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Architektur-Preis : Bürohäuser fallen als Impulsgeber aus

Fassade aus Glas: Die Europäische Schule in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Sieben der 100 besten deutschen Bauten des vergangenen Jahres stehen in Frankfurt. Das ist keine schlechte Quote. Anders als zuvor hat das nicht eine Jury allein entschieden.

          „Finden Sie Minden“ ist der Titel eines beliebten Brettspiels. Die Mitspieler müssen geographisches Wissen unter Beweis stellen und auf einer Deutschlandkarte möglichst exakt die Stelle markieren, an der sie mehr oder weniger unbekannte Orte vermuten. Minden zum Beispiel. Das ist gar nicht so einfach. Auch das Architekturmuseum hat auf einer Übersichtskarte im Ausstellungskatalog danebengegriffen.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn nicht in der Mittelstadt Minden in Westfalen steht die alte Scheune, die behutsam zu einem erstaunlichen Wohnatelier umgebaut wurde. Sondern in dem winzigen Örtchen Minden in der Eifel. Der Lapsus zeigt: Interessante Bauten stehen manchmal nicht in der ersten Reihe, sondern unvermutet abseits der ausgetretenen Pfade in der dritten oder vierten. Das ist gut so, denn gerade in der Provinz ist es um die architektonische Qualität oft nicht zum Besten bestellt.

          Gewinner aus Lübeck

          Einmal im Jahr veröffentlicht das Architekturmuseum eine Bestenliste. 24 mustergültige Bauten werden auch in diesem Jahr wieder in einer Ausstellung präsentiert. Anders als in den vergangenen neun Jahren hat aber nicht eine Jury allein über die Auswahl entschieden. Gemeinsam mit den Architektenkammern der Länder wurde zunächst eine umfangreiche Liste mit hundert Kandidaten erstellt, aus der dann vier Finalisten ausgewählt wurden, aus denen - nach einer Jury-Exkursion zu diesen vier Bauten - wiederum der Gewinner des DAM-Preises 2017 hervorging. Dieses Verfahren wirkt nicht nur transparenter als zuvor. Die Nominierten auf der sogenannten Longlist haben so auch eine Chance, ein wenig Glanz auf sich zu ziehen. Darunter sind mehrere Frankfurter Projekte.

          Der Gewinner des DAM-Preises ist in diesem Jahr ein Nordlicht. Das Europäische Hansemuseum in Lübeck setzt nicht nur gestalterisch, sondern auch städtebaulich Maßstäbe. Der Architekt Andreas Heller hat hinter einer Fassade aus dänischem Backstein ein verwinkeltes Gebäudeensemble erschaffen, das die Lübecker Altstadt bereichert und neue Wegebeziehungen öffnet.

          Kein einziges Bürogebäude

          Aber die Konkurrenz war stark: Unter den Finalisten war auch ein bemerkenswertes Wohnhochhaus. Wer früher mit dem Zug durch Pforzheim fuhr, beachtete das Hochhaus am Gleisfeld kaum. Unscheinbar stand es da, wie schon oft gesehene Dutzendware und gebaute Langeweile. Das hat sich gründlich geändert. Nach 45 Jahren war das 1970 errichtete Haus in die Jahre gekommen und musste saniert werden.

          Die städtische Wohnungsgesellschaft Pforzheimer Bau und Grund beauftragte das Architekturbüro Freivogel Mayer, das der alten Substanz eine Frischekur verabreichte. Die vorgehängten Balkone nahmen die Architekten ab und stellten wie ein offenes Regal neue Loggien davor. Eine strenge Fassade aus hellen Betonwerksteinen wurde vorgehängt und ein Stockwerk aufgesetzt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, auch energetisch - der Verbrauch sank um 90 Prozent, die Mieten stiegen nur moderat.

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