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Ehrenamtliche Initiative : Drei Gänge zum Kennenlernen

  • -Aktualisiert am

So schmeckt Heimat: Flüchtlinge kochen ein Drei-Gänge-Menü für Frankfurter. Bild: Patricia Kühfuss

Die ehrenamtliche Initiative „Über den Tellerrand“ bringt Frankfurter und Flüchtlinge beim Essen zusammen. Bei einem 3-Gänge-Menü entspinnen sich viele Gespräche - auf Deutsch, Englisch oder ganz einfach mit Händen und Füßen.

          Rote Bete, Sesam-Paste, Petersilie, Walnüsse. 24 Teller hat Rita in dieser Reihenfolge schon vorbereitet, noch einmal doppelt so viele hat sie vor sich. Die 35 Jahre alte Frau verteilt die Sauce aus Sesam-Mus, Zitronensaft und Knoblauch schwungvoll über den Rote-Bete-Scheiben, und streut die glatte Petersilie und die gehackten Walnüsse darüber. Rita macht syrischen Rote-Bete-Salat, ein Gericht aus ihrer Heimat, aus der sie vor zwei Jahren nach Frankfurt gekommen ist. „Salatet Shawandar B’Thine“ heißt die Vorspeise auf der Karte. Eingeladen hat zum syrischen und palästinensischen Drei-Gänge-Menü im „Club Michel“ im Bahnhofsviertel die Initiative „Über den Tellerrand“.

          Auch ausgefallene Zutaten sind in Frankfurt leicht zu finden

          Rote-Bete-Salat gibt es in der deutschen und der syrischen Küche, deshalb hat Rita ihn ausgesucht, als „Verbindungspunkt“. Es kochen ausschließlich Flüchtlinge an diesem Abend. Fadi aus Palästina ist für den Hauptgang zuständig, „Chicken Musakhan“. Karamellisierte Zwiebeln, in Olivenöl angebraten mit Sumak, einem säuerlichen roten Pulver, werden auf einen dünnen, runden Brotfladen gelegt. Darauf kommt ein Stück Huhn, dann wird das Brot zu einer Tasche gefaltet.

          Zum Nachtisch macht der 25 Jahre alte Mokhtar aus Syrien Orangensalat mit Minze und Kunafa. Die süße Speise aus Käse, überbacken mit den haarfeinen Fäden des Kataifi-Teigs, Sirup und Pistazien kommt aus Palästina, wird aber auch in Syrien gegessen, vor allem zu besonderen Anlässen. In Frankfurt sei es nicht schwierig, auch für die syrischen und palästinensischen Gerichte die richtigen Zutaten zu bekommen, sagen die Köche. Die ausgefalleneren Sachen gebe es in den türkischen Supermärkten. Fast alle kochen hier öfter als in der Heimat - da habe das noch die Mutter gemacht.

          „Über das Kochen möchten wir Geflüchtete und Beheimatete zusammenbringen“, sagt Christina Burmeister über die ehrenamtliche Initiative „Über den Tellerrand“. Die Gruppe kommt ursprünglich aus Berlin, dort wurde sie 2013 gegründet. Die 20 Ehrenamtlichen in Frankfurt sind ein Ableger. Sie haben schon drei Grillabende organisiert, am 30. November ist das nächste Treffen im „Schirn-Café“.

          Die Frankfurterin Viola Mannel trifft an diesem Abend zum ersten Mal Flüchtlinge. Eine Freundin hat sie auf „Über den Tellerrand“ aufmerksam gemacht, die Idee findet sie toll. Ein Essen sei die perfekte Gelegenheit, um sich kennenzulernen. „Hier herrscht eine wahnsinnig herzliche Offenheit“, sagt Mannel. Die sei bei anderen Anlässen selten, auch von sich selbst sei sie das nicht gewöhnt. Knapp 80 Leute sitzen Schulter an Schulter an vier Holztischen im „Club Michel“ an der Münchener Straße, der „Über den Tellerrand“ die Räume zur Verfügung stellt. Die langen Tafeln sind mit Blumen dekoriert, auf den Servietten steht „Oh, wie schön, dass ihr alle hier seid!“

          In den Ecken, in denen wenige Frankfurter neben den Flüchtlingen sitzen, entspinnen sich die Gespräche zögerlich. Nisal aus Palästina ist unglücklich über ihren Platz. „Ich dachte, ich könnte mit Deutschen ins Gespräch kommen, um zu üben“, sagt sie auf Englisch. In anderen Ecken wiederum vergessen die Leute fast zu essen, so vertieft sind sie ins Gespräch, meist auf Deutsch und Englisch, mit vielen Gesten und lautem Lachen.

          Quelle: F.A.Z.

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