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Jagen : Gericht: Waldbesitzer muss Jagd nicht dulden

Sollte man die Jagd aus ethischen Gründen ablehnen? - Über das Jagdrecht soll neu entschieden werden. Bild: dpa

Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte macht die Novellierung der Gesetze notwendig. Ein Eigentümer hatte gegen das Erlegen von Tieren auf seinem Areal geklagt.

          Das hessische Jagdwesen steht womöglich vor einer Zäsur, seit ein Waldeigentümer und überzeugter Jagdgegner in Rheinland-Pfalz vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einen bemerkenswerten Erfolg erzielt hat. Künftig muss der Mann wohl nicht mehr dulden, dass Jäger auf seinem Grund und Boden nahe der Grenze zu Luxemburg den Wildschweinen und Rehen nachstellen. Der Gerichtshof hat entschieden, dass in diesem Fall die Europäische Menschenrechtskonvention verletzt wird.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis.

          Nach Ansicht der Jagdverbände erscheint damit ein bislang kaum vorstellbares Szenario realistisch: das Land als jagdlicher Flickenteppich. Bislang ist jeder Eigentümer von weniger als 75 Hektar Wald und Feld außerhalb von Siedlungen zwangsweise Mitglied einer Jagdgenossenschaft. Sie formt aus diesen Flächen je nach Größe ein Jagdrevier oder mehrere Jagdreviere, die sie meistbietend für bis zu zwölf Jahre verpachtet.

          Nicht jeder Grundeigentümer wird obligatorisch zum Jagdgenossen

          Wer ein geschlossenes Grundstück von mehr als 75 Hektar besitzt, kann daraus eine sogenannte Eigenjagd bilden und dort selbst jagen oder die Fläche verpachten. In allen Jagdrevieren werden den Waidmännern von den Jagdbehörden Abschusspläne für bestimmte Tierarten wie Rot- und Rehwild vorgegeben, die zu erfüllen sind. Einmal im Jahr bestimmen die Jagdgenossen, wie sie den Pachterlös verwenden oder ob sie das Geld je nach Flächenanteil den einzelnen Mitgliedern auszahlen.

          Dieses seit dem 19.Jahrhundert bewährte System der Jagdgenossenschaften ist nun ins Wanken geraten. Der Staatssekretär im hessischen Landwirtschaftsministerium, Mark Weinmeister (CDU), hält als Folge des Richterspruchs baldige Änderungen im Jagdgesetz für unausweichlich. Allerdings hält er eine bundeseinheitliche Lösung für angezeigt, weil das Gericht explizit eine Passage im Bundesjagdgesetz beanstandet habe. Nach Angaben von Weinmeister sind die Länder mit dem Bund schon in Gesprächen, um das Rahmengesetz des Bundes so zu ändern, dass künftig nicht jeder Grundeigentümer obligatorisch Jagdgenosse wird, der das Erlegen von Tieren auf seinem Grund dulden muss.

          „Was soll geschehen, wenn verletztes Wild in eine jagdfreie Zone flüchtet?“

          Eine solche Neuregelung sei schnell herbeizuführen, meint Weinmeister. Es gebe allerdings auch noch viele offene Fragen, etwa für die Jagdpraxis bei großen, revierübergreifenden Bewegungsjagden, da die Eigentumsgrenzen im Wald nicht gekennzeichnet seien. „Was soll geschehen, wenn verletztes Wild in eine jagdfreie Zone flüchtet?“ Zudem sei zu klären, wie Schadenersatzfragen zu lösen seien, beispielsweise, wenn auf einem „befriedeten“ Waldstück eines Jagdgegners die Wildschweinkonzentration so zunehme, dass die Tiere auf benachbarten Feldern große Schäden anrichteten.

          Weinmeister beurteilt die Gefahr, dass Hessen schon bald zu einem „Flickenteppich“ mit vielen jagdfreien Zonen wird, zurückhaltend. Es gebe nach dem Urteil allerdings im Ministerium schon mehrere Anfragen von Grundeigentümern in Hessen, die ebenfalls die Jagd auf ihren Flächen nicht mehr zulassen wollten. Dennoch ist Weinmeister angesichts der Flächenstruktur in Hessen optimistisch, große Verwerfungen werde es nicht geben. Schließlich seien 40 Prozent des Waldes im Landesbesitz und 35 Prozent in Kommunaleigentum.

          Die Änderungen werden wohl „nicht spurlos“ an Hessen vorüber gehen 

          Weinmeister rechnet nach seinen Worten nicht damit, dass Städte oder Gemeinden die Jagdausübung einschränken werden, zumal verpachtete Reviere auch Geld einbringen. Private Jagdgenossenschaften würden aber womöglich gezwungen, ihre Jagdreviere anders zuzuschneiden und die Jagdpacht zu senken, wenn dem Jäger weniger Fläche zur Verfügung stehe. Die anstehenden Jagdgesetzänderungen gingen an Hessen jedenfalls „nicht spurlos vorüber“, ist sich Weinmeister sicher.

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