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Junge Piraten : „Wir sind eine wirklich junge Jugendorganisation“

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Mitsprache ist keine Altersfrage: Julia Reda, Bundesvorsitzende der Jungen Piraten, und Parteifreund Benjamin Pampel Bild: Philip Lisowski

Die Mitglieder der Piratenpartei sind im Schnitt nicht älter als der Nachwuchs etablierter Parteien. Und doch haben auch die Piraten eine Jugendorganisation - auch in Hessen.

          Julia Reda trägt einen schwarzen Ledermantel und ein auffällig bedrucktes T-Shirt. Die 24 Jahre alte Studentin der Politikwissenschaften und Publizistik aus Mainz ist Bundesvorsitzende der Jungen Piraten, der Jugendorganisation der Piratenpartei, die mit ihrem Einzug in das Berliner Abgeordnetenhaus für Aufsehen gesorgt hat. Am 18. April 2009 in Wiesbaden gegründet, zählen die Jungen Piraten in Hessen aktuell an die 100 Mitglieder, bundesweit sind es mehr als 700. Das Durchschnittsalter der Parteimitglieder beträgt 31 Jahre, und liegt damit auf dem Niveau der Jugendorganisationen etablierter Parteien.

          Dass eine ohnehin schon sehr junge Partei eine Jugendorganisation hervorgebracht hat, ist für die Vorsitzende nicht ungewöhnlich. Die Schwerpunkte der politischen Arbeit der Jungen Piraten seien vor allem jugendspezifische Themen wie Bildung, Medien und Jugendschutz, sagt Julia Reda. Eine eigene Vertretung dieser Altersgruppe sei deshalb von großer Bedeutung. „Wir sind eine wirklich junge Jugendorganisation, die ihre Mitglieder richtig vertreten kann“, sagt sie.

          „Linkslibertär“

          Auf der Internetpräsenz der Jungen Piraten wird die Zielgruppe des Vereins und seiner Mitglieder unter „Jugendliche mit Ecken und Kanten“ zusammengefasst. Viele von ihnen sind Schüler oder Studenten und fast durchweg technikinteressiert. Ein Mindestbeitrittsalter gibt es nicht. Es komme darauf an, dass man etwas verändern wolle und sich engagiere, sagt die Vorsitzende. Letztlich sei das einzige Kriterium für einen Beitritt eine gewisse Selbständigkeit. „Unsere Mitglieder müssen dazu in der Lage sein, eigenständig und verantwortungsbewusst Entscheidungen zu treffen.“

          Den Mitgliedern der Partei und auch den Jungen Piraten wird ein großer Hang zur Technik nachgesagt. Bei Benjamin Pampel ist das auch eindeutig der Fall: Er ist 19 Jahre alt und studiert Physik an der Technischen Universität Darmstadt. Er habe sich intensiv mit Themen und Leitbild der Jungen Piraten auseinandergesetzt, schon vor seinem Eintritt, sagt er. Seine politische Haltung bezeichnet er als „linkslibertär“. Ihm gehe es darum, seine Pflicht als Staatsbürger zu erfüllen, und sich politisch zu engagieren. Bei den Jungen Piraten fühle er sich gut aufgehoben, weil sie ihren Mitgliedern diese Möglichkeit böten und somit mehr Einfluss auf das politische Geschehen ermöglichten. Für Julia Reda ist es wichtig, dass die Jungen Piraten ein eigenständiger Verein und keine von der Piratenpartei abhängige Organisation sind, denn dadurch könnten sie ihre Meinungen und Ziele besser vertreten und verfolgen.

          „Wollen Gesellschaft, die mit dem Internet umgehen kann“

          „Bedingt durch das Alter unserer Mitglieder konzentrieren wir uns in unserer politischen Arbeit auf den Jugendschutz und dadurch auch auf Medien, speziell das Internet“, sagt die Vorsitzende. Sie selbst war sechs Jahre lang in der SPD und 2009 aus der Partei ausgetreten. Anlass war eine Abstimmung im Bundestag über „Netzsperren“, welche die große Koalition gegen die Stimmen von FDP, Linken und den Grünen durchsetzte. „Diese Netzsperren waren völlig unnötig. Das bloße Sperren etwa von Kinderpornographie-Seiten verfehlt seine Wirkung. Wir müssen löschen, statt zu sperren, und gerade beim Thema Kinderpornographie noch vorher ansetzen: in den Familien“, sagt sie. Mit Projekten wie dem „Internetführerschein“ oder „Hol dir deine Daten zurück“ versuchen die Jungen Piraten über Sicherheit im Netz aufzuklären. In sozialen Netzwerken wie Facebook müssten Jugendliche bei der Veröffentlichung von Daten und Fotos besondere Vorsicht walten lassen. In erster Linie richte man sich direkt an die Jugendlichen. „Hol dir deine Daten zurück“ besitze eine eigene Internetpräsenz, um auf die Gefahren sozialer Netzwerke hinzuweisen und zugleich über den sicheren Umgang mit Daten zu informieren. Den „Internetführerschein“ könne man in einem zweitägigen Kursus erwerben - Kinder, Jugendliche und Eltern. „Wir wollen eine Gesellschaft, die mit dem Medium Internet umgehen kann“, sagt Reda.

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