13.02.2012 · Die ING Diba hat 2011 kräftig zugelegt. Sogar Firmenkundengeschäft betreibt die Frankfurter Bank nun, die einst vor allem mit günstigen Tagesgeldzinsen den Sparkassen Kunden abschwatzte. 2013 zieht sie um.
Von Tim KanningSo kann es gehen im Internet. Da schickt man Basketballstar Dirk Nowitzki im neuen Werbespot in eine fränkische Metzgerei, wo er eine Scheibe Gelbwurst gratis bekommt, damit er groß und stark werde, und schon brandet in den virtuellen Sozialnetzen der Protest der Vegetarier auf, gefolgt vom Gegenprotest der Fleischliebhaber. „Emotionen sind im Social Media reichlich vertreten“, sagte Roland Boekhout, Vorstandsvorsitzender der ING Diba, während der Bilanzpressekonferenz. Und es sei der geschickten Moderation der eigens für die Internetforen beschäftigten ING-Diba-Mitarbeiter zu verdanken, dass sich die Stimmung nicht gegen die Direktbank gewendet habe, die wie wenige andere Geldhäuser auf ihren guten Ruf im Internet angewiesen ist.
In den Geschäftszahlen 2011 zumindest ist von einem Imageverlust nichts zu spüren. Im Gegenteil: 300.000 neue Kunden konnte die Bank nach eigenen Angaben allein im vergangenen Jahr gewinnen. Mit 85,9 Milliarden Euro Einlagen sieht sie sich inzwischen als zweitgrößte deutsche Sparbank nach den inzwischen zusammengehörenden Konkurrenten Postbank und Deutsche Bank. Die Bilanzsumme des Hauses an der Frankfurter Theodor-Heuss-Allee knackte mit 109 Milliarden Euro erstmals die 100-Milliarden-Marke.
„Wir sind jetzt eine erwachsene Bank“, sagte Boekhout und meinte damit nicht nur die Größe an sich. Bislang hat sich die ING Diba ganz auf Privatkunden konzentriert, auch 2011 gab sie den Großteil der Kundeneinlagen in Form von Bau- und Konsumentenkrediten aus. Doch mit der Übernahme des deutschen Firmenkundengeschäfts des holländischen Mutterkonzerns ING im September sieht man sich an der Theodor-Heuss-Allee inzwischen auch als Universalbank. Vor allem die großen deutschen Aktiengesellschaften aus dem Dax und dem MDax, aber auch Unternehmen, die viel Geschäft in den Niederlanden und Belgien machen, sind die Zielgruppe.
Schwerpunkt solle aber weiter das Privatkundengeschäft bleiben, sagte Boekhout. Unternehmen Kredite und andere Finanzierungen anzubieten, solle vor allem eine weitere Möglichkeit bieten, Kundengelder anzulegen. „Die Anlagemöglichkeiten am Kapitalmarkt sind sehr begrenzt“, sagte Boekhout.
100 neue Mitarbeiter hat die Direktbank durch den Zuwachs des sogenannten Commercial Bankings. Weitere 200 Mitarbeiter hat man im Privatkundengeschäft eingestellt, so dass inzwischen rund 3000 Frauen und Männer in Deutschland in Diensten der Bank stehen, gut die Hälfte davon in Frankfurt. 2013 sollen sie alle, die bislang noch auf mehrere Standorte in der Stadt verteilt sind, unter einem Dach vereint werden. Wo derzeit zwischen Messe-Congress-Centrum und Marriott-Hotel ein Betonskelett in den Himmel ragt, soll bis dahin das ehemalige Poseidonhaus die neue Zentrale bilden. Leo soll es dann heißen - eine Anspielung auf den Löwen im Logo der Bank und das Ergebnis einer Mitarbeiterbefragung.
Den Umzug näher zum Zentrum der Stadt hin bezeichnete Boekhout gestern noch einmal ein klares Bekenntnis zum Standort Frankfurt, wo man inzwischen auch einer der größten Steuerzahler sei. 201 Millionen Euro flossen von dem Rekordergebnis 2011 in Höhe von 660 Millionen Euro an den Fiskus. Die deutliche Ergebnissteigerung um 34 Prozent ging vor allem auf gestiegene Zinserträge und eine stark verringerte Risikovorsorge zurück.
Für das angelaufene Geschäftsjahr erwartet Boekhout „einigen Druck“ für das Geschäftsmodell der Bank. Denn der Wettbewerb um das Geld der Privatkunden werde stärker. Viele ausländische Banken drängten mit hohen Zinssätzen auf den Markt, weil das für sie immer noch günstiger sei, als sich Geld am Kapitalmarkt besorgen. Privatkunden können sich darüber freuen. Aber für die Banken sei dann kaum noch etwas zu verdienen, sagte Boekhout. Neue Produkte wolle man trotzdem nicht einführen, die Devise laute weiter „einfach, schnell, günstig“. „Wir glauben, dass wir mit unseren zehn Produkten alle Bedürfnisse von Haushalten abdecken können“, sagte Boekhout.