich überrascht“, erzählt Görner.

          Schüler sind nicht naiv

          Genauso wichtig wie die Inhalte sei aber das Auftreten der Kandidaten gewesen, sagt eine Schülerin, die gerade ihre Stimme abgegeben hat. „Zimmer war so locker, aber der Amann hat uns ernst genommen.“ Einige Mitschüler widersprechen, fanden Zimmer besser: „Der ist extra aufgestanden und zu uns an die Tische gekommen.“ Dass die Schüler ernst genommen werden, sei das Tolle an dem Projekt, sagt Lehrerin Annegret Schirrmacher. „An Schulen tut man oft nur so, als ob – die Schüler gehen viel mehr mit, wenn es echt ist.“ Auch wenn die Stimmen nicht zählen: Dass die Kandidaten sich Zeit genommen haben, beeindruckt die Schüler.

          Manche von ihnen bringen schon eine politische Grundüberzeug mit, andere haben sich vorher gar nicht für die Wahlen interessiert. „Die Juniorwahl schärft den Blick der Schüler für Wahlplakate und dafür, was um sie herum passiert“, sagt Görner. Wie viele Schulen in Frankfurt hat das Leibnizgymnasium einen hohen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund. Bei der Juniorwahl spielt die Staatsbürgerschaft aber keine Rolle. Die Herkunft vieler Schüler aus dem arabischen Kulturraum erklärt, warum die Themen Syrien und das Adoptionsrecht für Homosexuelle bei den Diskussionen mit den Direktkandidaten so eine große Rolle gespielt haben.

          Die Schüler sind auch bei der Juniorwahl nicht naiv – sie merken, wie schwierig es ist, sich politisch zu positionieren: „Ich hätte mir die Möglichkeit gewünscht, keine Stimme abzugeben“, sagt eine Fünfzehnjährige. „Es hat mich eben niemand so hundertprozentig überzeugt.“ Informiert und hochinteressiert sind sie alle bei einem Thema, das sie selbst betrifft: Schulpolitik. Gerne hätten Sie auch darüber mit den Bundestagskandidaten gesprochen – „aber das ist ja Ländersache“.

          Quelle: F.A.Z.

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