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Junge Jazzmusiker Wo geht’s denn hier zur Szene?

 ·  Keine staatliche Ausbildung mehr, wenig Musiker, kaum Auftrittsmöglichkeiten: Junge Jazzmusiker in Frankfurt versuchen, daraus das Beste zu machen. Eine Erkundung.

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Die Erkenntnis kommt spät. Der Mann im Business-Anzug schiebt seine Begleiterin nach vorne und zeigt stirnrunzelnd auf die Bühne. „Saxophone scheint es als Mini- und Maxi-Version zu geben.“ Dass nicht jeder im Frankfurter „Jazzkeller“ zwischen Alt- und Tenorsaxophon zu unterscheiden weiß, zeigt, wie durchmischt das Publikum bei der Jam Session ist. Studenten, Jazz-Urgesteine, Geschäftsleute auf Durchreise: Sie alle quetschen sich in das Gewölbe, um bei Bier und Wein der Hausband und später den spontan einsteigenden Musikern zu lauschen.

Peter Klohmann findet das großartig. Der 26 Jahre alte Saxophonist ist seit Jahren fast jede Woche hier, heute spielt er das erste Solo der Session. Er gehört zu denen, die sich nicht zu sehr beeindrucken lassen dürfen von den Schwarz-Weiß-Photographien an den Wänden. Auf ihnen sind deutsche und internationale Jazzgrößen bei ihren Auftritten im „Jazzkeller“ zu sehen. Als junger Frankfurter Jazzer versucht Klohmann, seinen eigenen Stil zu entwickeln. „Man muss sich eine Nische suchen“, sagt er und wirkt dabei recht optimistisch. Einmal im Monat organisiert er im „Jazzkeller“ die „Junge Szene“ für Nachwuchs-Jazzbands. Dass fast alle der dort zu hörenden Musiker nicht aus Frankfurt kommen, scheint für die Lage des jungen Jazz in der Stadt symptomatisch zu sein. „Der ,Jazzkeller‘ ist eigentlich der einzige Ort, um sich zu treffen und zusammen zu spielen. Trotzdem kommen nicht viele hierher.“ Als ein Freund ihn vor einiger Zeit nach Frankfurter Musikern für eine private Session fragte, fielen Klohmann nur wenige Namen ein. Jazz heiße für ihn auch, aufeinander zuzugehen, das bleibe in Frankfurt oft aus, meint er.

„Jazzinitiative“ mitbegründet

Klohmann erzählt vom Hier und Jetzt; wer sich für den Jazz der Gegenwart in Frankfurt interessiert, stößt aber, ob er will oder nicht, ständig auf die Vergangenheit. Auf die Zeiten, denen die Stadt ihren Ruf als Jazzstandort zu verdanken hat, von dem sie bis heute zehrt. Ob Veranstalter, Fans oder Musiker: Kaum einer, der nicht früher oder später auf Stars wie Albert Mangelsdorff oder Heinz Sauer zu sprechen kommt. Gewiss, Sauer konzertiert in Frankfurt noch immer, ob mit oder ohne seinen Duo-Partner Michael Wollny, und Albert Mangelsdorffs älterer Bruder Emil hat seine eigene Konzertreihe bei der Frankfurter Bürgerstiftung. Aber die Erinnerungen an die Auftritte der Ikonen in den fünfziger und sechziger Jahren gehörten schon zum Mythos, als Eugen Hahn 1986 den „Jazzkeller“ übernahm. Dass sich bis heute die Legende von der „Jazzhauptstadt“ Frankfurt hält, geht dem Ostberliner Hahn auf die Nerven. „Die Szene ist freundlich und fleißig, aber Mittelmaß“, sagt er. Sein 1952 gegründetes Etablissement hat sich von der Nachtkneipe mit Musik zum Konzertclub mit Discobetrieb gewandelt, jeder kann kommen, der Eintritt zahlt. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich ein kleiner Freundes- und Bekanntenkreis zum subkulturellen Stelldichein traf. Nach Auskunft Hahns, früher selbst Bassist, gibt es heute eine bessere Ausbildung, doch sei das Jazzgeschäft ein umkämpfter Markt. Nebenjobs für Jazzmusiker, wie nach dem Krieg in den GI-Clubs der Amerikaner, gebe es seltener. Dass unter den Musikern viele Einzelkämpfer sind, wie er sagt, stört ihn nicht. Für ihn bedeutet „Szene“ vor allem ein lebendiges Veranstaltungsangebot für das Publikum.

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