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Jugendorganisation der AfD : Unter der Bikinilinie

Politik mit Hintern: Auf Facebook schreibt die JA, man suche noch nach einem „geeigneten Männermotiv“. Bisher wohl erfolglos. Bild: Screenshot/JA

Die Jugendorganisation der Alternative für Deutschland kämpft gegen den Feminismus. Tim Wiemer ist im Landesvorstand in Hessen und sagt: Wir sind fertig mit der Gleichberechtigung. Darauf einen Frauenpo.

          Tim Wiemer legt sein iPhone auf den Tisch und fragt, ob es okay sei, wenn er das Interview mitschneide. Er hat das noch nicht so oft gemacht, Interviews geben, und deshalb will er hinterher hören, wie er war.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tim Wiemer ist 22 Jahre alt, im hessischen Landesvorstand der Jugendorganisation der Alternative für Deutschland (AfD), und der iPhone-Mitschnitt zählt 47 Minuten und 55 Sekunden, als er zum ersten Mal einen Satz sagt, der nicht so klingt, als habe er ihn vorher geübt. „Ich dachte immer, in meiner Generation bin ich mit meiner Meinung alleine“, sagt Wiemer, und kurz ist da die Hoffnung, es könne interessant werden, bevor der Moment an den Stichworten Staatsschuldenkrise, Zinssätze und Diskussionskultur zerschellt.

          Womöglich sind es die zwei, drei spontanen Sätze dazwischen, über die sich Wiemer hinterher ärgern wird, wenn er sich den Mitschnitt anhört, weil er sie für nicht kalkuliert hält. Tatsächlich sind es die einzigen, mit denen Tim Wiemer einen Seitenblick auf sich selbst riskiert. Am Ende helfen sie aber auch nicht bei der Frage, warum jemand mit 22 Jahren Mitglied der AfD wird. Dabei wäre die Antwort doch bestimmt spannend.

          Plakatkampagne gegen Feminismus

          Im Juni 2013 wurde die Junge Alternative (JA) gegründet, aber bis Mitte März hatte davon keiner etwas gemerkt. War aber auch kein naheliegender Gedanke, dass es die gibt, bei den eher älteren Männern, die bei der AfD sonst auftreten. Aber tatsächlich wäre die Partei in den Bundestag gekommen, hätten nur die Wähler unter 29 Jahren darüber entscheiden dürfen: Von denen gaben sechs Prozent ihre Stimme der AfD. Die JA katapultierte sich im März ins Bewusstsein mit staatstheoretisch erstaunlichen Sätzen wie diesem: „Ich bin keine Feministin, weil mein Mann mein Fels in der Brandung ist - und nicht mein Klassenfeind.“

          Nach dem Plakat mit fünf Frauenpos hat die JA reagiert: Man wolle jetzt nur noch hochgeschlossene Models zeigen.
          Nach dem Plakat mit fünf Frauenpos hat die JA reagiert: Man wolle jetzt nur noch hochgeschlossene Models zeigen. : Bild: Screenshot/JA

          Eine junge Frau mit Steppweste hatte den Satz auf ein Plakat geschrieben und in die Kamera gehalten. Es war eine Aktion der JA, rund 20 Leute machten mit. „Ich bin keine Feministin, weil ich als Frau auch selbst in der Lage bin, über mich zu bestimmen“, schrieb eine andere Frau. Und unter anderem, weil das so logisch ist wie das Bekenntnis, auf keinen Fall einen Schrebergarten zu pachten, weil man so gerne Unkraut jäte, wurde die JA im Internet mit Häme überschüttet.

          Oft war die Kritik kaum besser als die Kommasetzung auf einigen der Plakate. Auf persönliche Anfeindungen gehe man nicht ein, heißt es dazu aus dem Bundesvorstand der JA, aber: „Wir konnten ein ganz ordentliches politisches Statement abgeben“, sagt Damian Lohr, der in dem Vorstand sitzt und die Plakataktion mit beschlossen hatte.

          „Der Zustand der Gleichberechtigung ist erreicht“

          Die Junge Alternative hat sich den Antifeminismus ausgesucht, sie will damit um Stimmen kämpfen für die Europawahl Ende Mai. „Der Zustand der Gleichberechtigung ist erreicht“, sagt Tim Wiemer, der seinen Mitgliedsantrag für die Junge Union schon ausgefüllt hatte, als gerade die AfD gegründet wurde und er sich spontan anders entschied. „In meiner Generation gibt es sehr, sehr wenige Frauen, die sagen würden, sie fühlen sich nicht gleichberechtigt.“

          Zwar habe der Feminismus in der Vergangenheit Großes geleistet, man denke an das Frauenwahlrecht und die Frauenerwerbstätigkeit. „Wenn er aber in seiner jetzigen Form weiterbetrieben wird, laufen wir Gefahr, dass es zu einer Benachteiligung des Mannes kommt“, sagt Wiemer. Der Slogan der JA ist „Verstand statt Ideologie“, und die Verteilung ist klar: Der Feminismus ist die Ideologie, die JA, das sind die mit dem Verstand.

          Mit nackten Frauenpos ins Europaparlament

          Vergangene Woche hat die JA ein Plakat ins Internet gestellt, auf dem fünf Frauen am Strand zu sehen sind. Sie tragen Stringtangas und umschlingen sich ganz natürlich gegenseitig an den Hüften. Unter ihren nackten Hintern steht der Slogan „Gleichberechtigung statt Gleichmacherei“ und dann noch die rätselhaften Worte: „P(r)o Vielfalt in Europa!“ Das ist offenbar eine politische Botschaft, für die sogar der Berliner Landesverband der AfD „die Jungs in der JA“ öffentlich kritisierte: Sie bestätigten jedes Klischee.

          Tags darauf lud die JA ein neues Plakat hoch, mit einer Frau im kragenbesetzten Lederbustier, die mit Handschellen für „Kriminalität härter angehen!“ wirbt. Die JA reagierte damit, sozusagen, auf die Kritik am Strandbild. Sie schrieb über die Handschellen-Frau: „In Zukunft werden wir darauf achten, dass unsere Motive wieder hochgeschlossene Kleidung tragen.“ Zu lokalisieren, wo genau bei diesen Plakaten jetzt der Verstand sein soll, nun: Das ginge unter die Gürtellinie.

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