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Islamischer Unterricht : Hessen überprüft Kooperation mit Moscheenverband Ditib

  • Aktualisiert am

Stellt beim islamischen Religionsunterricht die Kooperation mit dem Moscheeverband Ditib auf den Prüfstand: Kultusminister Alexander Lorz Bild: dpa

Zweifel an einer reibungslosen Zusammenarbeit mit dem Moscheeverband gibt es schon länger. Um auch künftig mit ruhigem Gewissen islamischen Religionsunterricht anbieten zu können, setzt Hessens Kultusminister Lorz nun Ditib unter Druck.

          Hessen stellt beim islamischen Religionsunterricht die Kooperation mit dem Moscheeverband Ditib auf den Prüfstand. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) verlangt von den Ditib-Verantwortlichen, die Unabhängigkeit vom türkischen Staat zu beweisen. Es lägen zwar keine Nachweise für eine konkrete Einflussnahme vor, sagte der Minister in Wiesbaden. Gerade vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung und wegen der institutionellen Verbindung mit der türkischen Religionsbehörde Diyanet gebe es aber eine abstrakte Gefährdung.

          Der Landesverband soll nun sicherstellen, dass professionelle Verwaltungsstrukturen gebildet werden und in den Gremien neutral handelnde Personen sitzen. Die Auflagen des Landes sehen ferner den Aufbau eines Mitgliederregisters vor. Ditib hat zwölf Monate Zeit, die Vorgaben des Landes umzusetzen. Sollten diese nicht bis Ende nächsten Jahres erfüllt werden, endet die Zusammenarbeit mit dem Moscheeverband. Einen islamischen Religionsunterricht werde es aber auch dann weiter an Hessens Schulen geben, versicherte Lorz.

          Gutachter: Ditib Hessen weisungsabhängig

          Der Kultusminister stützt sich bei seinem Vorgehen auf die Erkenntnisse von drei Gutachtern. Der Staatsrechtler Josef Isensee erklärte, Ditib Hessen sei von der Organisationsstruktur weisungsabhängig vom Bundesverband und der türkischen Religionsbehörde. Diese Weisungsbefugnisse, die auch Personal- und Sachentscheidungen umfassen, müssten unterbrochen und die finanzielle Eigenständigkeit des Landesverbandes erreicht werden. Es gehe aber nicht darum, die Verbindungen zum türkischen Staat zu kappen.

          Es habe bereits mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes, Salih Özkan, Kontakt gehabt und dieser habe zugesagt, die Auflagen erfüllen zu wollen, sagte der Minister. Um das zu überprüfen, sollen aber ab sofort auch vermehrt unangekündigte Unterrichtsbesuche vorgenommen werden. Sollte es im nächsten Jahr bereits Hinweise auf Einflussnahmen der Moscheegemeinde auf den von staatlichen Lehrkräften erteilten Unterricht oder auf die Pädagogen selbst geben, werde es auch schon vor Ende der Frist Konsequenzen geben.

          Auflagen des Landes

          Der Schulalltag in Hessen soll von den Vorgängen jedoch nicht betroffen sein, kündigte Lorz an. Der islamische Religionsunterricht werde an den bisherigen Schulstandorten in den Jahrgangsstufen eins bis fünf und zum Schuljahr 2018/19 auch in der Jahrgangsstufe sechs fortgesetzt. Die Ausweitung des Unterrichts über die Jahrgangsstufe sechs hinaus und die weitere Fortsetzung des vorhandenen Unterrichtsangebots hängen davon ab, ob die Auflagen des Landes erfüllt werden.

          Seit dem Schuljahr 2013/2014 gibt es islamischen Religionsunterricht in Hessen. Neben dem Unterrichtsangebot von Ditib wird dieser auch in Kooperation mit der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinschaft angeboten. Im laufenden Schuljahr besuchen laut Ministerium insgesamt rund 3300 Schüler an 56 Grundschulen und zwölf weiterführenden Schulen die bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterrichte. Die Kooperation mit Ahmadiyya soll unabhängig von der weiteren Entwicklung mit Ditib weiterlaufen.

          GEW heißt Auflagen für islamischen Reli-Unterricht gut

          Die Lehrergewerkschaft GEW hat die Auflagen des Landes für den Moscheeverband Ditib begrüßt, um weiter islamischen Religionsunterricht an Hessens Schulen geben zu dürfen. Nun liege es an dem Moscheeverband, verloren gegangenes Vertrauen wieder herzustellen, sagte Hessens GEW-Vorsitzende Birgit Koch am Dienstag in Wiesbaden. Sollte das nicht gelingen, könne Ditib nicht länger Kooperationspartner für den islamischen Religionsunterricht sein.

          Die Gutachter hätten zwar festgestellt, dass bislang keine nachweisbare Einflussnahme auf den Unterricht erfolgt sei. „Es gab in den bislang vier Jahren des islamischen Religionsunterrichts in Hessen durchaus problematische Fälle der versuchten Einflussnahme, die einzelne Kolleginnen und Kollegen an uns als Gewerkschaft herangetragen haben“, erklärte Koch. Die Gewerkschaft hoffe, dass die Einschätzung der Gutachter zutreffend sei und tatsächlich kein System dahinter stehe.

          Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat den Ditib-Landesverband aufgefordert, bis Ende nächsten Jahres seine Unabhängigkeit vom türkischen Staat zu beweisen. Dazu muss der Aufbau eines Mitgliederregisters und die Herausbildung hinreichender professioneller Verwaltungsstrukturen vorgewiesen werden. Falls das nicht gelingen sollte, endet die Kooperation. In Hessen gibt es seit dem Schuljahr 2013/2014 islamischen Religionsunterricht. (lhe)

          Quelle: dpa

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