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„Spezialisten ohne Lobby“ : Immer mehr Wildbienen-Arten droht der Tod

  • Aktualisiert am

Im Zweifel bedroht: Berglandhummel Bild: dpa

420 Arten von Wildbienen gibt es noch in Hessen. Diese Zahl könnte sich in Zukunft halbieren. Hessen setzt auf eine Initiative zum Schutz der Tiere, und in München bekommen die Insekten Rückennummern.

          Geschätzt 30.000 Arten von Wildbienen schwirren weltweit umher. In Deutschland sind es nur etwa 500 - und es werden immer weniger. Der drohende Schwund der schwarz-gelben Insekten ist Anlass für eine landesweite Kampagne. Ein „bienenfreundliches Hessen“ rief das Umweltministerium aus und forderte Bürgerinnen und Bürger zum Mitmachen und dem Erhalt der Artenvielfalt auf. „Bienen sind lebensnotwendig. 80 Prozent unserer Pflanzen sind auf die Bestäubung von Bienen, Wildbienen, Hummeln und Co. angewiesen“, mahnte Ministerin Priska Hinz (Grüne).

          Tatsächlich haben Wildbienen einen weit schwereren Stand als Honigbienen. Wildbienen gelten als Solitärinsekten und haben im Gegensatz zu den Honigbienen keine Imker, die sich um sie kümmern. Schwache Völker und Arten verenden durch die mangelnde Betreuung weit schneller. „Wildbienen haben keine Lobby. Bei ihnen merkt man Schwäche erst, wenn sie ausgestorben sind“, sagte eine Sprecherin des Deutschen Imkerbundes. Die Imker sprechen zwar immer für Honig- und Wildbienen, sorgen sich aber nur um die ertragreichere der beiden Arten.

          420 Arten in Hessen - noch

          Auch in Hessen ist bei der Gattung der Wildbiene ein extremer Schwund zu befürchten. Von den rund 420 Arten seien nach Angaben des Umweltministeriums 43 Prozent vom Aussterben bedroht. Das Futter werde ab Mitte Juni, wenn der Raps verblüht ist, knapp, hieß es in der Begründung. In einer Kampagne sollen sich die Menschen nun für die Bienen einsetzen.

          „Mit unserer hessenweiten Bienenkampagne stellen wir dabei nicht nur die Bestäuber in den Mittelpunkt, sondern auch die vielen Möglichkeiten, die es für uns alle gibt, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken“, erklärte Ministerin Hinz. Um die Vielfalt zu erhalten, rät die Grüne-Politikerin den Bürgern, Nistplätze für Bienen und Vögel auf dem Balkon anzulegen oder heimische Pflanzen mit ungefüllten Blüten zuhause anzupflanzen.

          Dabei hatten auch die Honigbienen in den vergangenen Monaten „bedenkliche Verluste“ zu verkraften, wie der Imkerverband erklärte. Grund war der sehr milde Winter ein Jahr zuvor, der zu einem erhöhten Milbenbefall führte. Doch die Imker können bei Honigbienen in solchen Situationen eingreifen und schwächelnde Völker retten, indem sie diese auflösen und starken Völkern hinzufügen.

          Blühinseln anbauen

          Wildbienen haben neben diesem aber noch weitere Nachteile. „Sie sind Spezialisten und meist auf eine bestimmte Pflanzenart angewiesen. Wenn die Pflanze stirbt, stirbt meist auch die Art der Wildbiene“, erklärte die Sprecherin. Zudem falle ihnen die Nahrungsversorgung viel schwerer als Honigbienen. Wie die Imker erklärten, sind Wildbienen auf Nahversorgung angewiesen, „weil sie einen engeren Flugradius haben“.

          Auch in anderen Gegenden macht man sich Gedanken, wie auf den drohenden Schwund der Bienenarten reagiert werden kann. An der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) in München werden Vertreter von über 400 verschiedene Arten mit Rückennummern versehen. Die Münchner sind seit April dazu angehalten, einer Doktorandin mitzuteilen, wo sie die markierten Bienen sehen. An Orten, an denen sich die Bienen besonders häufig und gerne aufhalten, könnten Blühinseln angebaut werden. Diese seien besonders wichtig - für den Erhalt von Pflanzen und von Wildbienen.

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