08.02.2006 · Mit weit auseinander liegenden Positionen sind die ersten Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie gestartet. Arbeitgeber und Gewerkschaften haben die Gespräche aber umgehend vertagt. Sie wollen sich am 10. März wieder treffen.
Mit weit auseinander liegenden Positionen sind am Mittwoch die bundesweit ersten Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie gestartet. Bei den Gesprächen für die rund 410.000 Beschäftigten in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland wurde in Darmstadt zunächst keinerlei Annäherung erzielt, wie die IG Metall und die Arbeitgeber übereinstimmend erklärten. Am 10. März soll die zweite Runde für diese Länder beginnen, parallel werden in den kommenden Tagen auch in den anderen Bezirken die Verhandlungen aufgenommen.
Die IG Metall fordert für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwölf Monate. Die Arbeitgeber setzen dagegen auf einen „kostenneutralen Lohnabschluß“. „Die Forderung der IG Metall schädigt die Wirtschaft in Deutschland“, sagte Arbeitgeber-Verhandlungsführer Heinrich A. Fischer nach den zweistündigen Gesprächen. „Wir arbeiten in dieser Tarifrunde daran, Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern.“ Daher dürfe der Abschluß nicht über das hinausgehen, was hier erwirtschaftet werde. Wegen der großen Differenzen werde es auch bei der zweiten Runde in Darmstadt noch kein konkretes Arbeitgeberangebot geben.
„Fünf Prozent mehr für Kaufkraft und Gerechtigkeit“
Die IG Metall warf den Unternehmen dagegen vor, trotz sinkender Realeinkommen weiter Arbeitsplätze abzubauen. Damit die Konjunktur in Schwung komme, müßten die Menschen wieder mehr Geld in der Tasche haben. „Wir brauchen fünf Prozent mehr für Kaufkraft und Gerechtigkeit“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungschef Armin Schild. Vor dem Verhandlungsort hatten etwa 100 Metaller mit Trillerpfeifen und Spruchbänder demonstriert, um der Forderung Nachdruck zu verleihen.
Neben spürbaren Einkommenserhöhungen will die IG Metall einen Tarifvertrag zur Förderung von Qualifizierung und Innovation in den Unternehmen durchsetzen. Dies lehnen die Arbeitgeber ab, weil sie dies als unzulässige Ausweitung der Mitbestimmung betrachten.
IG Metall plant vom 28. März an „Aktionen“
Die Friedenspflicht läuft am 28. März aus. Danach kann die IG Metall zu Warnstreiks aufrufen. Verhandlungsführer Schild erklärte, die IG Metall plane unmittelbar nach dem Ende der Friedenspflicht Aktionen. In welchem Bezirk es zu einem Pilotabschluß kommt, der dann von den anderen Bezirken übernommen würde, ist noch unklar. In Darmstadt machten beide Seiten klar, daß ein Pilotabschluß überall möglich sei. Bisher war der wegweisender Vertrag traditionell in Baden- Württemberg erzielt worden.
In der Tarifrunde 2004 für die Metall- und Elektroindustrie hatten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber auf stufenweise Entgelterhöhungen im Volumen von 2,2 und 2,7 Prozent für 26 Monate geeinigt. Die IG Metall war mit einer Forderung von 4,0 Prozent in die Verhandlungen gegangen. Zudem vereinbarten Gewerkschaft und Arbeitgeber erstmals eine Öffnung des Flächentarifs. Das Pforzheimer Abkommen sieht vor, daß Betriebe zur Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen die Arbeitszeit auch ohne Bezahlung erhöhen oder Sonderzahlungen kürzen können.