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Irmer und sein „Wetzlar Kurier“ Auf höchstem Qualifikationsniveau

Der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer zeigt in seinem „Wetzlar Kurier“ Flagge und sich selbst. Das an Anzeigen nicht arme Blatt leidet unter einer gewissen Strukturschwäche.

© dpa Vergrößern CDU-Landtagsabgeordneter und Chef eines Wetzlarer Anzeigenblatts: Hans-Jürgen Irmer

Das neue Jahr hat begonnen, und pünktlich kommt, wie jeden Monat, der „Wetzlar Kurier“ auf den Tisch. Dieses Anzeigenblatt gibt es schon im 32. Jahrgang, Unter anderem deshalb, weil die „Wetzlarer Neue Zeitung“ nie genug über die CDU geschrieben hat. Glaubt man dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vom 1. Januar 2001, kam es sogar zu einer unerhörten Begebenheit. Hans-Jürgen Irmer, damals schon wie heute Landtagsabgeordneter und Kreisvorsitzender der CDU Lahn-Dill, hatte gemeinsam mit Anke Koch, der Frau des damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch, einen fünfzehn Meter langen Christstollen für einen guten Zweck zerlegt und verkauft. Dieses Ereignis von Weltwichtigkeit war der „Wetzlarer Neuen Zeitung“ aber keine Zeile wert, von einem Foto ganz zu schweigen.

Peter Lückemeier Folgen:  

So etwas kann heute nicht mehr vorkommen. Informiert Wirtschaftsstaatssekretär Steffen Saebisch (FDP) in der Stadthalle Aßlar über das Hessische Gaststättengesetz, so wird das in Irmers „Kurier“ angekündigt. Und hält Innenminister Boris Rhein (CDU) beim „Zielgruppengespräch Feuerwehren“ einen Vortrag, dann wird das mit der schönen Überschrift „Motivierte und unersetzliche Ehrenamtlichkeit auf höchstem Qualifikationsniveau“ gewürdigt. Auf Seite 1.

Reisen planen, Stollen anschneiden

Das an Anzeigen nicht arme Blatt leidet unter einer gewissen Strukturschwäche. Da es vor allem über Veranstaltungen der CDU und ihrer Seitenorganisationen berichtet, werden meist etwas steif dastehende Gruppen abgebildet: der neue Vorstand der Jungen Union Nauborn, Mitglieder der CDU-Kreistagsfraktion bei der Firma Ruhl oder die Vorbereitungsgruppe der 5. „Wetzlar Kurier“-Leserreise im Juli nach Schladming. So steht man auf den Fotos also stets in Reih und Glied, nur bei der Jungen Union Ringsdorf schlagen zwei Ehrenmitglieder über die Stränge und präsentieren sich liegend, haha, das ist lustig.

Ja, genau, auch bei dieser Reiseplanung war der Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende Hans-Jürgen Irmer dabei. Was auch im Bilde festgehalten wird. So wie noch weitere elfmal auf zwölf Seiten. Denn manches mag man Irmer vorwerfen, etwa Ausfälle gegenüber Homosexuellen, aber keineswegs gibt es an seinem Fleiß und seiner Präsenz etwas auszusetzen. Dies wird auf den Fotos auch unbezweifelbar festgehalten: Der Abgeordnete plant nicht nur Reisen und schneidet Stollen an, er war auch zu Gast bei dem beeindruckenden Benefizkonzert in der Stadthalle Wetzlar, an dessen Ende, als die Weihnachtslieder erklangen, „der ganze Saal tonmächtig einstimmte“. Auch die Herausgabe eines solchen Monatstitels fällt ja nicht vom Himmel. Irmer greift höchstpersönlich in die Tastatur, wenn das Blatt entsteht, denn das Impressum stellt klar: Verantwortlich für den Inhalt aller Textbeiträge ohne Kürzel ist Hans-Jürgen Irmer.

Beschwerde zurückgewiesen

Verantworten muss Irmer auch seine etwas kernigeren Aussagen. Eine Beschwerde des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Lahn-Dill beim Deutschen Presserat über die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat der Presserat zurückgewiesen. Die Behauptung dieser Zeitung, der Abgeordnete aus Wetzlar habe „mit Ausfällen gegen Homosexuelle für Schlagzeilen gesorgt“, war nicht zu beanstanden: „Es ist nicht zu beanstanden, dass die Frankfurter Allgemeine Zeitung davon spricht, dass Irmer ,Ausfälle gegen Homosexuelle’ gehabt habe.“

Mehr zum Thema

Pech. Im vergangenen Jahr hatte er - ebenfalls in seinem Blatt - geäußert, zum Islam gehöre die bewusste Täuschung. Nach heftiger Kritik war er als bildungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion zurückgetreten. Aber er hat ja auch sonst noch genug zu tun. Im „Wetzlar Kurier“.

Quelle: F.A.Z.

 
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