http://www.faz.net/-gzg-90upv

Integrations-Statistik : Den Erfolg erzwingen

Chance auf Bildung: Nach dem Besuch eines Kindergartens fällt Migrantenkindern der Einstieg in die Grundschule oft leichter. Bild: dpa

Durch den Zuzug von Flüchtlingen sind Erfolgsquoten zur Integration gesunken - das zeigt eine Statistik aus Wiesbaden. Die Gesellschaft sollte die Zahlen als Herausforderung annehmen.

          Eine neue Statistik der Stadt Wiesbaden bestätigt, was zu erwarten war. Der enorme Zuzug von Flüchtlingen senkt die Erfolgsquoten, die die Integration in Kindergärten und Schulen anzeigen. So ist der Anteil der ausländischen Mädchen und Jungen, die jahrelang einen Kindergarten besucht haben, von 94 Prozent im Jahr 2011 auf 90 Prozent gesunken.

          Was das bedeuten kann, veranschaulicht die Schuleingangsuntersuchung der Stadt Offenbach. Danach gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem Besuch einer Kindertagesstätte und den Leistungen, mit denen die Kinder in der Grundschule aufwarten. Als Folge der enormen Zuwanderung hat sich in Wiesbaden außerdem herausgestellt, dass der Anteil der Schulanfänger, die gut Deutsch sprechen, wieder sinkt.

          Aussicht auf Erfolg

          Diese Entwicklung gibt zwar abermals denjenigen recht, die davor gewarnt haben, die Grenzen allzu weit zu öffnen. Aber sie ändert nichts an der gesellschaftlichen Verpflichtung, die dadurch entstandenen Herausforderungen anzunehmen. Außer den deutschen Jungen und Mädchen, deren Eltern mit Macht die Interessen ihres Nachwuchses durchsetzen, müssen so viele Migrantenkinder wie irgend möglich in die Strukturen des deutschen Schul- und Bildungssystems hineinwachsen.

          Dass dies nicht nur eine Frage des Angebots, sondern auch der Nachfrage von Seiten der Zuwanderer ist, macht die Sache nicht einfacher. Hinzu kommt, dass viele Flüchtlingskinder eine intensive Betreuung benötigen. Das traurige Beispiel des Somaliers, der in dieser Woche vom Landgericht Wiesbaden nach einer Brandstiftung wegen Mordversuchs verurteilt wurde, spricht Bände. Als Kind hatte er die Ermordung seines Vaters mit angesehen und war allein nach Europa geflohen. Dass ein solches Unternehmen schwere Traumata hinterlässt, kann man sich vorstellen.

          Das Schicksal des jungen Mannes zeigt eindringlich, wie sehr Herkunft und Ausbildung über die individuellen Lebenschancen entscheiden. Der Somalier wurde zum schweren Straftäter. Aber umgekehrt ist natürlich auch erwiesen, dass eine gute Ausbildung mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erfolgreiche berufliche Laufbahn nach sich zieht. In Offenbach hat sich auch gezeigt, dass Migrantenkinder, die ein paar Jahre lang in den Kindergarten gegangen sind, sich in der Grundschule positiv hervorgetan haben. Erfolg ist machbar – auch im Falle von Migrantenkindern.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Folgen:

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Siemens-Mitarbeiter wollen kämpfen Video-Seite öffnen

          Stellenabbau bei Großkonzern : Siemens-Mitarbeiter wollen kämpfen

          Siemens will weltweit fast 7000 Stellen streichen - davon die Hälfte in Deutschland. In den betroffenen Werken geht nun die Angst um. In Offenbach hatte Siemens angekündigt, den Standort aufzugeben. Dabei könnte es zum ersten Mal seit zehn Jahren zu Entlassungen bei Siemens auf dem Heimatmarkt kommen.

          10 Milliarden Euro für Elektro-Antrieb Video-Seite öffnen

          VW in China : 10 Milliarden Euro für Elektro-Antrieb

          Der Wolfsburger Autobauer steckt in China zehn Milliarden Euro in die Entwicklung sogenannter „New Energy Vehicles“. Die von China verlangte Quote für Elektroautos sieht vor, dass ab 2019 zehn Prozent des Jahresabsatzes der Hersteller aus E- und Hybrid-Fahrzeugen bestehen.

          Topmeldungen

          Nach Jamaika-Aus : Abgewählt an der Macht

          Die Bundesregierung „führt die Geschäfte“ – und zwar deutlich länger als gedacht. Wo setzt sie jetzt Schwerpunkte? Welche Grenzen zieht das Grundgesetz?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.