Home
http://www.faz.net/-gzg-746gv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 06.11.2012, 21:18 Uhr

Internet Offline nach Eichhörnchen-Biss

Ein Autor denkt beim Verein Digital Hub über das Internet nach. Und stellt sein neues Buch vor, das einem kuriosen Vorfall geschuldet ist.

© Rüchel, Dieter Die virtuelle Welt fasziniert viele: der Internetknoten Interxion.

Das Internet gilt vielen als virtuelle Welt. Durchaus zu Unrecht. Denn wie real das Internet ist, lässt bisweilen ein Tier den Nutzer spüren. So wie im Fall Andrew Blums: Eines Tages saß der Autor daheim in Brooklyn vergeblich vor dem Rechner. „Sie haben keinen Zugang zum Internet“, habe er auf dem Bildschirm lesen müssen. „Es musste ein Monteur kommen, und der sagte mir, es gebe ein Problem.“ Ein Eichhörnchen habe am Kabel geknabbert und den Netzzugang gekappt, erzählt der Mann aus New York in einem Restaurant in Frankfurt als Gast des Frankfurter Vereins Digital Hub. Den Biss des Nagers nahm Blum zum Anlass, um im Wortsinne dem Kabel zu folgen und dem Internet auf den Grund zu gehen. Die Recherchen führten ihn auch nach Frankfurt, zum Sitz des größten Internetknotens der Welt.

Thorsten Winter Folgen:

„Ich habe rasch gelernt, dass Frankfurt ganz oben auf der Liste der Internetwelt steht“, berichtet Blum. Der Digital Hub geht einen Schritt weiter. Der von der De-Cix Management GmbH betriebene Internetknoten stelle einen Teil des „Rückgrats der modernen Wirtschaft“ dar, was vielfach unterschätzt werde, wie der Verein meint, hinter dem außer De-Cix unter anderem auch die Frankfurter Rechenzentrumsbetreiber Ancotel und Interxion sowie die Commerzbank stehen. Schließlich sind längst nicht nur Internetfirmen vom Netzzugang abhängig, dies gilt auch für Banken und andere Finanzdienstleister, für Industriebetriebe und Freiberufler oder auch Einzelhändler. Dabei ist die Zahl der Firmen, die sich um das Zusammenschalten von Netzwerken kümmern, vergleichsweise klein. Blum spricht von einigen hundert in Nordamerika und wenigen tausend auf der Welt. Entsprechend klein seien auch die Zahlen derjenigen Mitarbeiter, die ihren Arbeitgeber online an andere Unternehmen koppelten. Im Falle Microsoft seien es ganze zwei der rund 90.000 Mitarbeiter, sagt Blum.

„Maschinen sind langweilig, Menschen spannend“

Für seine Recherchen, die in dem von der „New York Times“ als phantastisch gepriesenen Buch „Kabelsalat“ mündeten, hat sich der Autor durch Rechenzentren an mehreren Orten in aller Welt führen lassen. Nach dem Motto: „Maschinen sind langweilig, Menschen spannend.“ Er lernte, dass ein wesentlicher Netzknoten in New York in einem alten Gebäude von Western Union, einem einst in der Telekommunikation aktiven Unternehmen, liegt und außerdem unweit einer Immobilie des Telefonriesen AT&T.

Zudem ergab seine Reise zu großen Internetknoten: „Netzwerke folgen Netzwerken.“ Gelinge es einem Rechenzentrum, einige Netzwerke von Unternehmen miteinander zu verbinden, stellten sich weitere Kunden ein. Eine Erfahrung, die etwa für Ancotel und Interxion, aber auch für andere Branchenvertreter in Frankfurt wie Databurg und Equinix gilt. Grundlegend dafür sind die Glasfaser-Kabelstränge im städtischen Boden.

Mehr zum Thema

Doch ist diese Bedeutung Frankfurts in der Internetwelt nicht in Stein gemeißelt, wie Frank Orlowski und Peter Knapp, Vorstände von Digital Hub, mahnen. Kunden von Rechenzentren schauten etwa genau auf die - bald wieder deutlich steigenden - Stromkosten. Und gingen im Zweifelsfall woandershin.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Brooklyn Zeugen Jehovas verkaufen ihr Hauptquartier

Das Haus an der Brooklyn Bridge ist auf dem Markt. Der Verkauf dieser und zweier weiterer Immobilien könnte den Zeugen Jehovas einen Geldsegen bescheren. Mehr

03.02.2016, 15:01 Uhr | Wirtschaft
Virtuelles Sightseeing In den Gemächern der Queen stöbern

Anhänger der Queen können ihre wichtigste Residenz ab sofort im Internet besuchen. Der Londoner Buckingham-Palast hat Google seine Türen geöffnet und ermöglicht so eine virtuelle Sightseeing-Tour durch das Anwesen. Mehr

22.01.2016, 14:01 Uhr | Stil
Psychologie des Internets Warum sich Menschen online danebenbenehmen

Wer im Netz unterwegs ist, vergisst sich selbst: Catarina Katzer kennt die Mechanismen, die dahinterstecken. Und erklärt, warum wir ab und zu ein bisschen Abstand vom virtuellen Raum brauchen. Mehr Von Andrea Diener

04.02.2016, 08:01 Uhr | Feuilleton
Kinotrailer Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten

Brooklyn - Eine Liebe zwischen zwei Welten, 2015. Regie: John Crowley. Darsteller: Saoirse Ronan, Emory Cohen, Domhnall Gleeson. Verleih: Fox Deutschland. Kinostart: 21. Januar 2016 Mehr

21.01.2016, 13:11 Uhr | Feuilleton
Lügen im Internet Trennt Propaganda von Wahrheit!

Das Internet ist hässlich geworden, feindselig, erregt. Jetzt kommt ihm auch noch die Wahrheit abhanden. Wie aus einem Medium der Aufklärung ein Instrument der Irritation wurde – und was Facebook und Google jetzt tun müssten. Mehr Von Mathias Müller von Blumencron

05.02.2016, 12:15 Uhr | Politik

Pflicht zur Information

Von Ralf Euler

Vertuscht Hessens Polizei gezielt Straftaten von Flüchtlingen? Eine Reihe von Fällen erweckt diesen Eindruck. Den Finger in die Wunde zu legen, ist hilfreich. Mehr 51

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen