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Arabisches Wissen in Frankfurt : Islam-Institut soll erhalten bleiben

Hüter des arabischen Wissens: Der inzwischen verstorbene Institutsgründer Fuat Sezgin Bild: Wolfgang Eilmes

Auch nach dem Tod seines Gründungsdirektors Fuat Sezgin bleibt das Islam-Institut erhalten. Genug Stiftungskapital für den Weiterbetrieb sei vorhanden und auch die Eingliederung in die Goethe-Universität wäre eine Option.

          Das in Frankfurt ansässige Institut für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften soll nach dem Tod seines Gründungsdirektors Fuat Sezgin weitergeführt werden. „Eine Auflösung steht nicht zur Debatte“, teilte der kommissarische Vorstand, Klaus Zimmermann, dieser Zeitung mit. Der Rechtsanwalt Zimmermann ist vom Amtsgericht Frankfurt zum sogenannten Notvorstand der Stiftung bestellt worden, die das Institut finanziert.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sezgin, ein renommierter Experte für islamische Wissenschaftsgeschichte, war im Juni im Alter von 93 Jahren gestorben. Im Frankfurter Institutsgebäude befindet sich eine rund 800 Exponate umfassende Sammlung von Büchern, Karten, technischen Geräten und Musikinstrumenten, die von den Errungenschaften der arabischen Wissenschaft und Kultur zeugen. Im vergangenen Jahr hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt Ermittlungen gegen Sezgin wegen des Verdachts der Unterschlagung und des Verstoßes gegen das Kulturschutzgesetz eingeleitet: Die Anklagebehörde warf dem Gelehrten vor, er habe heimlich eine große Zahl von Büchern aus dem Institutsbestand in die Türkei schaffen wollen. Sezgin sagte aus, dass es sich um sein Privateigentum handele; das Verfahren wurde schließlich eingestellt.

          Notvorstand Zimmermann rechnet nach eigenen Worten damit, dass das Institut „spätestens bis zum Jahresende“ einen neuen geschäftsführenden Direktor bekommen wird. Um die Pflege der Sammlungen und der Bibliothek sowie um Publikationen und Übersetzungen kümmerten sich bis dahin die verbliebenen Mitarbeiter. Das Institut erhalte „vielerlei Zuspruch und hervorragende Unterstützung“ auch von ehemaligen Mitarbeitern sowie von Freunden aus dem Kreis der Wissenschaft. Eine Auflösung sei daher nicht geplant und im Übrigen rechtlich nicht ohne weiteres möglich. Ein solcher Schritt käme etwa dann in Betracht, wenn die Erfüllung des Stiftungszwecks unmöglich geworden wäre. Davon könne aber keine Rede sein, zumal die Stiftung finanziell abgesichert sei.

          Geld aus mehreren arabischen Staaten

          Wie der Jurist weiter ausführte, handelt es sich um eine Stiftung bürgerlichen Rechts, die von mehreren arabischen Staaten mit Kapital ausgestattet worden sei. Zu diesen Ländern gehörten unter anderen Algerien, Jordanien und Saudi-Arabien. Der Staat Kuweit habe den Kauf des Gebäudes Westendstraße 89 ermöglicht, in dem das Institut ansässig ist. Alle beteiligten Länder hätten einen Sitz im Stiftungsrat, der über den neuen Direktor entscheide. Zur Höhe des Stiftungskapitals teilte Zimmermann nur mit, es habe „einen Umfang, der den Bestand der Stiftung und deren Zweckverfolgung auf Dauer sichert“.

          Offen ist, wie eng das Institut künftig mit der Frankfurter Universität verbunden sein wird. Es ist kein Teil der Hochschule, firmiert aber als ein „An-Institut“ und hat eine Internetseite mit dem Logo der Universität. Zimmermann schreibt, es sei von Beginn an der Goethe-Universität „angegliedert“ gewesen; eröffnet worden war es 1982.

          „Interesse an einer fruchtbaren Zusammenarbeit“

          Die Kommunale Ausländervertretung der Stadt Frankfurt hat kürzlich gegenüber dem Stadtparlament angeregt, das Institut in die Universität einzugliedern. Es könne mit dem dortigen Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam verbunden werden. Um dieses Vorhaben zu fördern, solle der Magistrat mit dem Uni-Präsidium, den Leitungen der beiden Institute und dem hessischen Wissenschaftsministerium Gespräche führen. Sezgins Erbe müsse als Wissenschafts- und Kulturgut der Stadt Frankfurt erhalten bleiben, fordert das Gremium.

          Universitäts-Vizepräsident Manfred Schubert-Zsilavecz äußerte sich auf Anfrage zurückhaltend zu dem Vorschlag. Eine Eingliederung des Instituts in die Universität sei nicht ohne weiteres möglich, da die Stiftung, die es trage, „völlig unabhängig“ von der Hochschule sei. Die Universität habe aber ein „grundsätzliches Interesse an einer fruchtbaren Zusammenarbeit“. In den vergangenen Jahren war die Kooperation nach seinem Eindruck nicht sehr eng. Schubert-Zsilavecz ist in der Hochschulleitung zuständig für die Beziehungen der Universität zur Bürgergesellschaft. Nach seinen Angaben hat die Goethe-Universität einen Sitz im Stiftungsrat des Instituts.

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