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Jüdisches Museum Erneuerung im Rothschildpalais

Das Jüdische Museum feiert Jubiläum und erlebt ein Schicksalsjahr. Denn die Stadt entscheidet über einen Anbau.

© Stadtbauplan Vergrößern So könnte es aussehen: Entwurf zum Jüdischen Museum.

Mazel tov - herzlichen Glückwunsch. Das Jüdische Museum Frankfurt wird 25Jahre alt. Der protokollarische Termin ist eigentlich der 9.November. Doch wer mag am Tag der Pogromnacht das Sektglas heben? Also feiert das Museum das ganze Jahr über. Die Festlichkeiten beginnen an diesem Sonntag mit der Eröffnung der überarbeiteten Dauerausstellung. Um 15 und 16Uhr werden die Kuratoren Eva Atlan und Manfred Levy durch die Schau führen. Um 17Uhr intonieren in einem Kammerkonzert mit dem Titel „Ich wollt’ meine Lieb ergösse sich“ Mitglieder des Opern-Ensembles Duette von Mendelssohn, Schumann und Offenbach.

Hans Riebsamen Folgen:    

Sind 25Jahre viel oder wenig Zeit für ein Museum? Im Vergleich zum Vorgänger-Haus, dem 1922 gegründeten und 1938 von den Nazis aufgelösten Museum Jüdischer Altertümer, besteht das neue Jüdische Museum schon ziemlich lange. Bedenkt man aber, dass es nach Krieg und Holocaust 53Jahre gedauert hat, bis das Jüdische Museum 1998 seine Eingangstür auf der Vorderseite des Rothschildschen Palais fürs Publikum öffnen konnte, sind 25Jahre ein bescheidener, vielleicht sogar ein beschämend kurzer Zeitraum.

Kein Provinzmuseum

Immerhin war das Frankfurter Haus das erste in Deutschland, das die Geschichte und die Kultur des jüdischen Volkes präsentierte. Die bis ins Frühmittelalter zurückreichende jüdische Besiedlung, die Judengasse mit dem Stammhaus der Rothschilds, die jüdisch geprägte Frankfurter Schule und in jüngerer Zeit der Fassbinder-Streit und die Walser-Affäre haben Frankfurt prädestiniert. Mittlerweile gibt es weitere Jüdische Museen, in München, Fürth und natürlich in Berlin. Das dortige Museum im zickzackförmigen Libeskind-Bau ist das größte seiner Art in Europa.

Trotzdem sank das Frankfurter Haus nicht zu einem Provinzmuseum ab; mit seinen Wechselausstellungen etwa über den Verleger Axel Springer, über die Einwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion nach 1989 oder den Zentralrats-Präsidenten Ignatz Bubis hat es auch in den zurückliegenden Jahren Maßstäbe gesetzt.

Mit der Dauerausstellung glänzen

Direktor Raphael Gross und sein Team widmen sich im Jubiläumsjahr heiklen Themen. Im April zeigen sie im Rothschildpalais die Ausstellung „Juden. Geld. Eine Vorstellung“. Wer noch Fassbinders reichen Juden in seinem umstrittenen Stück „Der Müll, die Stadt und der Tod“ in Erinnerung hat oder an die Nazi-Propaganda vom internationalen jüdischen Finanzkapital zurückdenkt, weiß, dass die Verbindung von Juden und Geld bis heute zu den klassischen antisemitischen Stereotypen gehört. Im Mai versucht die Ausstellung „Treten Sie ein! Treten Sie aus!“ eine Antwort auf die Frage zu geben, warum Menschen ihre Religion wechseln. Es folgt im November eine Schau zum Jahr 1938, die sich mit dem Kunstleben im Nationalsozialismus beschäftigt und die laut Direktor Gross mit einigen Überraschungen aufwarten wird.

Doch zuerst will das Haus mit der überarbeiteten Dauerausstellung glänzen. Die alte Darbietung wirkt nach 25Jahren etwas altmodisch. Doch die Kuratoren haben die Schau nicht grundlegend verändert, sondern sie vielmehr um einige interessante Objekte ergänzt - wie ein Selbstbildnis des im Frankfurter Bürgertum hochgeschätzten Malers Moritz Daniel Oppenheim mit seiner ersten Frau Adelheid oder einen Tora-Vorhang, der womöglich aus der in Brand gesteckten Börneplatz-Synagoge stammt. Die Texte zur Ausstellung sind indes neu, sie werden jetzt auch in englischer Sprache präsentiert. Schließlich kommt ein Viertel der Besucher aus weiterer Entfernung.

18 Monate Bauzeit

Das 25.Jahr wird ein Schicksalsjahr für das Jüdische Museum. Denn in den nächsten Monaten wird sich entscheiden, ob es einen Erweiterungsbau bekommt. Die erste Runde des Wettbewerbs ist beendet, nun müssen die drei Architekturbüros, deren Entwürfe der Jury am besten gefallen haben, ihre Pläne optimieren. Noch im Frühjahr wird das Kulturdezernat seine Wahl treffen. Danach muss es eine Bau- und Finanzierungsvorlage erarbeiten. Die endgültige Entscheidung liegt bei den Stadtverordneten. Im Museum ist man optimistisch: Im Sommer 2014 könne man vielleicht mit dem Bau beginnen, sagte gestern Direktor Gross.

Die 18M onate Bauzeit bedeuten für das Museum eine Durststrecke. Denn während dieser Zeit wird das Rothschildpalais geschlossen. Weil auf der Rückseite des Altbaus der Anbau errichtet wird, steht nur die Haupttür an der Mainseite zur Verfügung. Ohne einen zweiten Ausgang als Fluchtweg erlauben die feuerpolizeilichen Vorschriften aber keine Öffnung des Museums. Auch das Rothschildpalais, durch das während der vergangenen 25Jahre jährlich etwa 60000Besucher gingen und das abgenutzt ist, bedarf einer Erneuerung. Wenn zum Jahreswechsel 2016 der Anbau und der Altbau wiedereröffnet werden, können die Gäste im Palais eine ganz neue Dauerausstellung begutachten. Die jetzt erneuerte alte Schau stellt nur eine Zwischenlösung dar.

Anmeldungen zu dem Kammerkonzert sind unter der Telefonnummer 212-34856 oder per Mail an christine-wern@stadt-frankfurt.de möglich.

Quelle: F.A.Z.

 
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