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„Institut für vergleichende Irrelevanz“ Kalter Krieg am Kettenhofweg

 ·  Im Streit um das „Institut für vergleichende Irrelevanz“ in Frankfurt ist keine schnelle Lösung in Sicht. Der AStA-Vorstand ist vorsichtig geworden mit dem, was er sagt zum „Ivi“.

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Wenn die Studenten vom „Institut für vergleichende Irrelevanz“ (Ivi) irgendwann ein neues Haus brauchen, müssen sie nur ins Internet gucken. Dort ist die Stadt gepflastert mit roten Schildern, auf denen Großbuchstaben das Wort „leer“ schreien. Für Frankfurt sind 406 Gebäude auf der digitalen Karte der Internetplattform leerstandsmelder.de markiert, was bedeutet, dass sie entweder ganz oder teilweise ungenutzt sind.

Auch wenn dort jeder etwas eintragen kann und sich niemand darum schert, wem die angekreuzten Häuser gehören: Platz, so sieht es aus, ist genug da. Wenn also irgendwann die Räumungsklage, die der Besitzer des Hauses Kettenhofweg 130 gegen das Ivi eingereicht hat, durch ist, dann könnten die Studenten ihre Sachen einfach ein paar Meter weiter tragen, die Senckenberganlage entlang. In Richtung Innenstadt bietet ein mitgenommen aussehendes Schild Büroräume an, in Richtung Bockenheim ist eine Gründerzeitvilla nicht vollständig vermietet. Zum Beispiel.

„Hausbesetzung ein legitimes Mittel“

Über den Tag, an dem die Räumung ansteht, haben sie im Ivi schon nachgedacht. Nicht unbedingt darüber, wie der Häuserkampf aussehen könnte oder ob sie den überhaupt wollen. Aber über eine „Neubesetzung“, den rechtlich sehr problematischen Umzug in ein anderes leerstehendes Gebäude also. „Wir halten Hausbesetzung schon für ein legitimes Mittel“, sagt Sarah Schneider vom Ivi. Besetzung gehe vor Verfall, vor allem in Frankfurt, mit den leerstehenden Büros überall, in denen man genauso gut wohnen könne.

Christian Wolf, dem das Gebäude am Kettenhofweg gehört, hat Hausbesetzungen an sich einiges zu verdanken. Ihm gehören eine Handvoll schöner Häuser an der Eppsteiner Straße im Westend, die ohne die Ausdauer der Frankfurter Spontis in den siebziger Jahren wohl abgerissen worden wären. Wolf sieht das selbst so, er sagt aber auch, dass die Sache mit dem Ivi-Haus anders liege: Das denkmalgeschützte Gebäude werde nicht abgerissen, und es werde auch nicht leer stehen. Die Besetzer von heute verhinderten also gerade die sinnvolle Nutzung, die sie forderten.

Wer vom Ivi redet, muss von zwei verschiedenen Dingen reden: einmal von der, wenn man so will, Institution Ivi. Das ist ein von linken Studenten selbstverwaltetes Wissenschafts- und Kulturprojekt, eine Einrichtung mit kritischer Nähe zur Universität, die Bildung organisiert und Partys. Vor allem Partys, sagen Kritiker. Auch das Soziale sei politisch, sagen die Macher, aber diese Meinungsverschiedenheit ist nicht das eigentliche Problem. Denn es muss auch von dem Gebäude gesprochen werden, in dem das Ivi seinen Sitz hat. Von dem Haus Kettenhofweg 130, das einmal der Goethe-Universität gehörte und das seit Anfang des Jahres die Franconofurt AG besitzt, eine Firma, die Häuser in Frankfurt kauft und entwickelt. Sie will ihr Eigentum nutzen, die Ivi-Leute wollen nicht hergeben, was ihnen nicht gehört, womit sie aber seit neun Jahren so umgehen, als tue es das.

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